John Law (1671 – 1729), Schotte, professioneller Spieler und Finanzgenie, hatte bei seinem Aufenthalt in Amsterdam 1694 das Zusammenspiel der Vereeinigde Ost-Indischen Compagnie oder VOC (Vereinigte Ost-Indische Handelsgesellschaft), der 1609 gegründeten 'Wisselbank' und des, ebenfalls in Amsterdam, neu ins Leben gerufenen Aktienmarktes beobachtet. Die VOC entsprach in ihrer Finanzstruktur was wir heutzutage unter einer Aktiengesellschaft verstehen und die Wisselbank war die erste Zentralbank der Welt, die 'Bankgeldnoten’ in Gulden als akzeptiertes Zahlungsmittel ausgab.
Das Zusammenspiel einer monopolistischen Handelsgesellschaft, einer Bank, die berechtigt ist Geldnoten in den Umlauf zu bringen und dem Aktienmarkt erschlossen neue Perspektiven für Law. Durch seine Bekanntschaft mit dem Duke of Orléans, dem damaligen Regenten anstelle des noch minderjährigen Ludwig XV., bekam er in Frankreich die Gelegenheit seine Theorien in die Tat umzusetzen.
Gründung der Bank Générale
Im Oktober 1715 unterbreitete John Law dem königlichen Rat den Vorschlag einer Zentralbank, die 'Geldnoten’ ausgeben durfte. Allerdings ging er noch weiter. Diese Bank sollte gleichzeitig sämtliche Steuerzahlungen erhalten und verwalten, somit das dezentralisierte Steuersystem Frankreichs zentralisieren. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Eine abgeänderter Antrag Laws für die Gründung einer Privatbank war erfolgreich. Darauf folgend wurde im Mai 1716 die Bank Générale gegründet. Per zwanzigjähriger Lizenz wurden Anteile ausgegeben. Das Kapital umfasste 6.000.000 Livres – 1.200 Anteile für jeweils 5.000 Livres. Die Absicherung der im Umlauf befindlichen Anteile erfolgte in Gold und Silber.
Für Law war das allerdings erst der Anfang seines großen Planes. 1717 wurde beschlossen die ausgegebenen Anteile der Bank Générale als Zahlungsmittel für Steuern aller Art zu akzeptieren, somit die ersten Weichen für die Einführung des Papiergeldes zu legen. Laws Plan war eine Zentralbank, anlehnend an das holländischem Vorbild, zu etablieren, die Wirtschaft anzutreiben und das Papiergeld auf breiter Basis einzuführen.
Verzwickte wirtschaftliche Situation Frankreichs 1715
Die wirtschaftliche Situation Frankreichs zu dieser Zeit war verzwickt. Durch die Kriege Ludwigs XIV. hatten sich hohe Schulden angehäuft. Trotz einer gut gehenden Wirtschaft, angeblich hatte nur Holland eine bessere Handelsbilanz, drohte dem Staat die Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit. Die Etablierung der Bank Générale sollte dem Schuldenanstieg Einhalt gebieten. Dies war aber nur der erste Schritt.
Das absolutistische System Frankreichs spielte eine große Rolle in Laws Konzept. Nach seiner Überzeugung muss sowohl im Kreditwesen, im Militär als auch der Legislative die ultimative Macht bei nur einer Person liegen. „Ich behaupte“, schrieb er, „dass ein absolutistischer Prinz, der zu regieren weiß, seinen Kredit eher ausweiten und Finanzmittel zu niedrigeren Zinsen finden kann als ein Prinz, der in seiner Autorität limitiert ist“.
Laws Plan sah die ultimative Delegation der Schulden des französischen Königshauses an eine monopolistische Handelsgesellschaft vor. Diese wiederum würde Anteile an die Bevölkerung ausgeben. Als Folge „...verwandelt sich die ganze Nation in Händler...“. Die Finanzierung des ganzen erfolgt über eine Zentralbank. Dies allerdings erforderte zum einen die Existenz einer Zentralbank als auch eine direkte, enge Beziehung zwischen dieser und der Handelsgesellschaft, zwei Fakten, die erst noch etabliert werden musste. Die von Kreditgebern an die Krone gehaltenen Staatsanleihen würden umgewandelt in Anleihen der Bank, so würde die Bank ultimativ der Kreditgeber Frankreichs. Dies dann zu einem entsprechen niedrigem Zinssatz.
