Joann Sfar & Christophe Blain: Sokrates der Halbhund 1 – Herakles

Cover - Reprodukt
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Sfar & Blain ziehen mit ihrem steigerungsfähigen Auftaktband ihrer antiken Mythologie-Satire „Sokrates der Halbhund" noch nicht alle Register ihres Könnens

Sokrates? Etwa der antike Philosoph? Nein. In diesem Fall handelt es sich um Sokrates der Halbhund. Halb Hund, halb Philosoph. Dieser absurd-komische Einfall kann nur von Joann Sfar stammen, der sich mit Serien wie Klezmer oder Die Katze des Rabbiners (beide avant-verlag) längst einen Namen gemacht hat. Auch der Comickünstler Christophe Blain ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr: man kennt ihn unter anderem von der Serie Isaak der Pirat oder dem Album Das Getriebe (beide Reprodukt). Bein Reprodukt ist nun der Auftaktband der Serie Sokrates der Halbhund erschienen.

Heraklas – aus der Sicht eines Philosophen

Nun haben sich die beiden französischen Shootingstars also zusammengetan um die vor dem Hintergrund antiker Mythologie zu fabulieren, was das Zeug hält. Im Auftaktband „Herakles“ wird der Halbhund Sokrates als philosophierender und sprechender Getreuer des Herakles eingeführt.

Immer am Grübeln, kommentiert Sokrates die gefährlichen Abenteuer seines Herrn und hilft ihm bei den Eroberungsfeldzügen beim anderen Geschlecht. Denn Herakles ist den Frauen verfallen und kennt sonst nur noch den Kampf – mit Monstern, Tieren oder Menschen.

Guter Ausgangspunkt, aber Wiederholungen

Sfar geht in „Herakles“ noch nicht ganz in die Vollen. Zu schnell wiederholen sich die Handlungsabläufe, zu lang erstreckt sich über weite Teile der Erzähltext und zu kurz kommt die Philosophie. Die Grundidee ist genial: Da wird im Prinzip eine mythologische Heldengestalt durch den vermeintlichen Blick des Philosophenhundes verballhornt.

Doch aus dem Stoff hätte man mehr herausholen müssen. Zum Beispiel hätte der Hund seinem Namen alle Ehre machen können und tatsächlich philosophische Texte von sich lassen können. Die Frauengeschichten sind ganz nett, wiederholen sich aber, was unnötig ist.

Expressiver Strich, dynamischer Lesefluss

Blain erfüllt seinen Job ausgezeichnet. Er führt einen ausdrucksstarken Strich zwischen Realismus und Reduktion. Die flächig aufgetragenen Farben kommen mal grell und mal matt daher und erzeugen durchaus die passende Atmosphäre zur Geschichte Sfars.

Der Zeichner verwendet immer sechs quadratische Panels pro Seite, was einerseits für einen dynamischen Lesefluss sorgt, aber die inhaltliche Wiederholung leider bekräftigt. In Kombination mit den zum Teil langgezogenen Erzählpassagen des Hundes stellt sich deshalb nach einiger Zeit eine gewisse Motivationsschwäche ein.

Noch nicht ganz das Maß der Dinge

„Herakles“ ist trotz der angebrachten Kritik immer noch ein überdurchschnittlich guter Comicband. Jedoch wird das Können der beiden herausragenden Comicautoren bisher nur angedeutet. Da ist noch Luft nach oben für den zweiten Band „Odysseus“. Zweifler sollten deshalb erst die Fortsetzung abwarten, wenn sie sicher gehen wollen. Eingefleischte Fans der beiden Autoren werden sicherlich auch mit diesem Band glücklich werden.

Wertung: 3,5 von 5

Joann Sfar & Christophe Blain: Sokrates der Halbhund 1 – Herakles. Reprodukt, 2011. Softcover, 48 Seiten. Euro 12.