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Joni Mitchell - die einflussreichste Musikerin des Pop und Rock

  • 06.05.2011
  • Wolfgang Waldenmaier
Von ihrem Song Woodstock bis zur Ballettmusik Shine setzte die kanadische Songpoetin Joni Mitchell immer bedeutende Maßstäbe für die Pop- und Rockmusik.

Es ist ruhig geworden um die Musikerin Joni Mitchell. Das bis heute letzte Album von ihr erschien im Jahre 2007: die Ballettmusik Shine. Im Jahre 2002, nach der Veröffentlichung ihres Albums Travelogue, verkündete Joni Mitchell, sich nunmehr aus dem Musikgeschäft zurückzuziehen. Sie teilte mit, sie wolle sich zukünftig ausschließlich der Malerei widmen (die meisten ihrer Plattenhüllen stattete die Künstlerin von Anfang an mit eigenen Bildern aus). Dass sie doch noch einmal ins Aufnahmestudio zurückfand, lässt auf mehr hoffen. Geboren wurde Joni Mitchell als Roberta Joan Anderson am 7. November 1943 im kanadischen Fort Macleod/Alberta. Aufgewachsen in der Provinz Alberta, ging sie nach ihrem Schulabschluss nach Toronto, um Kunst zu studieren. Nach einem abgebrochenen Kunststudium und einer gescheiterten Ehe mit dem Musiker Chuck Mitchell, kam die Songwriterin im Jahre 1968 nach New York. Sie wurde mit ihren Liedern schnell zum Geheimtipp in den Folkclubs von Greenwich Village. David Crosby von Crosby, Stills, Nash & Young entdeckte sie und produzierte noch im gleichen Jahr ihr Debutalbum.

Joni Mitchells Musik in den Jahren 1968 - 1971

Man könnte die erste Phase von Joni Mitchells Karriere als ihre "Folk-Zeit" bezeichnen. Auf den meisten Stücken der Alben jener Zeit begleitet sich Mitchell lediglich mit dem Klavier oder der Gitarre. Ihr erstes, im März 1968 erschienenes Album Joni Mitchell (Songs To A Seagull), produziert von David Crosby, enthält schon diese - für die ersten Jahre typische - filigran verwobene Einheit zwischen Poesie und Musik. Die Songs I Had A King, Night In The City oder Cactus Tree sind hierfür die besten Beispiele. Schon mit ihrem zweiten Album Clouds, das im Mai 1969 veröffentlicht wurde, erreichte Joni Mitchell Kultstatus: Hierauf befindet sich einer der meist interpretierten Songs der Popgeschichte, mit insgesamt 760 Aufnahmen anderer Musiker: Both Sides Now. Dazu Perlen wie: Chelsea Morning, I Don't Know Where I Stand und The Gallery. Ihr im gleichen Jahr geplanter Auftritt beim Woodstock-Festival fand nicht statt, weil das große Verkehrschaos auf dem Weg zum Festival-Gelände ihn verhinderte. Joni Mitchell schrieb sodann von ihrem Hotelzimmer aus, die TV-Berichterstattung verfolgend, die Hymne zum Festival: den Song Woodstock - erschienen auf ihrem dritten Album Ladies Of The Canyon im April 1970 (die bekanntesten Versionen dieses Songs stammen von Crosby, Stills, Nash & Young und von der Gruppe Matthews Southern Comfort). Auf diesem Werk befinden sich außerdem der von insgesamt 299 anderen Künstlern aufgenommene Song Big Yellow Taxi. Im Juni 1971 veröffentlichte Joni Mitchell schließlich eines der besten Pop- und Rock-Alben aller Zeiten: Blue. Darauf Songs wie: All I Want, Little Green, Carey, River, A Case Of You und das bekannte This Flight Tonight - zum Welthit geworden durch die Interpretation der Gruppe Nazareth

Joni Mitchell - "Rock 'n' Roll's Leading Lady"

