Joseph Roth und sein Roman "Hiob – Roman eines einfachen Mannes"

Joseph Roth, Hiob, Gott, Leid, Roman - Gerd Altmann
Joseph Roth, Hiob, Gott, Leid, Roman - Gerd Altmann
In „Hiob", dem 1930 geschriebenen „Roman eines einfachen Mannes", zeichnet Joseph Roth ein Bild vom leidgeprüften Lebenslauf des Ostjuden Mendel Singer.

„Hiob“ – das ist nicht nur der Titel eines der bedeutendsten Romane von Joseph Roth (1894-1939), genannt nach der biblischen Gestalt, die Prototyp für Leiden geworden ist. Hiob – das ist zugleich Chiffre für das Leben dieses großen Dichters, gezeichnet von Leiden und doch durchzogen von Hoffnung, wie sie auch dem biblischen Hiob eignet.

Joseph Roth und sein Roman „Hiob – Roman eines einfachen Mannes“ eine – Inhaltsangabe

In „Hiob“, dem „Roman eines einfachen Mannes“, wird das Leben und Leiden des Kaftan-Juden Mendel Singer zur Zeit des Ersten Weltkrieges erzählt. Er wandert zu einem Sohn nach Amerika aus, einen anderen Sohn, Menuchim, den von Geburt körperlich und geistig kranken, bei Bekannten zurücklassend. Nach dem Eintritt Amerikas in den Krieg kommt schweres Leid über die Familie. Singers Frau Deborah stirbt (nachdem die Liebe der Eheleute schon lang erloschen war), als sie die Nachricht vom Tode ihres Sohnes bekommt, der als amerikanischer Soldat in Europa gefallen ist. Die einzige Tochter Mirjam wird in eine Klinik gebracht, verfällt dem Wahnsinn. Ganz einsam ist es um Mendel Singer geworden. Er hört auf zu beten. Er will seine Gebetbücher, seine Gebetriemen und seinen Gebetsmantel verbrennen. Ist denn der Teufel gütiger als Gott?

Das Happy-End beider Hiob-Erzählungen

Das Happy-End beider Hiob-Erzählungen ist unglaubwürdig (der Mann aus dem Lande Uz bekam alles zweifach wieder – der Mann aus Zuchnow kann seinen verlorenen geglaubten kranken, nunmehr gesund gewordenen Sohn Menuchim wieder in die Arme schließen). Doch wie hat schon der profunde Theologe Georg Langenhorst so treffend resümiert: „(…) warum sollte der, der alles nehmen kann, nicht auch vieles wieder geben können?“

Mag die biblische Hiob-Erzählung vielleicht dramatischer, leidenschaftlicher und gewaltiger sein – Roths Hiob-Erzählung ist dem Leser näher und trifft ihn unmittelbar, da sie ein Lebensschicksal eines der Gequälten des vorigen Jahrhunderts schildert. Von Schriftstellern wie Heinrich Böll oder Stefan Zweig sowie in Nachworten zu Ausgaben seiner Romane wird Roths literarischer Stil gerühmt. Man rühmt ihm nach, „das schönste Deutsch seit Lessing“ geschrieben zu haben.

Bildnachweis: © by Gerd Altmann/pixelio.de

Quellen:

Langenhorst, Georg: Hiob unser Zeitgenosse. Die literarische Hiob-Rezeption im 20. Jahrhundert als theologische Herausforderung, Mainz 1994 (Zugleich Tübingen, Universität, Dissertation 1993), Seite 127-149 [Zitat. Seite 129].

Ders: Hiobs Schrei in die Gegenwart. Ein literarisches Lesebuch zur Frage nach Gott im Leid. Herausgegeben von Georg Langenhorst, Mainz 1995.

Roth, Joseph, Hiob. Roman eines einfachen Mannes. 1. Auflage, in: ders. Werke Band 5. Romane und Erzählungen 1930-1936. Herausgegeben von Fritz Hackert (Köln 1989), Seite 1-136. © b 1990 by Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, und Verlag Allert de Lange, Amsterdam.

Ingo Noczynski, Ingo Noczynski

Ingo Noczynski - Ingo Noczynski, in Wiesbaden geboren. Buchhändler und Magister (ev. Theologie, Geschichte, Physik) in Mainz. Derzeit für den ...

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