Johann Peter Hebel: Theologe, Dichter, Aufklärer

Das Hebeljahr 2010 lockt mit Vorträgen, Lesungen und Ausstellungen

Der Alemanne Johann Peter Hebel war nicht nur Mundartdichter, er verfolgte mit seinem Werk durchaus aufklärerische Ideen. Vor 250 Jahren wurde er geboren.

Johann Peter Hebel (1760-1826) ist vielen Lesern als volkstümlicher Mundartdichter ein Begriff. Seine im alemannischen Dialekt verfassten Gedichte scheinen auf den ersten Blick nur von regionaler Bedeutung zu sein. Dass hinter den Gedichten ein langer Entwicklungsprozess einer Kunstsprache steht, beschreibt seine Arbeit jedoch besser. Hebel veränderte in einem nie abgeschlossenen Prozess immer wieder die Dialektimitation, damit seine Alemannischen Gedichte einerseits für möglichst viele Menschen verständlich blieben, andererseits wollte er einer Art dialektaler Ursprache, einer ursprünglichen Poesie, die älter als die Form der Prosa ist, nahekommen. Mit seinem Konzept reihte sich Hebel ein in vorangegangene Sprachforschungen. Nicht zuletzt Herder verfolgte ein ähnliches Ziel. Die Beschäftigung mit Dialekten besaß deutlich ein aufklärerisches Moment, denn sie war auch der Versuch, der sprachlichen und sozialen Deklassierungen literarisch entgegenzuwirken.

Hebel als Aufklärer

Als die erste Auflage der Alemannischen Gedichte 1803 bei Macklot in Karlsruhe erschien, hatte sich der Theologe bereits viele Jahre lang mit Dogmatik und Bibelexegese befasst. Als Student hörte er Lesungen des evangelischen Theologen und Spätaufklärers Georg Friedrich Seiler und befasste sich wie dieser mit der Vereinigung von Vernunft und Offenbarung. Mehrere Exzerpthefte zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit der Auslegung der Heiligen Schrift. Er zitierte und paraphrasierte Dissertationen, Reden und Zeitschriften, trug Argumentationen und Gespräche zusammen, die ihm zu eigenen Überlegungen und Schriften hilfreich erschienen. Aus den so entstandenen Exzerptheften lassen sich alle Themenkomplexe herauslesen, die für Hebel interessant waren und in sein literarisches Schaffen einflossen, sei es in die Biblischen Geschichten, in die Kalendergeschichten und nicht zuletzt in die Alemannischen Gedichte. Zum ersten Mal vollständig und mit Übersetzung der fremdsprachlichen Passagen werden die Exzerpthefte H 84, H 85 und H 86 im Kontext einer Werkausgabe zum Jahresende 2010 im Verlag Hoffmann & Campe publiziert. Für die Hebelforschung bedeutet dies einen neuen Impuls.

Alemannische Gedichte – eine Form der Aufklärung

Hebels Mundartgedichte, die teils ländliche Idylle gestalten, teils Krieg, Trunksucht, Faulheit und dergleichen anprangern, tragen ebenfalls einen aufklärerischen Geist. Die Gebote der Bibel interpretiert Hebel vor dem Hintergrund des gesunden Menschenverstandes. Eine Aufforderung zur Gelassenheit, die aus dem Gedanken an die Sterblichkeit des Menschen resultiert, zeigt sich in fast jedem einzelnen Gedicht, sei es im bekannten „Freude in Ehren“, dem „Stadthalter von Schopfheim“, oder dem „Wächterruf“. Hebel plädierte gegen Habgier und unnötige Sorge, wohl aber für ein rechtschaffenes Leben, in dem wiederum der Genuss nicht fehlen soll. Seine gemäßigte Art der Aufklärung begründete Hebel mit den gegebenen Verhältnissen. Der einfachen, ländlichen Bevölkerung wollte er nicht mehr zumuten, als diese auch aufnehmen und verstehen konnte. Eine dogmenhafte Belehrung, die von oben oktroyiert wurde, lehnte er ab. Auch das zu forsche Auftreten gegenüber den Staatsoberhäuptern mied er. Politische Umwälzungen vertrat er in der Öffentlichkeit nur sehr bedacht. Die Begründung für dieses Vorgehen lag in der Gefahr einer negativen Konsequenz bei zu forschem Auftreten, die der aufklärerischen Idee nur schädlich gewesen wäre. Kleine Schritte sollte gezielt wirken.

Hebeljahr 2010

Zu seinem 250. Jubiläum bieten unterschiedliche Institutionen ein breitgefächertes Programm aus Vorträgen, Diskussionsrunden, Lesungen, Ausstellungen und Theaterstücken an, die den Dichter in allen seinen Facetten vorstellen sollen. Veranstaltungsorte sind viele Orte, mit denen Hebel verbunden ist, unter anderem Lörrach, Karlsruhe, Basel und Schopfheim.

Johann Peter Hebel - Biografie

Der Dichter wurde 1760 in Basel geboren, wo seine Eltern als Diener reicher Herren arbeiteten. Er lebte mit seiner Mutter sommers in Basel und winters in Lörrach, der Heimat seiner Mutter. Mit 13 Jahren wurde Hebel Vollweise, seine schulische Begabung ist zu diesem Zeitpunkt bereits erkannt, so dass ihm Förderer eine gute Ausbildung und ein Theologiestudium in Erlangen (1778-1780) ermöglichen. Er kehrt später nach Lörrach zurück und arbeitet als dort Präzeptoratsvikar. Entscheidende Freundschaften entstehen in dieser Zeit, bevor er1790 nach Karlsruhe ans Gynasium Illustre berufen wird. Zu diesem Zeitpunkt hat sich Hebel bereits gegen die Ausübung eines Pfarramtes entschieden. Bevor er 1826 starb, war er Professor für Dogmatik.

Jasmin Hambsch, Jasmin Hambsch

Jasmin Hambsch - Studium der Fächer Literaturwissenschaft, Philosophie und Allgemeine Pädagogik. Promotion im Fach Literaturwissenschaft. ...

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