
- Jasperware von Wedgwood - smoothsilk/flickr.com
Die Industrialisierung der keramischen Produktion ist in England untrennbar verbunden mit dem Namen Josiah Wedgwood. Ein moderner Unternehmer, dem es weder an Kreativität noch an Geschäftssinn mangelte.
Josiah Wedgwood – vom Töpfermeister zum Industriellen
Josiah Wedgwood (1730-1795) war der Jüngste von zwölf Geschwistern. Er wuchs in Staffordshire auf, wo seine Eltern eine kleine Töpferei betrieben. Nach dem Tod des Vaters 1739 übernahm einer von Josiahs Brüdern den Familienbetrieb. Bei ihm ging Josiah mit 14 in die Lehre und arbeitete anschließend in verschiedenen Töpfereien.
Im Alter von 24 Jahren traf Josiah mit Thomas Whieldon zusammen, der damals als einer der kreativsten und besten Töpfermeister seiner Zeit galt. Fünf Jahre arbeiteten die beiden gemeinsam. Wedgwoods Ehrgeiz Töpferwaren zu verbessern und zu verfeinern führte schließlich dazu, dass er eine eigene Werkstatt gründete. Die Vermarktung der Produkte übernahm sein Cousin Thomas Wedgwood.
Creamware erobert das Herz der Königin Charlotte
Die Entwicklung eines cremefarbenen Steingutgeschirrs brachte den Durchbruch. Die sogenannte creamware war so leicht und dünn, das sie dem kostbaren Porzellan, das man am besten an seiner Transparenz erkennen kann, zum Verwechseln ähnlich sah.
Josiah und Thomas Wedgwood gewannen das Königshaus als Kundschaft und sie wurden offiziell "Potters of the Queen", Hoflieferanten also. Fortan wurde die exquisite creamware in "Queen’s Ware" umgetauft und verkaufte sich als "Englisches Porzellan" bald international. Durch die Beimischungen von Feldspat war die englische Keramik härter als herkömmliches Steinzeug. Zudem war es unerreicht in seiner Form- und Farbvielfalt.
Edle Keramik fürs Volk
Doch Josiah Wedgwood war nicht nur an der Verschönerung der königlichen Teestunde gelegen. Er wollte auch ein alltagstaugliches Geschirr für die Mittelschicht schaffen. Feinkeramik für die, die sich Meißen und Sèvres nicht leisten konnten, aber trotzdem auf Tischkultur nicht verzichten wollten.
Verkehrstechnisch günstig gelegen eröffnete er in Stoke-on-Trent am Trent and Mersey Canal eine eigene Fabrik. Die reichen Ton- und Lehmvorkommen in der Umgebung machten den Standort ideal für die Produktion von Steinzeug und Feinkeramik.
Die Hochzeit mit der vermögenden Sarah, Tochter eines Käsehändlers, brachte Josiah das nötige Kleingeld für die geschäftliche Expansion. Die 1769 eröffnete Fabrik blieb für lange Zeit die modernste Manufaktur Europas. Für seine Arbeiter errichtete der sozial denkende und human eingestellte Unternehmer ein Dorf namens "Etruria".
Bald wurden neben Geschirr auch Vasen, Statuen und Dekorationsgegenstände produziert.
Wedgwoods schwarzes Steinzeug: Black Basalt
Johann Joachim Winckelmanns Schriften über die Antike und seine Beschreibungen von Pompeji lösten in ganz Europa eine Idealisierung der Antike aus. Auch in England stand der Klassizismus in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in seiner vollen Blüte.
Ganz am Puls der Zeit entwickelte Josiah Wedgwood ein unglasiertes schwarzes Steinzeug, das sich antike griechische Vasen zum Vorbild nahm und unter dem Namen "Black Basalt" in die Wohnzimmer der gebildeten Mittelschicht Einzug hielt. Mattschwarze Vasen mit etruskischen Motiven zierten Kaminsimse und Tischchen. 1773 vermerkte Wedgwood: "Das Schwarze ist ehrliche, grundgute Ware und wird ewig halten". Bis heute ist Black Basalt gesuchte Wedgwood-Ware.
Wedgwood auf dem Höhepunkt: Jasper
Während Queen’s Ware und Black Basalt die konsequenten Weiterentwicklungen bereits bekannter Techniken waren, war Jasperware eine wirklich neue Schöpfung.
Berühmtheit erlangte Jasper durch die Reproduktion der Portland-Vase. Das gläserne Gefäß aus römischer Zeit hatte sich im Besitz der Herzogin von Portland befunden. Diese überließ die Vase Josiah Wedgwood, damit er eine Kopie davon anfertigen sollte. Drei Jahre arbeitete Wedgwood an der Replik, aber dann konnte er eine Vase aus hauchdünnem Material präsentieren: Die farbige unglasierte Jasperware mit den weißen Motiven, die sich als Halbrelief vom Untergrund abheben, gehört zu den Meisterleistungen Wedgwoods.
Die blau-weiße Jasperware wurde sogar auf Möbelstücken und anderen Gebrauchsgegenständen imitiert.
Wedgwood – genialer Handwerker, tüchtiger Geschäftsmann
Das, was vor allem im 20. Jahrhundert Ziel vieler Manufakturen war, nämlich Design für ein breites Publikum erschwinglich zu machen, hatte sich Josiah Wedgwood bereits im 18. Jahrhundert auf die Fahnen geschrieben. Wedgwood war nicht nur ein innovativer Töpfermeister, sondern auch ein gewiefter Geschäftsmann, der als einer der ersten Industriellen Maßstäbe in der Keramikproduktion setzte.
Zweieinhalb Jahrhunderte lang stand der Name Wedgwood für ausgewähltes Design und erlesenes Steinzeug. Wie einst der Gründer Josiah hatte man bei Wedgwood nicht nur die kaufkräftige Oberschicht im Auge, sondern produzierte auch für die Mittelschicht wie z.B. die Peter Rabbit-Serie, die auf die bekannten Kinderbuchillustrationen von Beatrix Potter zurückgeht. 1986 wurde Wedgwood von dem irischen Kristallglashersteller Waterford übernommen. 2009 musste das britische Traditionsunternehmen Insolvenz anmelden.
Quelle:
Piras/Roetzel: British Style. Wohnen, Kultur, Lebensart, o.O., 2005.
* Zitat, ebd. S 144
