Joseph Beuys: Eine kurze Biografie

Das Leben des deutschen Ausnahmekünstlers

Für die einen Messias für die anderen Scharlatan: Joseph Beuys prägte wie kaum ein anderer Deutscher die internationale Kunstwelt der Nachkriegszeit.

Beuys wurde am 12. Mai 1921 in einer Krefelder Klinik geboren, die Familie wohnte allerdings im nahe gelegenen Kleve. Als Schüler ist Beuys vielseitig interessiert an Literatur, Philosophie, Naturwissenschaften und auch bereits an Bildhauerei. Trotzdem war er kein Musterschüler: Er blieb einmal sitzen und riss kurz vor dem Schulabschluss von zu Hause aus. Schließlich machte er 1940 doch noch sein Abitur am Gymnasium von Kleve.

Zweiter Weltkrieg

Fast direkt nach dem Abitur wird Joseph Beuys zum Militär einberufen. Er wird zunächst als Funker ausgebildet, später dann erhält er ein Kampffliegertraining und dient in Russland, Rumänien, Ungarn und Kroatien. Beuys wird über der russischen Steppe abgeschossen und überlebt schwer verletzt. Das letzte Kriegsjahr wird Beuys an der Westfront im Erdkampf eingesetzt und gerät schließlich in britische Kriegsgefangenschaft.

Ausbildung zum Bildhauer und frühe Werke

Nach dem Krieg entscheidet sich Joseph Beuys für ein Studium der Bildhauerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Josef Enseling und Ewald Mataré. Seine erste Einzelausstellung findet 1953 in Kranenburg statt mit Zeichnungen, Holzschnitten und Plastiken. Ab 1954 hat Beuys ein eigenes Atelier in Düsseldorf-Heerdt. 1958 bis 1959 arbeitet er an der Gedächtnisstätte der Gefallenen des 2. Weltkrieges der Gemeinde Brüderich bei Düsseldorf. Dies ist die einzige öffentlich aufgestellte Skulptur aus Beuys früher Phase. 1959 Heirat mit Eva Wurmbach. 1961 Ernennung zum Professor für monumentale Bildhauerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf.

Die 60er Jahre: Fluxus und Aktionskunst

Beuys wird 1961 Mitbegründer der europäischen Fluxus-Bewegung, einer Form der Aktionskunst ursprünglich aus Amerika. Ein Ziel ist die Abkehr von der traditionellen Bild-Kunst hin zu einem erweiterten Kunstbegriff. Es finden zum Beispiel öffentlichen Aktionen statt in die das Laien-Publikum einbezogen wird. Beuys nimmt an Festivals teil und führt Aktionen und Performances durch, zum Beispiel „Das Erdklavier" und „Wie man dem toten Hasen die Kunst erklärt". Beuys steigt zu einem der einflussreichsten Künstler der Nachkriegszeit auf.

Die 70er und 80er Jahre: politisches Engagement und Soziale Plastik

Beuys prägt den Begriff der „Sozialen Plastik". Jeder Mensch sei demnach als schöpferisches Wesen ein Künstler und der Begriff Kunst damit auf alle Lebens- und Arbeitsbereiche anwendbar. Dementsprechend setzt sich Beuys für ein frei zugängliches Kunststudium als Grundbildung für jeden ein. Auf der Documenta im Jahre 1972 stellt er sich quasi selbst aus und diskutiert 100 Tage lang mit dem anwesenden Publikum über seine Kunst. 1976 kandidiert Beuys bei der Wahl zum Deutschen Bundestag für die Aktionsgemeinschaft Unabängiger Deutscher (AUD). 1980 kandidiert er nochmals, diesmal für die Grünen. 1982 nimmt er an der Documenta teil mit der „Aktion 7000 Eichen: Stadt-Verwaldung anstelle von Stadt-Verwaltung". Die letzte große Ausstellung von Joseph Beuys zu Lebzeiten findet 1985 in Neapel statt. Am 23. Januar 1986 stirbt der Künstler.

Aktuell sind Werke von Joseph Beuys im Rahmen der Ausstellung "Kompass" im MoMa in Berlin zu sehen.

Quellen:

Heiner Stachelhaus; Joseph Beuys; Ullstein Verlag, 2004

Guido de Werd; Joseph Beuys: Gruß an Kleve; Katalog zur Ausstellung, 1991, Boss-Druck Kleve

Anke Pfistner, Anke Pfistner

Anke Pfistner - Nach meinem Studium der Elektrotechnik in Hamburg-Harburg und Karlsruhe hatte ich verschiedene Jobs in den Bereichen Umwelt und Technik. ...

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