
- Immer mehr Deutsche wollen so schön leben - MDR / Degeto / Lisa Film / Oliver Roth
Die Zahl der Auswanderer steigt und steigt. Vorbei sind die Zeiten, in denen Jahr für Jahr immer mehr Menschen aus aller Welt bei uns einreisten - nun geht es andersrum. Allein in 2010 standen 721.000 Zuzügler 734.000 Auswanderern gegenüber. In der näheren Zukunft dürfte sich das nicht ändern. Denn Fernweh, Neugier und vor allem die Angst vor Arbeitslosigkeit und Altersarmut werden den Mobilitätsdrang weiter steigern.
Auf allen Kanälen schildern Auswanderer ihre Erlebnisse
Ein wahrer Auswandererboom hat die Berichterstattung in den deutschen Fernsehsendern erreicht. Querbeet schildern sie ihre Erfahrungen in aller Welt. Mal tischlert ein Hamburger ("Der Traum vom Auswandern" / 3sat) auf Bali in Sandalen und bei schwülender Hitze in einer Hütte, dann wiederum kümmert sich eine nette Krankenschwester um die Patienten einer Klinik in Buenos Aires. Allen gemein ist in dieser Dokureihe die Benotung ihres Auswandererzieles mit der subjektiven Einschätzung von "Sehr gut" bis "Mangelhaft" - sowie natürlich der alles entscheidenden Frage, ob sie tatsächlich eine neue Heimat gefunden hätten. Die Antwort fällt nicht immer positiv aus, es gibt auch Negativstimmen, und die Heimreise folgt.
"Wirtschaftsflüchtling" Vera ging in die Schweiz
Zuweilen werden die Reality-Shows mit sonderbaren Titeln belegt: Beispielsweise die mit Vera Schulz. Die gelernte Busfahrerin ging in die Schweiz aus Angst vor Altersarmut und Arbeitslosigkeit. Eine tüchtige Frau, die etwas aus ihrem Leben machen will und keine Arbeit scheut. Die ganz offen den Zuschauern ihre Erkenntnisse schildert. Und die vom Filmteam als "Wirtschaftsflüchtling" bezeichnet wird. Freundlich ist das nicht.
Die Arbeitssituation verschlechtere sich weiter, sagen Freunde
So sehr finanzielle Gründe auch eine Rolle mitgespielt haben mögen bei der Entscheidung, den Arbeitsplatz und den Wohnsitz in die Schweiz zu verlegen, so sehr faszinieren Veras Aussagen über ihre neuen "MitbewohnerInnen": Die Eidgenossen, so betont sie mehrfach, seien richtig nett, freundlich, zuvorkommend. Auch auf der Arbeitsstelle, wo man sich um die MitarbeiterInnen redlich bemüht und für sie sorgt. Wenn sie davon ihren Freunden erzählt, winken die ab. Nein, in Deutschland würde alles immer schlimmer, sagen sie, die Situation am Arbeitsplatz verschlechtere sich zusehends. Sie solle froh sein, in der Schweiz unter so guten Bedingungen zu leben. Vera gibt ihnen Recht. Sie will nicht mehr zurück.
So mancher trifft in der Ferne sogar seinen Traumpartner
Dieses Glücksgefühl kennen auch Menschen, die irgendwo auf der Welt ihre große Liebe gefunden haben. Eine Reportage im Dezember ("Traumprinz aus der Ferne" / ZDF Info / 11.12.2011) zeigt, wie so etwas wirklich möglich ist - wenn beide Partner mit vereinten Kräften versuchen, ihre kulturellen Unterschiede zu überwinden und miteinander glücklich werden wollen. Unter solchen Umständen fällt das Auswandern natürlich viel leichter, als wenn man alleine ist und den großen Schritt ins Neuland wagt.
Die beliebtesten Ziele der deutschen Auswanderer
In welche Länder zieht es die Deutschen am allerliebsten? Das Statistische Bundesamt weiß das und weist die Rangfolge (abfallend, 2010) aus: Die meisten wollen in die Schweiz, gefolgt von den Zielen Vereinigte Staaten, Österreich, Polen, Vereinigtes Königreich, Spanien, Frankreich, Türkei, Australien, Niederlande, Kanada, Italien, China, Russische Föderation, Belgien, Schweden, Norwegen, Thailand, Brasilien, Vereinigte Arabische Emirate.
Viele Heimkehrer finden sich bei uns nicht mehr zurecht
Die meisten Auswanderer, die sich mit den Gewohnheiten den Gastlandes arrangiert, viele der dortigen Gepflogenheiten angenommen und auch die Sprache erlernt haben, kehren nicht oder nur ungern wieder nach Deutschland zurück. Doch auch hier hat sich der Wind gedreht, auch hier ist die Realität inzwischen eine andere als beim Verlassen in die Ferne. Die Folge: Auffallend viele Heimkehrer finden sich bei uns nur noch mühevoll, wenn überhaupt, zurecht.
Überwintern auf Mallorca, im Sommer aber zu Hause in Deutschland
Um gar nicht erst in so eine psychische Klemme zu geraten, lassen sich manche zahlungskräftige Senioren auf die Zwischenlösung ein, auf Mallorca oder in der Türkei zu überwintern und den Sommer in ihrer Wohnung in Deutschland zu verbringen. Für sie gilt: Verreisen ist ja ganz nett. Aber zu Hause ist es doch am schönsten!
Quellen:
- Der Spiegel
- Statistisches Bundesamt
- geld-kompakt.de
- ZDF
- ZDF Info
- 3sat
