
- Cover Geliebte alte Bücher - Jan Thorbecke Verlag
Als Meggies Vater, der Buchbinder Mo, in der Tintenwelt-Trilogie alte Bücher reparierte, da wurde der Wert und die Schönheit alter Bücher erneut einem größeren und jüngeren Publikum bewusst. Die Tradition des Büchersammelns und die damit verbundene Pflege des Bestands ist eine jahrhundertealte Tradition, aber was weiß man selbst schon darüber, ganz egal, wie oft man ein Buch aus dem Regal geholt hat? Der Buchhändler, Kurator und Buchexperte Joachim Elias Zender wendet sich mit dem Titel „Geliebte alte Bücher“ nicht nur an Fachleute, sondern auch an Laien, um zu erläutern, wie man den Wert alter Bücher richtig einschätzt, wie man sie sammelt und pflegt.
Welches alte Buch ist wertvoll?
Nicht jedes Buch, das alt ist, ist gleichzeitig auch besonders wertvoll. Zum einen ist es das spezielle Sammlerinteresse, das dem Buch erst seinen Wert verleiht, zum anderen gibt es eine Reihe von Parametern, die über den Wert mitentscheiden. Zender zählt dazu unter anderem den Autor und Verlag, die Seltenheit des Buches, Ausstattung, Thema, Vorbesitzer, Erhaltungszustand und die Signatur, wobei die Unterschrift irgendeines unberühmten Vorbesitzers auf dem Deckblatt den Wert mindert, hingegen das Autogramm des Verfassers den Wert natürlich steigert.
Wie geht man mit alten Büchern um?
Das Buch mal eben mit zwei Fingern aus dem Regal angeln und es sich dann mit ihm und einem Glas Rotwein am Kamin bequem machen - das ist möglich, dazu nimmt man jedoch am besten ein günstiges Taschenbuch neueren Datums. Um gut über die Zeit zu kommen, benötigen alte Bücher eine Umgebung, wie sie sie einst in dunklen, kühlen Klosterbibliotheken vorfanden, so Joachim Elias Zender. Die Temperatur sollte stets zwischen 18° und 20° Celsius liegen, die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 65 % betragen. Dass Licht für Bücher schädlich ist, da es die Farben ausbleicht, hat sicher jeder schon einmal beobachtet, der ein Buch in der Sonne liegen ließ oder ein Regal besitzt, das in Fensternähe steht. Dämmerlicht ist für Bücher richtig, mit Folien an den Scheiben kann man das UV-Licht eindämmen. Was gut für die Bücher ist, ist nicht gerade eine betörende Umgebung für ihre Leser, doch man muss Prioritäten setzen.
Von welchen Schäden werden alte Bücher bedroht?
So viele feindliche Elemente nagen am Buch, dass es fast schon an ein Wunder grenzt, dass es gut erhaltene jahrhundertealte Bücher gibt. Die falsche Aufstellung im Regal, zu eng oder zu lose, Mikroorganismen und Insekten, der Fotokopierer mit seinem Licht, seiner Wärme und seinem Druck auf den Buchdeckel, sogar die Tinte von Ex Libris-Stempeln setzen Büchern zu und beschleunigen ihren Verfall.
Praktische Tipps für das heimische Bücherregal
Neben den Tipps, um die eigenen Bücher gut zu pflegen, erfährt man auch noch eine Menge über die Buchgeschichte, Papier und den Aufbau eines Buches – alles, was bibliophile Menschen interessieren kann. Das selbstverständlich sehr schön gestaltete Buch, in Halbleinen, mit zahlreichen Abbildungen und Fotos versehen, bietet einen praktischen und gut verständlichen Einstieg ins Thema. Wer die eigene Sammlung pflegen und bewahren oder den Wert alter Bücher besser einschätzen lernen möchte, ist mit diesem Titel gut bedient. Um das Thema zu vertiefen, hilft die Literaturliste weiter.
Joachim Elias Zender: Geliebte alte Bücher. Sammeln – pflegen – schätzen. Jan Thorbecke Verlag 2010. Halbleinenband, 136 Seiten. EUR 34,90.
