Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident

Joachim Gauck im zweiten Anlauf Bundespräsident - wikimedia commons
Joachim Gauck im zweiten Anlauf Bundespräsident - wikimedia commons
Durch einen cleveren Schachzug der FDP wurde Joachim Gauck am 19.02.2012 für das Bundespräsidentenamt nominiert. Am 18.03.2012 wurde er gewählt.

Vehement hatten sich Kanzlerin Angela Merkel und die Unionsspitze gegen eine Kandidatur von Joachim Gauck gesträubt, nachdem Christian Wulff am 18. Februar 2012 vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten war. Es war ein zähes Ringen, denn nachdem Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, als Favorit der Regierungskoalition abgelehnt hatte und weitere, mögliche Kandidaten entweder indiskutabel waren oder nicht zur Verfügung standen, war bis Sonntagnachmittag, 19. Februar 2012, noch alles offen.

FDP setzt Kanzlerin unter Druck

Die FDP brachte Bewegung in die Verhandlungen, als sie am Sonntagmittag bekannt gab, das Präsidium habe sich einstimmig für Joachim Gauck ausgesprochen. Das brachte Kanzlerin Angela Merkel in Zugzwang. Politische Beobachter sprechen davon, dass es im Gebälk des Koalitionsgebäudes knirschte und eine Regierungskrise dräute. Andere sprechen von einer "Erpressung“ der FDP mit der Absicht, Angela Merkel in die Knie zu zwingen. In der Tat, man könnte von einer Retourkutsche ausgehen. Wie Hildegard Hamm-Brücher, die "Grande Dame der FDP" im ARD-Talk bei Günther Jauch erklärte, hätten schon bei der Bundespräsidentenwahl vor zwei Jahren die meisten liberalen Wahlmänner und -frauen lieber für Gauck statt für Wulff gestimmt, wären aber von der Union unter Druck gesetzt worden.

Merkel und die Union lehnten Gauck zunächst kategorisch ab

Am Sonntag hatten die Liberalen den Spieß umgedreht und Merkel in die Bredouille gebracht. Noch bis gegen Abend hatten die Kanzlerin und die Spitzen der CDU/CSU laut Medienberichten eine Kandidatur Gaucks kategorisch abgelehnt. Die Kehrtwende zeichnete sich erst in der letzten halben Stunde vor dem Treffen mit den führenden Politikern von SPD und Grünen ab, das eigentlich 30 Minuten früher anberaumt war, aber wegen der Irritationen zwischen CDU/CSU und FDP verschoben wurde.

In der Sondersendung der ARD, die sich an den Sonntagabend-Krimi anschloss, konnte sich SPD-Parteichef Sigmar Gabriel ein Feixen nicht verkneifen, denn seine Partei hatte gemeinsam mit den Grünen vor zwei Jahren Joachim Gauck als "Bundespräsident der Herzen" gegen Christian Wulff gesetzt. Für Merkel bedeutet die jetzige Entscheidung eine Niederlage, denn sie hatte den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln ins Amt des Bundespräsidenten gehoben und Gauck verhindert.

Wer ist der neue Bundespräsident?

Der evangelische Pfarrer Joachim Gauck hatte sich als Bürgerrechtler in der ehemaligen DDR engagiert und war in der Führungsspitze des Neuen Forums aktiv. Bei der ersten freien Wahl der Volkskammer im Jahr 1990 wurde er Abgeordneter und Vorsitzender des Sonderausschusses zur Auflösung des Stasi-Apparates. Richtig bekannt wurde sein Name durch die Leitung der Behörde, die den Nachlass der Stasi verwaltete und aufarbeitete, die nach ihm benannte "Gauck-Behörde" - später "Birthler-Behörde". Joachim Gauck gehört keiner Partei an, gilt aber als liberal-konservativ.

Eigentlich wollte Joachim Gauck lieber Germanistik studieren oder Journalist werden. Aber seine Familie war im DDR-Regime als systemkritisch eingestuft, er selbst nicht in der FDJ, weshalb ihm das gewünschte Studienfach verwehrt wurde. Als Alternative begann er 1958 ein Theologie-Studium in Rostock. Ein Jahr später heiratete er seine Frau Hansi, mit der er vier Kinder hat. Gauck lebt seit 1991 getrennt von ihr. Das Ehepaar ist aber nicht geschieden. Die Vita des neuen Bundespräsidenten sagt viel darüber aus, warum der Begriff "Freiheit" für Joachim Gauck eine herausragende Bedeutung spielt.

Bundesversammlung trat 18. März zusammen

Die Bundesversammlung kam am 18. März zusammen, um Joachim Gauck in das höchste Staatsamt zu wählen. Die Linke, die einen Anteil von 10 Prozent der Wahlmänner und -frauen in der Bundesversammlung hat, hatte mit Beate Klarsfeld eine eigene Kandidatin aufgestellt. Die als Nazi-Jägerin bekannte Journalistin war während der Hochphase der APO in die Schlagzeilen geraten, als sie den damaligen Ministerpräsidenten Kurt Georg Kiesinger wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP geohrfeigt hatte. Bei der Bundespräsidentenwahl am 18. März 2012 war nur ein Wahlgang nötig. Joachim Gauck wurde mit 80 Prozent der Stimmen zum Bundespräsidenten gewählt.

Quellen:

  • focus online
  • zeit online
  • welt online
Ruth Weitz, © Ruth Weitz

Ruth Weitz - Ruth Weitz, freie Journalistin, Obernburg am Main. Presse- und PR-Arbeit. Foto-Aufnahmen. Ich habe Schreiben zu meiner Profession ...

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