Johannes Calvin wurde vor 500 Jahren geboren

Er gehörte zu den Gründern der Reformierten Kirche

Der Reformator Johannes Calvin gehörte zu den Begründern des reformierten Protestantismus und ist Urheber einer strengen Morallehre.

Am 10. Juli 2009 jährt sich zum 500. Mal der Geburtstag von Johannes Calvin. Der Genfer Reformator ist ein Gründungsvater des reformierten Protestantismus. Diese Bezeichnung soll von Seiten der Reformierten Kirche deutlich machen, dass eine reformatorische Kirche im Hören auf Gottes Wort der fortwährenden Erneuerung bedarf.

Kindheit und Jugend von Johannes Calvin

Johannes Calvin ist die eingedeutschte Form seines französischen Namens Jean Cauvin. Er kam am 10. Juli 1509 in Noyon in der Picardie zur Welt. Sein Vater Gerard Cauvin war Generalprokurator des Domkapitels von Noyon. Seine Mutter starb, als er fünf Jahre alt war.

Calvin besuchte die Lateinschule in Noyon. Er war mit den Söhnen der adligen Familie de Hangest-Montmort befreundet und konnte an deren Hausunterricht teilnehmen. So erlernte er auch die Umgangsformen in Adelskreisen.

Ausbildung von Johannes Calvin

1523 begann Calvin sein Studium am College du Marche in Paris. Doch wenig später bestimmte das Domkapitel in Noyon, dass er das Collège de Montaigu an der Sorbonne besuchen soll. 1528 erwarb er den Titel Magister artium.

Sein Vater hatte zwischenzeitlich Probleme mit seiner Kirchenobrigkeit und riet 1528 seinem Sohn zum Wechsel in das Fach Jura. Dazu zog er nach Orleans. Dort fand er unter dem Einfluss des Lutheraners Melchior Vollmar zu humanisitschen Studien. Sein juristisches Studium schloss er in Borges ab.

1531 starb sein Vater. Der war über Jahrzehnte im Dienst der Kirche. Und nun wurde ihm die Totenmesse verweigert.

Johannes Calvin setzte dann seine Studien in Paris fort. Am humanistisch geprägten Collège de Montaigu lernte er Griechisch und Hebräisch. Er wohnte bei dem Tuchhändler Étienne de la Forge, der Martin Luthers Schriften verbreitete. In dem Haus gab es heimliche Treffen Evangelischer Christen. Darunter war auch der Hofprediger Gérard Roussel. Johannes Calvin nutzte die Zeit zur Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers.

Der Weg Calvins zum Reformator

Allerheiligen 1533 hielt Calvins Freund Nikolaus Kop seine Antrittsrede als Rektor der Universität in Paris. In der wurde die Scholastik als Ketzerei bezeichnet und Luthers Lehre als rechtgläubig dargestellt. Kop rief zur Verteidigung der verfolgten Evangelischen auf. Danach mussten Calvin und Kop aus Paris flüchten.

Calvin flüchtete nach Angoulême zu seinem ehemaligen Mitstudenten Louis du Tillet. Hier begegnete er Anhänger der Reformation. Calvin entschied sich hier endgültig für die Reformation und begann mit ersten Arbeiten für die Institutio.

Das Wirken Calvins für die Reformation

1534 begann auf Anordnung des französischen Königs die Verfolgung der Evangelischen. Bald wurden überall in Frankreich Menschen wegen ihres Glaubens verbrannt. Calvin musste aus Frankreich fliehen und kam zunächst nach Straßburg.

1535 kam er in die evangelische Stadt Basel und traf hier wieder auf Nikolaus Kop. Er arbeitete weiter an seiner „Institutio Christianae religionis“, auf deutsch „Unterweisung in der christlichen Religion“.

Calvin war von der Verfolgung seiner Glaubensbrüder in Frankreich tief bewegt. Er versuchte darzulegen, dass sie ernsthafte Erneuerer des biblischen Glaubens und der Kirche seien. Im März 1536 wurde die erste Ausgabe der Institutio gedruckt. Bis 1559 arbeitete Calvin permanent weiter an seinem Hauptwerk.

Auf einer Reise kam Calvin durch Genf. Der reformatorische Prediger Guillaume Farel bewegte ihn zum Bleiben in der Stadt. Calvin verfasste eine strenge Gemeindeordnung. Die stieß allerdings auf heftige Widerstände. 1538 kam es zu erheblichen Auseinandersetzungen. Der Rat der Stadt wollte, das das Taufbecken wieder genutzt und beim Abendmahl eine Hostie gegeben wird. Calvin und Farel verweigerten danach der Gemeinde das Abendmahl. Darauf wurden die Beiden aus der Stadt verwiesen.

Calvin nahm 1538 eine Professur in Straßburg an und betreute die Gemeinde der französischen Glaubensflüchtlinge. 1541 holte man Calvin nach Genf zurück. Im selben Jahr schuf er eine neue kirchliche Ordnung und verfasste den „Genfer Katechismus“.

Calvin lehrt in Genf

Aber weiterhin waren er und seine Lehre in Genf sehr umstritten. Und in Genf kam es zu schweren Glaubensauseinandersetzungen, bei denen es auch zu Ausweisungen, Todesurteilen und Hinrichtungen kam. So wurde 1553 der Wissenschaftler Michael Servetus dem Scheiterhaufen übergeben.

Calvin wirkte nun von Genf und verfasste etliche Schriften. Im Briefwechsel mit den reformierten Gemeinden in ganz Europa präzisierte er die reformatorische Glaubensicht. 1559 gründete er die Genfer Akademie. Am 27. Mai 1564 starb er nach langer Krankheit in Genf. Auf dem Cimetière des Rois im Genfer Stadtteil Plainpalais wurde er beigesetzt.

Kernpunkt seiner Lehre

Mit seiner Prädestinationslehre postulierte Calvin eine innere Religiosität. Denn das Leben auf der Erde wird durch die Allmacht Gottes geprägt und der Wille der Menschen ist ohne Bedeutung. Dazu kam eine strenge Morallehre und Kirchenzucht, die sich von Genf aus über die reformierten Gemeinden ausbreitete.

Calvin als Vater des Kapitalismus

Der deutsche Nationalökonom und Soziologe Max Weber sah in Calvins Lehren die Grundlage für Arbeitsethos und Gewinnstreben, In seinem Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ beschrieb er Calvins Lehren als Schlüssel zur Bildung der Industriegesellschaft.

Die Hypothesen von Weber sind allerdings vielfach relativiert worden. Vermutlich wäre auch ohne Calvin eine Industriegesellschaft entstanden.