Joseph Roth: Hiob (Vergleich Roth - Singer)

Parallelen zwischen dem Autor Joseph Roth und dem Schicksal von Medel Singer.

Weitere Überschneidungen zwischen Joseph Roths Leben und den Ereignissen in seinem Roman "Hiob - Roman eines einfachen Mannes" werden in diesem Artikel beschrieben.

Roths Erfahrung mit Krankheit

1928, zwei Jahre bevor der Roman „Hiob“ entstand, erkrankt Roths Frau an Schizophrenie. Diese Krankheit verarbeitet Roth ebenfalls. Mendels Tochter Mirjam „spricht ... wirr“ (S. 136) und wird, wie 1929 Roths Frau in eine „Anstalt“ eingeliefert. Deborah, Mendels Frau verfällt kurz vor ihrem Tod auch dem Wahn: „Ihre beiden Hände zupfen abwechselnd an den Haaren. Ihre Hände sehen aus wie bleiche, fleischige fünffüßige Tiere ...“ (S. 131), „Dann fällt Deborah vom Sessel. Sie liegt, eine gekrümmte weiche Masse, auf dem Boden. ... ,Sie ist tot.`“ (S. 132).

Joseph Roth und der Krieg

Joseph Roths Leben war gezeichnet von vielen Ereignissen, die er in seinem Werk „Hiob“ zum Ausdruck bringt. Seine Kriegserlebnisse trugen dazu bei, dass er sich in die Lage des Mendel Singer hineinversetzten konnte. Er schrieb keine „Sciencefiction“ – Geschichte, die von unrealen Welten und unglaubhaften Figuren erzählt, sondern einen wirklichkeitsnahen Roman. Viele Beschreibungen, die Roth verwendet, beweisen wie nahe der Krieg war: „Alle Argumente für die Teilnahme am amerikanischen Krieg hatte Deborah von ihrer Tochter Mirjam bezogen. ... ,Sam hat nicht bleiben können. `“ (S. 127).

Unterschiede zwischen Singer und Roth

Im Gegensatz zu Mendel Singer resigniert Roth ein Stück mehr. Er „flüchtet“ in den Alkohol, um die immerfort währenden „Hiobsbotschaften“ ertragen zu können. Die Hauptfigur ist eine Art „Wunschdenken“ des Joseph Roth. Gott lässt in „Hiob“ zu, dass Mendels Sohn wieder gesund wird, so wie es der Rabbi vorausgesagt hat. Menuchim kehrt zurück und tritt als Retter vor seinen Vater. Damit bewegt er ihn zur Umkehr und Mendel fängt wieder an zu glauben.

Biografische Züge in Roths "Hiob"

Die gesellschaftlichen Umstände, die Kriege, die Geisteskrankheit seiner Frau und seine Alkoholsucht verkörpern den Leidensweg eines Roth, der nach einer Erlösung sucht. Es ist möglich, dass sich Roth einen Menuchim wünscht, der seine Welt wieder in das „rechte Lot“ rückt. Sein politisches Engagement scheint von Hürden bespickt zu sein. Während er 1919 noch Artikel für eine linksliberale Zeitung „Neuer Tag“ schreibt, wendet er sich 1926 langsam vom Sozialismus ab. In seinem Exil in Paris wehrt er sich gegen die Nationalsozialisten. Die vielen verschiedenen Herrschafts – und Wirtschaftssysteme bereiten ihm Probleme. Es ist aber zu bemerken, dass Roth durch seine Reportagereise in die Sowjetunion gerade diese Wandlung durchläuft. Er sieht vor Ort welche Politik und Wirtschaft funktioniert und kann sich dadurch ein Bild davon zeichnen. Das ist wichtig für diese Zeit, denn die meisten „schwammen mit dem Strom“.

Hiob - Roman eines einfachen Mannes

Der Titel des Romans weist darauf hin, dass es vielen Juden so ergangen ist. Roth hat mit diesem Werk Maßstäbe für das Verständnis der jüdischen Bevölkerung gesetzt. Er hat gezeigt wie schwer es war seinem Gewissen, seinem Glauben und seinem Land treu zu bleiben. Die Geschichte des „Hiob“ aus dem Alten Testament hat er auf die Zeit des 20. Jahrhunderts projiziert. Es ist ihm gelungen ein Werk herzustellen, dass von nachvollziehbaren Handlungen geprägt ist. Mendel verliert seinen Glauben an Gott, sowie es viele Menschen getan haben in einer Zeit voll Unverständnis, Leid und Hilflosigkeit.

Das Ende von Hiob - Verheißung Gottes

Alle Menschen, die wie Mendel oder Roth so enttäuscht sind, sollten daran denken, dass Gott Hiob zum Schluss das doppelte seines Verlustes wieder gab. Sie sollen darauf hoffen können, dass ihr Leid ein Ende haben wird, denn „Hiob lebte noch 140 Jahre, er sah Kinder und Enkel bis in die vierte Generation. Schließlich starb er in hohem Alter nach einem reichen und erfüllten Leben.“ (Hiob 42, 16 - 17)

Quelle: Hiob: Roman eines einfachen Mannes, Roth. Deutscher Taschenbuchverlag (Taschenbuch - 1. November 2002)