John Law und der Mississippi Aktien-Crash

John Law verursachte 1720 in Frankreich den ersten Aktien-Crash der Geschichte. Eine gute finanzielle Strategie wurde durch Gier ins Gegenteil verwandelt.

John Law (1671–1729), ein schottischer Spieler und Finanzgenie, schien die Antwort auf die durch diverse Kriege Ludwigs XIV. verursachte schwierige finanzielle Situation Frankreichs zu haben. Laws Plan war den Schuldenberg der Krone in Firmenkapital einer steuereintreibenden, monopolistischen Handelsgesellschaft umzuwandeln.

Law etablierte in Paris 1718 die 'Bank Royal’, die erste französische Zentralbank, nach dem Vorbild der niederländischen 'Wisselbank’. Ein Jahr später hatte er es durch seine Verbindung mit dem Königshaus und vielerlei Aquisitionen geschafft, ebenfalls gemäß einem niederländischen Vorbild – der VOC – die größte und einflussreichste Handelsgesellschaft Frankreichs zu etablieren, die 'Mississippi Gesellschaft’.

Beide Gesellschaften waren ähnlich unseren heutigen Aktiengesellschaften strukturiert. Law hatte sich unter anderem das Monopol für den Handel mit Louisiana sowie das Tabakmonopol gesichert, konnte über die Einkünfte der königlichen Münzprägung verfügen und hatte das Recht erworben alle direkten Steuern einzuziehen und Fiat Geld als legale Währung auszugeben, um nur einiges zu nennen.

Die Mississippi Gesellschaft - der Staat im Staat

Die Situation John Laws und der Mississippi Gesellschaft an ihrem Hochpunkt – die Mississippi Gesellschaft hatte 1720 auch die Bank Royal übernommen – war vergleichbar mit einem Mann an der Spitze aller top-fünfhundert US Firmen, dem US Schatzamt und dem Federal Reserve System. Die Mississippi Gesellschaft war der Staat im Staat.

Law finanzierte die Aquisitionen der Mississippi Gesellschaft – eine Ausnahme war das Tabakmonopol, dies hatte Law übernommen als Kompensation für die Probleme der französichen Krone die Zinsen zu zahlen – nicht aus Gewinnen, sondern durch die Ausgabe neuer Aktien, insgesamt drei Emissionen zwischen 1717 und 1719. Der Ausgabewert der Anteile stieg von 500 Livres/Aktie im Juni 1717 auf 1.000 Livres/Aktie im Juli 1719. Diese letzte Aktienemission wurde benötigt um die Übernahme der 'Royal Mint’ für fünfzig Millionen Livres zu finanzieren.

Louisiana Handelsmonopol stärkte Vertrauen in die Mississippi Gesellschaft

Normalerweise würde die Ausgabe von zusätzlichen Aktien den Aktienwert nach unten drängen. Wie brachte Law es fertig den Aktienwert nicht nur zu halten sondern sogar nach oben zu treiben? Die Antwort war Louisiana. Law hatte sich 1717 das Monopol für den Handel mit der Kolonie gesichert. Versprechungen auf hohe zukünftige Gewinne hielt das Vertrauen der Investoren hoch. Um den als lukrativ angepriesenen Handel zu etablieren wurde eine neue Stadt am Fluss Mississippi gegründet – New Orleans.

Bisher war Louisiana alles andere als profitabel. Um das verheißungsvolle Geschäft zu starten wurden einige Tausend verarmte Deutsche als Kolonisten rekrutiert. Innerhalb eines Jahres überlebten nur zwanzig Prozent, der Rest starb an tropischen Krankheiten wie Gelbfieber oder verhungerte.

Euphorie wandelt sich in Hysterie

Daheim in Frankreich heizte Law den Markt noch mehr an. Die Bank Royal akzeptierte jetzt Anteile der Mississippi Gesellschaft als Sicherheit für Kredite zum Erwerb zusätzlicher Anteile. Nicht überraschend florierte der Handel der Mississippi Aktien. Am 4. September 1719 hatte die Aktie einen Wert von 5.000 Livres ereicht. Law entschied erneut Aktien zu diesem Wert auszugeben. Im Herbst 1719 stand der Aktienwert bei 9.000 Livres, am 2. Dezember bei 10.500 Livres. Erwartungen für März des folgenden Jahres waren 12.500 Livres. Die Stimmung hatte sich von Euphorie in Hysterie verwandelt.