Law erhält Monopol für Handel mit Louisiana
Um die zweite Stufe seines Planes in die Tat umzusetzen schlug Law vor Frankreichs Handel mit Louisiana zu übernehmen. Seit vierzig Jahren im Besitze Frankreichs war Louisiana die vergessene Kolonie. 1717 lebten dort zirka 500 Kolonisten. 1717 gründete er die 'Compagnie d’Occident’ (Gesellschaft des Westens). Ihr wurde die Monopolstellung in Bezug auf den Handel mit der Kolonie zugestanden, als auch die Vollmacht alle Angelegenheiten, die Kolonie Louisiana betreffend, zu regeln. Dies anfangs für einen Zeitraum von fünfundzwanzig Jahren. Diese fünfundzwanzigjährige Lizenz wurde im August 1719 auf Fünfzig Jahre ausgedehnt um dann ab Juli 1720 unbegrenzt zu laufen.
Gründung der 'Mississippi Gesellschaft’
Nach zusätzlicher Übernahme der 'Senegal Gesellschaft, der 'Ost-Indischen’ und 'China’ Handelsgesellschaften wurde schließlich 1719 die 'Mississippi Gesellschaft’ gegründet. Mit Hilfe der Krone wurden in diesem Prozess auch Konkurrenten ausgemerzt und Law schrieb, „Wie groß ist der Vorteil einer despotischen Macht beim Aufbau einer Institution, die bekämpft wird von der Nation, weil diese noch nicht daran gewöhnt ist“.
Im August 1718 sicherte sich die Gesellschaft das Tabak Monopol und im Juli 1719 die Profite der königlichen Münzprägung für den Zeitraum von neun Jahren. Im September lieh die Gesellschaft der Krone 1.2 Milliarden Livres um deren sämtlichen Schulden zu tilgen. Einen Monat später erhält Law die Kontrolle über die Einziehung aller direkten Steuern. Im Februar 1720 übernimmt die Mississippi Gesellschaft die Royal Bank und im September die 'Company of Santo Domingo’ und erhält das Monopol für den Sklavenhandel in Guinea. Die große, monopolistische Handelsgesellschaft war etabliert.
Gründung der Bank Royal – die erste französische Zentralbank
Zuvor hatte die Bank Générale 1718 das königliche Siegel der Anerkennung erhalten und wurde zur 'Bank Royal’, jetzt effektiv die erste französische Zentralbank mit dem Recht Banknoten (Papiergeld) auszugeben. Dies war 1715 noch zurückgewiesen worden. Die von der Krone übernommenen Anteile der Anteilseigner der Bank zeigten zu diesem Zeitpunkt eine Rendite von 32 Prozent für zweieinhalb Jahre Investition. Die Nationalisierung der Bank Générale hatte zwei Konsequenzen; erstens gab es der Krone eine funktionierende Gelddruckpresse und zweitens festigte es die Stellung von John Law und steigerte wiederum das Vertrauen der Investoren in dessen Unternehmungen. Für Law bedeutete es den letzten Grundstein in seinem ambitionierten Plan.
Übergang zum Fiat Money
Am 22. April 1719 wurde durch Erlass bestimmt, dass die ausgegebenen Banknoten nicht den Preisschwankungen von Gold und Silber unterliegen. Damit hatte Frankreich den Übergang vom Münz- zu Papiergeld und schließlich Fiat Geld getätigt.
Die französische Wirtschaft befand sich 1716 in einer Rezession. Laws ursprünglicher Stimulus mit der Erhöhung der in der Wirtschaft befindlichen Geldmenge zeigte den erwarteten Erfolg. Zur gleichen Zeit versuchte er den Schuldenberg der Krone in Firmenkapital einer riesigen, Steuereintreibenden Monopolgesellschaft umzuwandeln. Sollte er erfolgreich sein, wären die finanziellen Schwierigkeiten der französischen Krone beendet und er hätte für den Rest seines Lebens ausgesorgt. Leider übertrieb er es aber und verursachte somit die erste Aktienblase oder den ersten Aktien crash der Geschichte.
Siehe auch:
John Law und der Mississippi Aktien - crash
Hauptquellen:
François R. Velde: Gouverment Equity and Money: John Law’s System in 1720, Federal Reserve Bank of Chicago, 23. November 2004
Niall Ferguson: The Ascent of Money, The Penguin Press, New York 2008
