
- Komponist John Barry - Cinemusic
Er erschuf den Sound, zu dem James Bond tanzte, liebte und tötete wie "Goldfinger", "007" oder das "James Bond Theme". Dazu erfand er das Musikgenre des Big Beat aus Filmmusik, Jazz, Beat und Easy Listening. Der britische Komponist John Barry verstarb mit 77 Jahren in New York.
"James Bond"-Komponist John Barry – sein Leben, sein Werk
Seine Soundracks und Titelsongs begleiteten die "James Bond"-Filmreihe mit wenigen Ausnahmen von 1962 bis 1987. Dazu komponierte der Pianist, Trompeter und Arrangeur Hunderte von TV- und Filmmusiken und gewann fünf Oscars und vier Grammys.
John Barry Prendergast wurde am 3. November 1933 im nordenglischen York als jüngstes von drei Kindern geboren. Sein Beruf wurde ihm in die Kinderstube gelegt – seine Mutter Doris war Pianistin, sein Vater Jack Kinobetreiber. Schon früh begeisterte sich John Barry, wie er sich bald nannte, für Musik und Filme.
John Barry – Filme und Musik in der Kinderstube
In der Schule nahm er Klavierunterricht und leistete seinen Militärdienst als Armeemusiker in Ägypten und Zypern ab, wo er das Komponieren und Arrangieren erlernte. Nach dem Militär lernte er die Trompete und begeisterte sich für den Sound der Jazz-Big-Bands. Mit dem Rock'n'Roll-Fieber gründete er in London "The John Barry Seven".
Mit ihnen landete er einige Instrumental-Hits und nahm sein Debütalbum "Stringbeat" (1959) auf. Dazu kamen Auftritte in TV-Shows wie "Drumbeat" und Arrangements für Gesangskünstler wie Adam Faith, Matt Monro und Elizabeth Taylor.
1960 komponierte er den Soundtrack zum Beatnik-Drama "Beat Girl" und erschuf damit den Big Beat und Prototypen der späteren Bond-Musik. Fette Bläsersätze, treibende Rock-Beats, eleganter Jazz und die prägnanten Gitarrenriffs von Vic Flick verliehen dem mittelmäßigen Jugendkrimi eine ungeahnte, elegante Dynamik – den mondänen Groove der Swinging Sixties.
John Barry – der Erfinder des Big Beat
Einen Wendepunkt seiner Karriere erreichte Barry im Sommer 1962, als er über das Wochenende die Titelmelodie einer neuen Filmreihe um einen britischen Geheimagenten komponieren sollte. Der bekannte Romanheld James Bond sagte ihm nichts, und so arrangierte er seine Beat-Nummer "Bees Knees" zu einer neuen Komposition um. Das "James Bond Theme" war geboren.
Leider erhielt Barry bis auf 300 Pfund Honorar keinen Cent an Tantiemen an seinem Thema. Nachdem für den ersten Bond-Film "Dr. No" bereits der Songwriter Monty Norman verpflichtet wurde, der den Soundtrack aus Funktionsmusik, Twist-Nummern und Calypso-Hitsingles kompilierte, fehlte noch ein prägnantes Thema für das karibische 007-Abenteuer. Barry verkaufte mit dem Vertrag jedoch seine Rechte am Bond-Thema, was ihn bis zum Schluss verärgerte.
Bis heute reklamiert Monty Norman erfolgreich die Rechte am 007-Titelthema, das gleich die Hälfte des gesamten Soundtracks von "Dr. No" ausmachte. John Barry jedoch wurde anderweitig belohnt – für den zweiten Bond-Streifen "Liebesgrüße aus Moskau" (1963) feuerte man Norman und engagierte ihn als Stammkomponisten.
Stammkomponist für "James Bond"
Bis 1987 komponierte John Barry bis auf drei 007-Abenteuer alle Soundtracks und erschuf mit Textern wie Leslie Bricusse, Hal David und Don Black Evergreens wie "Goldfinger" (1964, Shirley Bassey), "Thunderball"(1965, Tom Jones), "You Only Live Twice" (1967, Nancy Sinatra) und "We Have All The Time In The World" (1969, Louis Armstrong). Mit Bassey spielte er noch zwei weitere 007-Titelsongs ein, "Diamonds Are Forever" (1971) und "Moonraker" (1979).
