John Stewart: Live-CD "Neon Beach" – eine besondere Nacht in L.A.

John Stewart: Neon Beach - © chillywinds.com
John Stewart: Neon Beach - © chillywinds.com
Vor 20 Jahren - am 8. September 1990 - entstand das Live-Album "Neon Beach" von John Stewart. Es war ein spontanes und einmaliges Konzert.

Heute vor 20 Jahren spielte John Stewart das Live-Album „Neon Beach“ ein. Es war ein spontaner Einfall. Am 8. September 1990 nahmen John Stewart und sein Sohn Mikael ein Album mit Bill Lynch auf. Lynch gehört zu den lokalen Bluesgrößen in L.A. Als die Aufnahme vor kleinem, ausgewähltem Publikum im Kasten war, entschlossen sich die Musiker nach dem Lynch-Gig noch ein John-Stewart-Konzert dranzuhängen.

John Stewart war 1990 bereits eine Folklegende

John Stewart war zu diesem Zeitpunkt schon eine Folklegende. Als Mitglied des Kingston Trios hatte er in den 60er Jahren große Erfolge gefeiert, als Songschreiber lieferte er den Monkees 1967 mit „Daydream Believer“ einen Welthit und mit der Unterstützung der Fleetwood-Mac-Crew gelang ihm 1979 mit „Gold“ auch ein großer Solo-Hit.

Er nutzte den Erfolg und gründete sein eigenes Label Homecoming Records. Seit den 80er Jahren scherte er sich nicht mehr um kommerzielle Interessen und erhielt sich alle künstlerischen Freiheiten.

Stewart gab Musikern abseits des Mainstreams eine Chance

Vor diesem Hintergrund entstand das Live-Album „Neon Beach“. Stewart gab Musikern abseits des Mainstreams Gelegenheit zu Plattenaufnahmen. So auch Bill Lynch. Das Publikum am 8. September 1990 war nicht wegen Stewart in die Trancas Bar in Malibu gekommen, sondern wollten Bluesrock der Marke Lynch hören. Doch die Zuhörer waren sehr offen, neugierig und konzentriert. Die Stimmung war so gut, dass die Musiker Lust hatten, nach den Lynch-Aufnahmen weiter zu spielen.

John Stewart und Lynch übernahmen die Gitarren, die Stewart-Freunde Dave Batti und Dennis Kenmore Bass und Schlagzeug und Chris Mostert, der auch mit Glen Frey, den Eagles, Smokey Robinson und Peter Cetera gespielt hat, blies ins Saxophon und schuf damit eine entspannte Atmosphäre. Ist es Folkrock? Vielleicht. Die Band scherte sich nicht um Kategorien. Stewart ist zu dieser Zeit irgendwo zwischen Folk, Rock und Pop anzusiedeln.

Das Konzert beginnt mit einem Klassiker von Tim Hardin

Die zusammengewürfelte Band eröffnete das Spontankonzert mit dem Tim Hardin-Klassiker „Lady Came From Baltimore“. Es ist einer jener zarten und verzweifelten Lieder Hardins, die sicher nicht geeignet sind, das Publikum in Partystimmung zu versetzen. Stewart war es egal. „Es ist eine meiner Lieblingssongs von Hardin“, sagte er dazu. „Aber ich hatte es vorher noch nie live gespielt.“

Stewart bittet das Publikum gleich zu Beginn des Konzerts um Nachsicht für die spontan eingespielte Musik, die ganz anders klang als beim Blues-Konzert direkt davor. Außerdem nutzte Stewart die Gelegenheit Songs einzuspielen, die er zuvor noch nicht aufgenommen hatte: „Looking For Jack“, „Strange Alliance“, „Bad Rats“.

Aber auch die anderen Songs des Abends waren sonst eher selten von ihm zu hören, das wundervolle „Dreamers On The Rise“ – einer seiner schönsten Songs überhaupt. Es folgen „Angels with Guns“ und „Hunters Of The Sun“ von „Bunch the Big Guy“, einem gänzlich unterschätzten Album aus dem Jahr 1987. Weitere Höhepunkte waren „Seven Angels“ und „Grace of Rain“.

Zum Schluss spielt Stewart auch „Boy In The Bubble“ von Paul Simon

„Shake, Rattle And Roll“ wirkt ein wenig überflüssig auf dem Album, ist aber der Spielfreude der Musiker an jenem Abend geschuldet. Es war der erste Rock’n’Roll-Song überhaupt, den Stewart mit seiner ersten Band The Furies in den 50er Jahren spielte. Zum Schluss liefert die band ein zwölfminütiges „Gold“-Medley, in das Stewart auch „Boy In The Bubble“ von Paul Simon mischte.

Stewart hat hinterher zugegeben, dass ihm an diesem Abend äußerst mulmig zumute war. „Ich dachte, das Konzert sei ein einziges Desaster“, meinte er. Er hatte das Gefühl, dass er mit seiner Stimme mehrfach daneben lag. Als Produzent neigte er eher zum Perfektionismus. „Doch man kann einen Song oder ein Album zu sehr bearbeiten. Mit dem Wunsch es perfekt zu machen, bleiben die Natürlichkeit und der Spaß oft auf der Strecke. Im schlimmsten Fall wird ein Album dadurch völlig leblos.“

„Neon Beach“ ist lebendig und wirkt mühelos: ein echtes Live-Album

Doch bei „Neon Beach“ trat der gegenteilige Effekt ein: „Wir hatten keine Zeit, um an den Songs zu tüfteln. Wir sind auf die Bühne gegangen, haben losgespielt und das Konzert einfach mitgeschnitten.“

Als Stewart die Aufnahmebänder im Studio anhörte, merkte er, dass bei dem Konzert alles passte. Er bearbeitete die Aufnahmen nur minimal. „Ich halte es für eines meiner besten Alben“, sagte er später. Auch wenn die Kritiker es oft als ein Nebenprodukt von Stewart einstuften: „Neon Beach“ klingt immer noch lebendig und wirkt mühelos.

Titel von „Neon Beach“

1. „Lady Came From Baltimore“ 2. „Dreamers On The Rise“ 3. „Angels With Guns“ 4. „Looking For Jack“ 5. „Shake, Rattle And Roll“ 6. „Strange Alliance“ 7. „Seven Angels“ 8. „Grace Of Rain“ 9. „Bad Rats 10. „Hunters Of The Sun“ 11. „Gold Medley“