Wer über keinen Berufsabschluss verfügt oder in seinem erlernten Beruf nicht mehr arbeiten kann oder will, dem stehen einige Branchen zum Quereinstieg offen. Das Sicherheitsgewerbe ist eines davon. Hier gibt es mannigfaltige Möglichkeiten für Quereinsteiger, die zwar eine Zusatzqualifikation benötigen, deren Umfang jedoch überschaubar ist.

Jobs im einfachen Sicherheitsgewerbe

Das einfache Sicherheitsgewerbe bietet Tätigkeiten im Objekt- und Wachschutz. Man wird schnell fündig, wenn man nach folgenden Begriffen im Internet sucht:

  • Sicherheitsmitarbeiter,
  • Mitarbeiter im Sicherheitsdienst,
  • Museumsmitarbeiter,
  • Türsteher,
  • Personenschützer,
  • Leibwächter,
  • Revierfahrer,
  • Pförtner,
  • Kaufhausdetektiv,
  • Fahrkartenkontrolleur,
  • Mitarbeiter Geldtransport.
Zahlreiche private Firmen suchen entsprechendes Personal. Doch der Einstieg geht nicht von heute auf morgen. Für den Museumsdienst reicht in der Regel eine Unterrichtung für Arbeitnehmer nach § 34 a GewO bei der IHK. Für die meisten anderen Tätigkeiten müssen die Bewerber mindestens die Sachkundeprüfung nach § 34 a Gewerbeordnung bei der IHK bestanden haben, wobei die Durchfallquoten immer wieder als hoch angegeben werden. Daher bieten zahlreiche Bildungsträger Vorbereitungskurse an, die zwischen zehn Tagen und mehreren Wochen dauern können und auch von den Kosten unterschiedlich sind (rund 500 bis 2.000 Euro, inklusive der Prüfungsgebühr der IHK). Wer sich das nicht leisten kann oder will, hat die Möglichkeit, sich auf die Prüfung mit entsprechender Literatur auch ohne solche Kurse vorzubereiten. Des Weiteren bietet die DIHK einen kostenlosen Online-Test, der verrät, wie gut man das Erlernte inzwischen beherrscht. Erzielt man bei diesem Test gute Ergebnisse, lohnt sich die Anmeldung für die Prüfung.

Arbeitsbedingungen und Löhne im Sicherheitsgewerbe

Im Sicherheitsgewerbe sind Schicht- und Wochenendarbeit absolut üblich. Die Stundenlöhne sind niedrig und etwa beim Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen e.V. (BDWS) zu erfahren. Seit dem 1. Januar 2011 gilt ein neuer Tarifvertrag zur Regelung der Mindestlöhne für Sicherheitsdienstleistungen. In den meisten Bundesländern beträgt er 6,53 Euro brutto die Stunde; mehr zahlen Hamburg (6,94 Euro), Bremen (6,99 Euro), Niedersachsen (7,14 Euro), Hessen (7,50 Euro), Nordrhein-Westfallen (7,82 Euro), Bayern (8,00 Euro) und Baden Württemberg (8,46 Euro). Zum 1. Mai 2011 steigen in besser zahlenden Regionen nochmal die Löhne, während die Mitarbeiter in den übrigen Bundesländern erst zum 1. März 2012 eine Lohnsteigerung von 6,53 Euro auf 7,00 Euro erwarten können.

In der Regel zahlt das Gewerbe auch nur diese mit der Verdi-Gewerkschaft vereinbarten Mindestlöhne, nur im höheren Segment wird auch übertariflich bezahlt – beispielsweise für die Bewachung teurer Boutiquen oder am Empfang in sicherheitsrelevanten Zonen der großen, renommierten Unternehmen. Auch bei der Flughafensicherung als Luftsicherheitskontrollkraft nach § 8 LuftsichG wird mehr bezahlt und Fahrkartenkontrolleure erhalten zu ihrem Lohn eine Prämie.

Berufsmöglichkeiten bei der Bundeswehr

Auf ihren Seiten informiert die Bundeswehr über die Möglichkeiten eines Einstiegs. Mit einem Hauptschulabschluss ist die Laufbahn der Mannschaften oder des Fachunteroffiziers des allgemeinen Fachdienstes möglich. Regeldienstgrad bei Eintritt in die Bundeswehr ist der niedrigste Dienstgrad Schütze, Matrose oder Flieger, die Bezüge von rund 1.470 netto bekommen. In der Regel erfolgt bereits nach drei Monaten die Beförderung zum Gefreiten und damit auch die Steigerung der Bezüge. Mit einem Realschulabschluss ist die Laufbahn eines Feldwebel im Truppendienst möglich und mit einer relevanten abgeschlossenen Berufsausbildung die des Feldwebels des allgemeinen Fachdienstes. Mit Realschulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder mit einem Fachabitur/Abitur steht dem Bewerber der Weg in die Offizierslaufbahn offen. Es gibt darüber hinaus die Möglichkeit, bei der Bundeswehr ein Studium oder eine zivile Berufsausbildung aufzunehmen und abzuschließen. Für ausgebildete Ärzte gibt es den Weg in den Sanitätsdienst, für Volljuristen in die Offizierslaufbahn. Auch sprachbegabte, „interkulturelle Einsatzberater“ werden von der Bundeswehr eingestellt. Auslandseinsätze werden je nach Gefährdungslage zusätzlich entschädigt. Einzelne Voraussetzungen und Altersbeschränkungen sind bei den entsprechenden Beratungsdiensten der Bundeswehr zu erfragen.

