Joe Frazier ist tot: Der Boxsport trauert um eine Legende

Joe Frazier, Boxlegende und Schwergewichtschampion - Cyberboxingzone
Joe Frazier, Boxlegende und Schwergewichtschampion - Cyberboxingzone
Boxen: Der frühere Schwergewichtsweltmeister und Muhammad Ali Gegner verlor seinen letzten Kampf gegen den Krebs und ist am 7. November 2011 gestorben.

Philadelphia war berühmt für seine Boxer, vor allem auch für seine herausragenden Trainingsstätten. Es hieß, das Training sei dort härter als der Boxkampf selbst. Verlor ein Boxer aus „Philly“, so munkelte man, er habe die Form im Sparring gelassen. Viele Champions kamen aus Philadelphia: harte Fighter wie Jersey Joe Walcott, Joey Giardello, Meldrick Taylor oder Matthew Saad Muhammad. Der wohl berühmteste Boxer von allen war von 1968 bis 1973 Schwergewichtsweltmeister: Joe Frazier.

Joe Frazier, Boxweltmeister aus Philadelphia, USA

Frazier wurde am 12. Januar 1944 als jüngstes von 13 Kindern in Beaufort, South Carolina, geboren. Die Großfamilie hauste in einer Barackensiedlung. Die Lebensverhältnis waren so erbärmlich, dass bereits vier von Joes Geschwistern gestorben waren. Der Vater hatte bei einem Unfall den linken Arm verloren, und so war der Sohn sprichwörtlich seine linke Hand: „Wenn Vater den Hammer schlug“, erzählte Joe Frazier gerne, „musste ich den Nagel festhalten.“ Später im Boxring war es die Linke von Joe Frazier, die zum „Hammer“ avancierte, als er im „Jahrhundertkampf“ den „Größten“ Muhammad Ali auf die Bretter schickte.

Wie Boxer Joe Frazier zu seinem Kampfnamen kam

Mit 16 Jahren heiratete Joe seine Jugendliebe Florence und ging nach Philadelphia, wo er als Hilfskraft im Schlachthof jobbte und in der Sporthalle der Police Athletic League in der 23rd Street mit dem Boxen begann. Unter den Augen von Trainer Duke Dugend und Manager Yank Durham gewann Frazier mit 19 Jahren die „Golden Gloves“ und wurde 1964 für die US-Olympia-Ausscheidung nominiert. „Joe, hau drauf, bis das Leder qualmt!“ lautete das Credo von Yank Durham, was Frazier später den Spitznamen „Smoking Joe“ einbrachte.

Boxolympiasieger im Schwergewicht: Joe Frazier

Als Ersatzmann für den verletzten Buster Mathis, der ihn bei der Olympiaausscheidung bezwang, durfte Frazier zu den Olympischen Spielen nach Tokio reisen. Dort holte er sich trotz einer gebrochenen Hand die Goldmedaille durch einen Sieg über den Deutschen Hans Huber. Seinen Triumph musste der Amerikaner aber teuer bezahlen. Zurück in den Staaten verlor der verletzte Olympiasieger seinen Job und hatte kein Geld mehr. Die Zeitung „Daily News“ machte seinen Fall öffentlich, was zwar einige Spenden einbrachte, jedoch keinen lukrativen Profiboxvertrag.

Joe Frazier, der schwarze Rocky Marciano

Obwohl Joe mit seinen 1,82 Meter und der Reichweite von 1,85 Meter keine guten Voraussetzungen für das Schwergewicht mitbrachte, fanden sich dank guter Knockoutsiege und positiver PR schließlich doch einige Sponsoren in der Form einer Gruppe Geschäftsleute aus Philadelphia. Der „schwarze Rocky Marciano“ machte durch seine pausenlosen Angriffe, egal wie viel er dabei einstecken musste, auf sich aufmerksam und hatte seinen großen Durchbruch mit seinen Siegen über das argentinische Raubein Oscar Bonavena und den harten Kanadier George Chuvalo.

Wie Frazier Weltmeister im Schwergewicht wurde

Als Muhammad Ali wegen Kriegsdienstverweigerung der Weltmeisterschaftsgürtel aberkannt wurde, setzte die WBA von 1967 bis 1968 ein Turnier mit acht Boxern um den WM-Titel an, das Jimmy Ellis gewann. Durham und Frazier jedoch betrachteten sich als Herausforderer Nummer Eins und lehnten eine Teilnahme ab. Der mit der WBA konkurrierende Boxverband WBC setzte 1968 seinerseits eine Schwergewichtsweltmeisterschaft an, in dem sich Joe Frazier und sein alter Rivale aus Amateurtagen Buster Mathis gegenüberstanden. Diesmal siegte Frazier und wurde WBC-Weltmeister. Erst 1970 kam es zum ersehnten Kampf um die alleinige Schwergewichts-Weltmeisterschaft zwischen Frazier und Ellis. Frazier triumphierte, doch viele Boxfans und Boxexperten hielten Muhammad Ali, der drei Jahre lang zum Zuschauen verurteilt war und nun Comeback-Pläne hegte, für den Besten.

Joe Frazier gegen Muhammad Ali - zwei Boxer, die zu Legenden wurden

Der Jahrhundertkampf zwischen Ali und Frazier fand schließlich 1971 statt und übertraf alle Erwartungen, was Spannung, Boxkönnen und Dramatik betraf. In der letzten Runde schlug Frazier seinen Kontrahenten zu Boden und blieb nach einer einstimmigen Punktrichterentscheidung Weltmeister aller Klassen. Erst 1973 wurde Frazier von „Big“ George Foremen, der 1968 Olympiasieger geworden war, brutal ausgeknockt. 1974 kam es dann zur Revanche gegen Muhammad Ali, die dieses Mal „der Größte“ für sich entschied. Doch Frazier ließ sich von der Niederlage nicht entmutigen und gewann seine nächsten Kämpfe, während sich Ali sensationell im "Rumble in the Jungle" den Titel von Foreman holte. So kam es 1975 zum legendären „Thriller in Manila“, in dem sich Ali und Frazier ein erbittertes Gefecht und einen erbarmungslosen Schlagabtausch lieferten. Ali behielt durch technischen Knockout in Runde 14 die Oberhand. Ein Jahr später unterlag Frazier auch in der Revanche gegen Foreman und zog sich 1981 vom Profiboxsport zurück.

Joe Fraziers letzter Kampf gegen den Krebs

Nach seiner Boxkarriere betrieb Frazier ein Boxgym, war als Boxpromotor tätig und unterstützte verschiedene Berufsboxer wie seine Söhne Marvis und Hector. Der Vater von fünf Kindern versuchte sich auch als Musiker und Entertainer, war dabei allerdings nicht so erfolgreich wie als Boxer. 2009 musste er seine Boxhalle wegen finanzieller Schwierigkeiten verkaufen. Im „Kampf des Jahrhunderts“ hatte er einst Muhammad Ali bezwungen. Im „Thrilla von Manila“ war er dem Tode nah. 2011 ist Joe Frazier, einer der Großen des Boxsports, in einem Hospiz an einem Leberkrebsleiden gestorben. Die tödliche Krankheit war erst im Oktober diesen Jahres festgestellt worden. Frazier (32 Siege, 4 Niederlagen, 1 Unentschieden) wurde nur 67 Jahre alt.

Quelle: Boxdatenbank „BoxRec“

Marco Theuer, Boxjournalist, Sportautor

Marco Theuer - Marco Theuer, Jahrgang 1972, Sportautor und Boxjournalist war selbst jahrelang aktiver Boxer und Leistungssportler. Als Landesmeister und ...

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