Einige mahnten zur Vorsicht. Voltaire schrieb in einem Brief, „Seit ihr alle verrückt geworden?“. Egal welchem Stand man angehörte, jeder wollte sich Anteile an der fabulösen Gesellschaft sichern. Ein Angestellter der britischen Botschaft beschreibt die Situation vor dem Büro der Mississippi Gesellschaft: „Prinzen und Prinzessinen, Grafen und Peers und Herzoginnen drängen sich von morgens bis abends, in einem Wort, alles was Rang und Namen hat in Frankreich. Sie verkaufen Anwesen und verpfänden Juwelen um Mississippi zu erwerben“.

Erste Wolken ziehen auf am Horizont

Zu diesem Zeitpunkt zogen die ersten Wolken am Horizont auf. Der Wert der Mississippi Aktie fiel im Dezember 1719 auf 7.930 Livres. Law schaffte es durch Marktmanipulation den Preis auf 9.000 Livres zu heben und zu halten. Um Dinge zu vereinfachen übernahm die Mississippi Gesellschaft die Bank Royal am 22. Februar 1720.

Steigende Inflation war ein weiteres Übel. Im September 1720 waren die Preise in Frankreich ungefähr doppelt so hoch im Vergleich zu zwei Jahren zuvor. Dies war das Resultat des ungehemmten Anstiegs der im Umlauf befindlichen Banknoten. Papiergeld wurde von der Bank Royal im April 1719 als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt und vom Gold – und Silberwert getrennt. Der Export von Gold und Silber wurde verboten, ebenso die Produktion und Verkauf von Gold- und Silberobjekten.

Law versuchte weiterhin den Aktienpreis stabil bei 9.000 Livres zu halten. Dies hatte zur Folge, dass zwischen Februar und März 1720 die gesamte im Umlauf befindliche Geldmenge um 94 Prozent anstieg. Findige Investoren waren mehr als glückliche ihre Anteile jetzt und für diesen Preis zu verkaufen.

Laws Versuche durch sukzessive Minderung des Aktienpreises von 9.000 Livres auf 5.000 Livres, Reduzierung der im Umlauf befindlichen Banknoten und letztlich eine Entwertung der Banknoten verursachten einen öffentlichen Aufschrei und Law wiederruft diese Maßnahmen nur sechs Tage nachdem er sie erlassen hat.

Vertrauen der Investoren war erschüttert

Aber das Vertrauen der Investoren war erschüttert und die durch Laws Hast verursachte Aktienblase platzte. Der Aktienpreis fällt am 31. Mai 1720 auf 4.200 Livres und ärgerliche Menschenmengen versammeln sich vor den Türen der Bank Royal. Law wird vom Monarchen unter Hausarrest gestellt und seine Feinde wollen ihn in der Bastille sehen. Die Bank Royal wird schließlich geschlossen.

Es wurde aber schnell klar, dass Law der einzige war, der auch nur eine Chance auf Erfolg im Abwenden der Misere hatte. Bei seiner Wiedereinsetzung als 'Intendant General of Commerce’ stieg der Aktienpreis kurzfristig auf 6.350 Livres im Juni 1720 um dann auf 1.000 Livres im Dezember zu sinken. Die Regierung war gezwungen den Gebrauch von Gold und Silber als Zahlungsmittel wieder einzuführen. Eine Panik konnte nicht länger abgewendet werden. Dies war der Zeitpunkt an dem Law schließlich Frankreich verlassen musste. Frankreich lebte von nun an von der Hand in den Mund und die Auswirkungen des Mississippi Aktien-Crashes konnte über ganz Europa gespürt werden.

Hauptquellen:

François R. Velde: Gouverment Equity and Money: John Law’s System in 1720’, Federal Reserve Bank of Chicago, 23. November 2004

Niall Ferguson: The Ascent of Money, The Penguin Press, New York 2008

Andrea Heitger, Andrea Heitger

Andrea Heitger - Geboren und aufgewachsen in Deutschland, einer Ausbildung in BWL und Tiermedizin mit anschließender Promotion, arbeitete sie mehrere ...

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