Rund um die Sicherheit im öffentlichen Dienst

Es gibt einige Möglichkeiten im öffentlichen Dienst tätig zu werden, auch wenn die meisten Wege an eine zusätzliche Ausbildung geknüpft sind. Zwar unterhält auch der öffentliche Dienst hin und wieder einfache Pförtnerstellen – diese werden jedoch zunehmend an private Dienstleister ausgelagert.

Berufsmöglichkeiten bei der Feuerwehr

Das Feuerwehr-Portal bietet die Möglichkeit, aktuell ausgeschriebene Jobangebote bei der Feuerwehr einzusehen. Und die jeweiligen Landesämter suchen regelmäßig Interessenten für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst bei der Berufsfeuerwehr in der Funktion des sogenannten Brandmeister-Anwärters. Dabei handelt es sich um eine zweijährige Ausbildung im Beamtenverhältnis auf Widerruf (Vorbereitungsdienst). Während der Ausbildung werden Anwärterbezüge für Beamte des mittleren Dienstes und entsprechende Zulagen gezahlt.

Zu den Voraussetzungen zählen im Allgemeinen der Besitz des Realschulabschlusses oder eines Hauptschulabschlusses in Kombination mit einer abgeschlossenen Ausbildung, wobei Letztere für die Verwendung in der Feuerwehr förderlich sein sollte. Eine Rolle spielt darüber hinaus das Alter, der Fitnessgrad und der Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis.

Berufsmöglichkeiten bei der Polizei

Die Polizei sucht regelmäßig „Polizeimeister-Anwärter“ für die Ausbildung im mittleren Dienst unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Widerruf (Vorbereitungsdienst). Auch hier gelten ähnliche Voraussetzungen wie bei der Feuerwehr. Genaues erfährt man auf der Website der jeweiligen Länderpolizei. Die Polizei bietet des Weiteren Studiengänge für den Einstieg in den gehobenen Dienst an. Für die Laufbahn des höheren Polizeivollzugsdienstes (Schutz- und Kriminalpolizei) kommen vor allem Volljuristen infrage, darüber hinaus aber auch Absolventen anderer Studienfächer, etwa Wirtschafts-, Sozial-, Politik- und Betriebswissenschaften. Weitere Voraussetzungen wie Staatsangehörigkeit und Alter sind ebenfalls zu beachten.

Berufsmöglichkeiten beim Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst

Mit einer abgeschlossenen Ausbildung kann man sich auch beim Bundesamt für Verfassungsschutz oder beim Bundesnachrichtendienst bewerben. Der Verfassungsschutz schreibt Stellen für Observationsmitarbeiter aus – hier ist der Besitz des Führerscheins eine zwingende Voraussetzung. Der Bundesnachrichtendienst und der Verfassungsschutz stellen außerdem sprachbegabte Übersetzer als Quereinsteiger ein.

Sonstige Berufsmöglichkeiten im öffentlichen Dienst

Justizhauptwachtmeister sind als Beamte des Justizwachtmeisterdienstes bei den Amtsgerichten, beim Landgericht, Kammergericht, bei der Senatsverwaltung für Justiz, dem Verwaltungsgericht, Oberverwaltungsgericht, Sozialgericht, der Staatsanwaltschaft und Generalstaatsanwaltschaft tätig. Wenn man eine abgeschlossene Ausbildung und mindestens einen Hauptschulabschluss vorweisen kann, besteht die Möglichkeit eine verkürzte Ausbildung von nur sechs Monaten zu absolvieren. Während der Ausbildung zahlt etwa das Land Berlin Bezüge in Höhe von 719 Euro brutto monatlich. Hier ist der Führerschein nicht unbedingt notwendig – darüber hinaus bestehen aber auch hier Altersgrenzen und andere Voraussetzungen wie die Staatsangehörigkeit, die erfüllt sein müssen.

Eine weitere Möglichkeit der Tätigkeit im öffentlichen Dienst ist der Einsatz in der Parkraumbewirtschaftung. Mögliche Berufsbezeichnung ist auch Außendienstmitarbeiter für Verkehrsüberwachung – die meisten kennen den Beruf jedoch unter dem Namen „Politesse“. Auch hier verlangen die Länder in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung und eine Fahrerlaubnis – der Rest, und dies ist vor allem die persönliche Eignung, wird in den Einstellungsverfahren geklärt. Das erforderliche Fachwissen wird den erfolgreichen Bewerbern in einer kurzen Schulung zugänglich gemacht.

Buchempfehlung:

Ulrich Jochmann, Jörg Zitzmann. Sachkundeprüfung im Bewachungsgewerbe: Sachkundeprüfung gemäß §34 a GewO. Aufl. 7 2009. Euro 24,80.

Weitere Informationen:

Wege zur Finanzierung von Ausbildungen und Studiengängen

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