Das Time-Magazine bezeichnete Joni Mitchell in seiner Ausgabe vom 16. Dezember 1974 als "Rock 'n' Roll's Leading Lady". Im Oktober 1972 war ihr erstes echtes Rock-Album For The Roses erschienen, mit Titeln wie You Turn Me On I'm A Radio und Woman Of Heart And Mind. Im April 1974 veröffentlichte sie ihr kommerziell erfolgreichstes Album Court And Spark. Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität, folgte im November des selben Jahres das Live-Album Miles Of Aisles. Im Rundfunk liefen die aktuellen "Hits" von Frau Mitchell tagtäglich: Help Me, Free Man In Paris und Raised On Robbery. Da traf der besagte Artikel im Time-Magazine genau den musikalischen Nerv der Zeit. Die beiden folgenden Mitchell-Alben The Hissing Of The Summer Lawns (November 1975) und Hejira (November 1976) deuteten dann schon eine Stilwende in Richtung Jazz an. Wenn diese beiden Werke musikalisch auch noch voll und ganz der Rocktradition zuzurechnen sind, so bemerkt man doch ohne Zweifel mehr und mehr Freiheit innerhalb ihrer musikalischen Strukturen. Stücke wie In France They Kissed On Mainstreet, Edith And The Kingpin, Shadows And Light, Coyote, Hejira oder Song For Sharon geben hierfür ein gutes Beispiel ab.

Joni Mitchell, Charles Mingus und der Jazz

Drei Alben von Joni Mitchell bilden die am stärksten vom Jazz beeinflusste Phase ihres künstlerischen Schaffens: Don Juan's Reckless Daughter (Dezember 1977), Mingus (Juni 1979) und das im September 1980 erschienene Live-Doppelalbum Shadows And Light. Auf diesen drei Werken wird Mitchell von führenden Musikern des Jazz begleitet. Am Bass finden wir den virtuosen Jaco Pastorius und den funkigen Stanley Clark, am Saxophon hört man die legendären Musiker Wayne Shorter und Gerry Mulligan und an der Gitarre treten Pat Metheny und John McLaughlin in Erscheinung. Und über allem schwebt in dieser Schaffensphase der Künstlerin die Musik des Jazz-Genies Charles Mingus.

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Joni Mitchell, die musikalische Experimentierfreude und die Malerei

In den Jahren von 1982 bis 2007 gab es in Joni Mitchells Schaffen eine nahezu atemberaubende Freude am Außergewöhnlichen. Seien es die unorthodoxen Klangfarben, die gegen den Strich gekämmte Rhythmik oder der Einsatz und das Zusammenspiel von Instrumenten, die man in dieser Konstellation so bisher noch nicht gehört hat. Auf den Alben Wild Things Run Fast (Oktober 1982), Dog Eat Dog (Oktober 1985), Chalk Mark In A Rain Storm (März 1988) und Night Ride Home (Februar 1991) wird das, vor allem durch das Zusammenwirken mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten aus allen Bereichen der populären Musik, sehr deutlich.

Der Weg, der Joni Mitchell fort von der öffentlichen Musik und hin oder vielmehr zurück zur Malerei führt, wird mit dem Erscheinen ihres Albums Turbulent Indigo im Oktober 1994 schon klar erkennbar. Auf dem Cover malt sie sich selbst mit verbundenem rechten Ohr - ganz im Stile Vincent van Goghs. Die folgenden Alben: Taming The Tiger (September 1998), Both Sides Now (Februar 2000) - übrigens mit der wohl schönsten Version des Titelsongs - und das mit großem Orchester eingespielte Album Travelogue (November 2002) bieten neben ihrem außergewöhnlichen und experimentierfreudigen musikalischen Gehalt allesamt faszinierende Einblicke in die Kunst der Malerin Joni Mitchell. Vielleicht ist die Ballettmusik Shine, veröffentlicht im September 2007, wirklich das letzte Lebenszeichen von Joni Mitchell als Musikerin!

Quellen:

Barry Graves, Siegfried Schmidt-Joos -

Das Rocklexikon, RoRoRo 1973/1975/1990

Sounds - Platten 66 - 77, Sounds-Verlag 1979

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