Johann Georg von Sachsen - Calvinistenhasser, Kaiserfreund

Der sächsische Kurfürst Johann Georg liebte das Jagen, das Saufen und hasste die Calvinisten. Der Lutheraner war kaisertreu; er regierte von 1611 bis 1654.

Wallensteins Bild vom sächsischen Kurfürst war klar und eindeutig: „Was ist er für ein Vieh, was führt er für ein Leben!“. Auch in Kreisen der Diplomaten war der sächsische Hof und hier Johann Georg berüchtigt wegen seiner exzessiven Saufgelage. Daher der Spitzname „Bierjörge“. Gustav Adolf meinte über ihn, die Seele dieses Kurfürsten sein nicht in der Lage, etwas Männliches oder Kräftiges zu erfassen.

Er soll 150 000 Tiere eigenhändig getötet haben

Neben übermäßigen Saufen und Essen war der Sachse einer der größten Jäger seines Standes. Er behauptete von sich, über 150 000 Tiere mit eigener Hand getötet zu haben. Ein schöner Rekord, galt er doch als der erste Weidmann unter seinen nicht minder blutrünstigen Kollegen. Kaiser Ferdinand II. widmete sich diesem Zeitvertreib ebenfalls mit großer Lust.

Der Kurfürst hatte auch andere Seiten. Er entwickelte großes Interesse an Schmuck, Goldarbeiten und der Musik. Hier machte er sich einem Namen durch die mehr oder weniger intensive Förderung des Komponisten Heinrich Schütz. Privat führte er, wie C. V. Wedgwood so schön schreibt, „im Rahmen seiner Intelligenz“ gemäß seinen Grundsätzen ein makelloses Leben.

Oberhaupt der Lutherischen im Reich

Johann Georg war das allgemein anerkannte Oberhaupt der Lutherischen im Reich. Seine Prinzipien können so zusammengefasst werden: Orthodoxes Luthertum, Kaisertreue und Calvinistenhass. Der Hass gegen die Glaubensbrüder wurde insbesondere von seinem Hofprediger Hoe von Hoenegg wach gehalten. Der sächsische Kurfürst war daher folgerichtig auch kein Mitglied der protestantischen Verteidigungsvereinigung, der Union.

Geboren 1585 in Dresden, regierte er seit 1611 Sachsen. Er war neben Maximilian von Bayern einer der Wenigen, die den gesamten Dreißigjährigen Krieg erlebten und dessen Verlauf mitbestimmt haben. Johann Georg und Maximilian hätten die Chance gehabt, eine dritte Partei im Reich zu gründen. Eine Partei, die, überkonfessionell, auf Friedenssicherung hätte ausgelegt sein können. Aber sowohl bei Maximilian (Kurfürstenwürde, Oberpfalz) wie auch bei Johann Georg (Lausitz) standen egoistische, machtpolitische Gründe dem im Wege.

Für den Kaiser gegen die protestantischen Böhmen

Die kaiser- und reichstreue Haltung des Kurfürsten zeigte sich bei der Niederschlagung der böhmischen Rebellion, wo er einen schönen Gewinn in Form der Ober- und Niederlausitz einstrich. Hier war es gegen Protestanten und den calvinistischen Friedrich V. gegangen. Johann Georg hatte damit keine Probleme.

Erst das Restitutionsedikt von 1629, das die Herausgabe der von Protestanten übernommener Klöster und Stifte forderte, beunruhigte Johann Georg. Selbst dies führte nicht dazu, dass er den schwedischen König freudig im Deutschen Reich begrüßte. Die Katastrophe von Magdeburg und als Tilly danach sein Land zu erobern begann, führte zu einem Umdenken. 1631 schloss er mit Gustav Adolf halbherzig eine Allianz. Bei Breitenfeld – dem grandiosen Sieg des Schweden – blamierten sich die Sachsen durch ihre Flucht gleich bis auf die Knochen.

Bruch mit Schweden nach Nördlingen

Johann Georg blieb genau so lange, wie er musste an der Schweden Seite. Nach Gustav Adolfs Tod 1632 ließ er mit Wallenstein über einen Friedensschluss verhandeln. Mit Nördlingen – der schweren Niederlage der Schweden – wechselte er geschwind die Seite. Der Prager Frieden 1635 brachte ihn für die nächsten Jahre an die Seite des Kaisers zurück.

Hans Georg von Arnim, sein Feldherr, der so sehr für eine friedliche Lösung im Reich gearbeitet hatte, konnte diesem Frieden nicht zustimmen. Mit seiner Ehre war es nicht vereinbar, den Bundesgenossen von gestern aus dem Vertrag auszuschließen.

Johann Georg fiel die Desavouierung der Schweden umso leichter, als der Kaiser ihm für vierzig Jahre die Bistümer Meißen, Merseburg und Naumburg überließ. Das verhasste Restitutionsedikt war damit für Sachsen faktisch außer Kraft gesetzt.

Schweden wüteten in Sachsen

Seinem Land tat der Kurfürst keinen Gefallen. Insbesondere mit dem erneuten Erstarken der Schweden 1636 wurde Sachsen in den nächsten Jahren kräftig gezaust. Ob nun von den feindlichen Truppen oder den Verbündeten – den Menschen machte es kein Unterschied. 1645 schied Johann Georg aus dem großen Krieg aus. Er schloss einen Waffenstillstand mit den Schweden, der 1646 zum Frieden von Eilen führte. Der Kaiser sollte gefälligst ohne ihn weiterkämpfen.

Johann Georg, der in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges wohl mehr getrieben wurde als das er selbst der Antreibende war, starb 1654 friedlich im Kreis seiner Familie. Es ist davon auszugehen, dass er mit sich zufrieden war.

Quellen u. a.:

  • Wedgwood, C. V.: Der 30jährige Krieg, 1987.
  • Blaschke, Karlheinz, „Johann Georg I.“, in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 525-526 [Onlinefassung]