Die Geschichte befindet sich hinter dem Buch „Esther“ und vor den Psalmen. Sie gehört zur Weisheitsliteratur des Alten Testaments. Man kann sie in Faust I im „Prolog im Himmel“ ansatzweise lesen. Und jeder kennt den Begriff einer Nachricht, nach der sich das Leben für einen schlagartig ändert.
Hiob von Roth
In all diesen Fällen handelt es sich um "Hiob": Das Buch Hiob in der Bibel, die Wette zwischen Teufel und Gott in „Faust“ und vor einer „Hiobsbotschaft“ haben viele ihre Bedenken. Hiob, der Mann, der alles verlor und trotzdem seinen Glauben nicht aufgab, wird von vielen Autoren behandelt. Auch Roth hat sich mit dem, von Schicksalsschlägen geplagten Mann beschäftigt. Dabei wird deutlich, dass Roth in gewisser Weise ein „Hiob“ ist. Denn in seinem gleichnamigen Werk werden viele Parallelen zu seinem eigenem Leben gezogen: Der Geburtsort Roths ist die erste Gemeinsamkeit mit der Hauptfigur in „Hiob“. Mendel Singer „lebte in Zuchnow“ (S. 7), dies ist eine kleine Stadt in Russland. Auch Joseph Roth kennt Russland aus seiner Kindheit. Er wurde in Brody, einer Stadt in Galizien geboren. Die „fromm[e], gottesfürchtig[e] und gewöhnlich[e]“ (S. 7) Lebensweise erfuhr er durch seine Familie. Sein Vater gehörte einer chassidischen Bewegung an. Roth selbst war Jude.
Joseph Roth und Mendel Singer
Mit den in „Hiob“ beschriebenen Erfahrungen mit dem Krieg, weis Joseph Roth sich zu identifizieren. Mendels Söhne Jonas und Schemarjah müssen in den Krieg. Beide Söhne sieht Mendel nicht wieder. Jonas bleibt verschollen und von Schemarjah kehrt nur die Nachricht seines Todes nach Hause zurück: „,[Mac] hat Sams Uhr gebracht und die letzten Grüße.`“ (S. 131) Roth musste von 1916 bis 1918 im Krieg dienen. Zu diesr Zeit entstanden eine Vielzahl von Gedichten und Feuilletons, die in der Prager und Wiener Zeitung veröffentlicht wurden. Auf Grund seines Germanistik - und Philosophiestudiums hatte er die Vorrausetzungen sich mit Glaubensfragen auseinanderzusetzen. Wie es auch Mendel Singer in seinem Leben umgesetzt hat. Er war Lehrer und „vermittelte [den] Kindern die Kenntnis der Bibel“ (S. 7).
Die „materielle Unsicherheit“ Roths spiegelt sich in „Hiob“ wider: „,Du bist eine arme Frau ... Du hast kein Geld sparen können, und kein Mensch kann dir helfen.`“ (S. 45) Ganz ähnliche wie Roth bereiten die gesellschaftlichen Umstände Mendel Singer Schwierigkeiten. Er ringt mit dem Gewissen, seine Söhne nicht in den Krieg schicken zu müssen, seine Tochter vor einem „Kosaken“ zu bewahren und ohne seinen behinderten Sohn nach Amerika zu gehen: „,Fahren wir nicht nach Amerika, so geschieht ein Unglück mit Mirjam. Fahren wir nach Amerika, so lassen wir hier Menuchim zurück.`“ (S. 83) Das Umziehen in ein anderes Land und die daraus entstehenden Probleme kennt Roth aus seiner Vergangenheit. 1913 zogen er und seine Mutter von Brody nach Wien.Die Geschichte befindet sich hinter dem Buch „Esther“ und vor den Psalmen. Sie gehört zur Weisheitsliteratur des Alten Testaments. Man kann sie in Faust I im „Prolog im Himmel“ ansatzweise lesen. Und jeder kennt den Begriff einer Nachricht, nach der sich das Leben für einen schlagartig ändert.
Parallelen auch bei den Erfahrungen
Quelle: Hiob: Roman eines einfachen Mannes von Joseph Roth von Deutscher Taschenbuch Verlag (Taschenbuch - 1. November 2002)
Weitere Beispiele zu den Verbindungen zwischen Roth und Singer.