Während seine ersten Bond-Musiken noch stark vom Big Beat beeinflusst waren, komponierte er später anspruchsvollere, psychedelische und experimentelle Breitwandklänge mit Moog-Synthesizern und Rockmusik-Einfluss.
Die breiten Orchesterarrangements schaute er sich in Hollywoods Filmstudios ab und schrieb seinen ersten US-Soundtrack zum Außenseiter-Drama "Midnight Cowboy" (1968), für das er seinen ersten Emmy bekam.
Barry, Bond und die Swinging Sixties
In späteren Jahren arbeitete er mit Künstlern wie Duran Duran ("A View To A Kill", 1985), den Pretenders und A-ha ("The Living Daylights", 1987) zusammen. Über letztere ärgerte er sich maßlos, weil sie ihm gegenüber respektlos und arrogant auftraten.
Bond, Beatles, Beatniks, Big Beat und Barry sind die fünf großen "B's" im Swinging London der 1960er Jahre. Der smarte, schlanke Engländer wohnte in einem Appartement mit Schauspieler Michael Caine, kleidete sich in Edelstoffe aus der Saville Road und liebte Frauen und Künstlerparties.
1974 ging Barry aus Steuergründen nach Mallorca und 1980 in die USA, wo er bis zu seinem Tode in Long Island/New York lebte. Hier komponierte er Soundtracks für Produktionen wie "Robin und Marian" (1975), "King Kong" (1976), "Das schwarze Loch" (1979), "The Cotton Club" (1984) und "Chaplin"(1992).
Große Hollywood-Soundtracks von John Barry
In dieser Zeit galt er als großer Konkurrent zu Soundtrack-Legenden wie Ennio Morricone, Jerry Goldsmith und Lalo Schifrin. Dazu komponierte er populäre TV-Titelmelodien wie "Die Zwei" (1970) sowie einige Theatermusiken, von denen nur das Musical "Billy" (1974) erfolgreich war. Seine größten Erfolge waren fünf Oscars für "Frei geboren" (zweimal, 1966), "Der Löwe im Winter" (1968), "Jenseits von Afrika" (1985) und "Der mit dem Wolf tanzt" (1990).
1988 geriet er durch einen Speiseröhrenriss in Lebensgefahr. Nach seiner Genesung verließ er die Bond-Reihe und empfahl trotz mehrerer Angebote den Briten David Arnold als seinen Nachfolger. Barry-Bewunderer Arnold spielte 1997 ein Album mit gelungenen Bond-Covern ein und übernahm seitdem sämtliche Bond-Soundtracks, inklusive des anstehenden Abenteuers "Red Sky At Night" (2012).
In den letzten 20 Jahren geriet Barry zunehmend in Vergessenheit und legte bis 2001 weitere Auftragsarbeiten für mittelmäßige Filme vor. Verbittert zog er sich danach trotz vieler Würdigungen zurück.
Epigonen und Bewunderer von John Barry
Gerade Vertreter elektronischer Musikgenres wie Techno und Big Beat wie Moby, Orbital, Fat Boy Slim, Renegade Soundwave und Propellerheads coverten und sampelten Barrys Musik nachhaltig – letztere mit einer fulminanten Version von "On Her Majesty's Secret Service", Barrys instrumentalem Titelthema zum 1969er-Bond-Film mit George Lazenby. Dazu kamen Auftritte mit Barrys Bond-Musiken diverser Orchester, denen der scheue Brite aber meistens fern blieb.
John Barry war viermal verheiratet – mit Barbara Pickard (1959-1963), Jane Birkin (1965-1968), Jane Sidey (1969-1972) und seit 1978 mit Laurie Barry. Er hinterlässt vier Kinder.
David Arnold fasst Barrys Verdienst zusammen, "ohne Barry wäre Bond weitaus weniger cool gewesen." Am 30. Januar 2011 verstarb der Oscar-Preisträger in seinem Haus in Oyster Bay/Long Island an einem Herzanfall.
Mehr Informationen über John Barry gibt es auf seiner inoffiziellen Website.
John Barrys Musik bei YouTube:
John Barry Seven - Bees Knees (1958)
John Barry Orchestra - Beat Girl (1960)
Nancy Sinatra - You Only Live Twice (1967)
John Barry - The Persuaders (Die Zwei, 1970)
Shirley Bassey - Goldfinger (Live 1973)
Duran Duran - A View To A Kill (1985)
Propellerheads - On Her Majesty's Secret Service (1997)
John Barry dirigiert das James Bond Theme (Live 2007)
