"John Rambo": Stallone in Teil 4 als Regisseur

Wenn Sylvester kommt, erlebt Burma ein Feuerwerk an Action!

In "John Rambo" verkörpert Sylvester Stallone nicht nur die Hauptfigur, sondern führt auch Regie. Sein Kampf gegen das Militärregime in Burma glänzt durch harte Action

Seit Actionstar Sylvester Stallone 1982 zum ersten Mal den verbitterten Vietnam-Veteranen John J. Rambo verkörperte, avancierte der Rollenname zum Synonym für einen gewaltverliebten Psychopathen ohne Moral und Verstand. Zu Unrecht, denn tatsächlich zählt Teil 1, von Ted Kotcheff nach dem Roman von David Morrell verfilmt, zu jenen Actionfilmen, die nachdenklich stimmen und einen neuen Blickwinkel eröffnen. Der zum Töten ausgebildete Soldat, der seine Pflicht erfüllt und unvorstellbare Leiden erduldet, nur, um daraufhin von seinen eigenen Landsleuten verstoßen zu werden, war 1982 harte Filmkost.

Zwei Teile später – „Rambo II“ geriet dank James Cameron zum Blockbuster – schien sich die Serie totgelaufen zu haben. Stallones Ankündigung, einen vierten Teil höchstpersönlich zu produzieren, sorgte allenfalls für mildes Lächeln, mitunter für Hohn und Spott. Doch der 2008 in den Kinos angelaufene vierte Teil mit dem programmatischen Titel „John Rambo“ überraschte durch zeitgemäße Action und einen durchtrainierten Hauptdarsteller.

Rambo zurück aus der Frühpension

Nach all den bitteren Erfahrungen mit dem US-Militär hat sich John Rambo nach Thailand zurückgezogen, wo er sich als Kapitän eines kleinen Bootes seinen kärglichen Lebensunterhalt verdingt. Eines Tages bitten ihn amerikanische Missionäre, darunter die hübsche Sarah (Julia Benz), sie zu einem Dorf in Burma zu bringen, wo Medikamente und Lebensmittel dringend benötigt werden.

Nach einigem Zögern willigt Rambo ein. Prompt wird sein Boot von Piraten angehalten, die Sarah als „Präsent“ einfordern. Ohne viel Federlesens tötet Rambo die Piraten, was ihm den Zorn der pazifistischen Missionäre einbringt. Trotz seiner Warnungen setzen sie ohne ihn den Weg fort. Einige Tage später erfährt Rambo, dass die Bewohner des Dorfes von der Militärregierung abgeschlachtet und die Missionare verschleppt wurden. Nur allzu gerne kommt er der Bitte des Pastors Arthur Mars (Ken Howard) nach, eine Söldnertruppe anzuführen, deren Ziel die Befreiung der Geiseln ist. Eine schier aussichtslose Rettungsmission startet …

Stallone mit 61 Jahren in Bestform

Nicht nur „Rambo“-Fans zeigten sich skeptisch: Kann ein 61-jähriger noch einen halbwegs glaubwürdigen Actionhelden verkörpern? Immerhin konnte Arnold Schwarzenegger mit „erst“ 56 Jahren als Cyborg in „Terminator 3“ (2003) kaum noch überzeugen (in„Terminator: Die Erlösung“ wurde überhaupt auf ein Double mit digital eingefügtem Gesicht zurückgegriffen).

Doch „Sly“ weiß seine Fans und Kritiker immer wieder zu verblüffen und präsentiert sich in „John Rambo“ von seiner besten Seite: Zwar weist sein Körper alterungsbedingt einige Falten mehr auf. Aber die Muskelberge sind beeindruckender denn je, sodass er Neo-Actionhelden wie Vin Diesel locker in die Schranken verweist.

Kein Film für Pazifisten

Die Handlung selber ist naturgemäß nicht besonders komplex, hält den Finger jedoch am Puls der Zeit. Bekämpfte Rambo in Teil 3 noch die Rote Armee in Afghanistan, so beißt sich diesmal das Militärregime in Burma die Zähne an den überragenden Fähigkeiten des Amerikaners aus. Tatsächlich zählt der Westen das burmesische Regime zu den grausamsten weltweit, was die Sympathien für Rambo noch einmal deutlich erhöht.

Dabei wendet sich der Film in erster Linie an Menschen, die an die Durchsetzungskraft von Waffen und Gewalt glauben. Pazifisten sollten „John Rambo“ vorsorglich meiden, lautet die wenig subtile Botschaft des Filmes doch in etwa folgendermaßen: „Mit Mördern kann man nicht verhandeln – man kann sie nur bekämpfen“.

Bereit für einen fünften „Rambo“!

Wer sich daran nicht stört, wird eineinhalb Stunden lang bestens unterhalten: Allerlei Bestandteile des menschlichen Körpers fliegen durch die Luft, flotte Sprüche werden gedroschen und Rambo erledigt ganze Armeen im Alleingang. Von den systemkritischen Untertönen aus dem ersten „Rambo“-Teil ist wenig geblieben. Trotz des anspruchslosen Plots vermag „John Rambo“ zumindest Actionfans gänzlich zu überzeugen.

Es sollte deshalb schwer verwundern, falls der angekündigte fünfte Streifen nicht gleichfalls für Spannung und Nervenkitzel sorgte. Nachdem er lange Jahre im Schatten des übermächtigen Arnold Schwarzenegger stand, hat es Stallone endlich geschafft: Er ist nunmehr der „Last Action Hero“!

Originaltitel: Rambo

Regie: Sylvester Stallone

Produktionsland und –jahr: USA 2008

Filmlänge: ca. 91 Minuten (ungekürzte Fassung)

Verleih: Warner

Deutscher Kinostart: 14. Februar 2008

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