Journalismus – (k)ein Traumberuf

Studienautor Roman Hummel - Uni Salzburg
Studienautor Roman Hummel - Uni Salzburg
Eine neue Studie des Salzburger Instituts für Kommunikationswissenschaft sagt: Die Lücke zwischen Wunschbild und Realität wird im Journalismus immer größer.

120 Neueinsteiger würde der österreichische Journalismus im Jahr brauchen, um die natürlichen Abgänge durch Pensionierungen auszugleichen. Indessen drängen ungefähr so viele in den Beruf. Mehr denn je sehen junge Menschen den Journalismus als Traumberuf – weniger denn je entspricht dieses Bild der Realität. Das ist die zentrale Aussage der Studie „Medienkarrieren im Umbruch“, die von Roland Hummel und Susanne Kirchhoff vom Salzburger Institut für Kommunikationswissenschaft vor kurzem veröffentlicht wurde. In den Beruf würden teilweise absurde Erwartungshaltungen gelegt, erklärt Hummel.

Grenzen zwischen Journalismus und PR-Arbeit verschwimmen

Der Studie zufolge sehen sich angehende Journalisten noch immer als neutrale, distanzierte Informationsvermittler, die Kreativität, kritische Distanz und gutes Formulieren für die wichtigsten Kritierien ihres Berufs halten. Tatsächlich aber befinden sich die Medien im Würgegriff der Wirtschaft. Immer mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Journalismus und PR-Arbeit. Der Zulauf in den Markt senkt nicht nur das Lohnniveau, sondern ermöglicht es ökonomischen und politischen Interessensverbänden auch, Journalisten unter Druck zu setzen.

Solchermaßen „überzeuge“, so Hummel, die Sorge um den Arbeitsplatz Journalisten schon mal, „auch Geschichten zu machen, die vom Berufsethos her nicht hundertprozentig vertretbar sind“. Zu den unausgesprochenen Regeln in etlichen Redaktionen, so sagt die Studie, gehört etwas die Prämisse, Anzeigenkunden nicht zu kritisieren. Auch Kollisionen mit Eigentümer-Präferenzen sollten Journalisten in vielen Verlagen tunlichst vermeiden, wenn ihnen ihr Arbeitsplatz lieb ist.

Qualitätsverlust droht

Der Stellenabbau in der Branche ist in den letzten Jahren dramatisch gewesen. Gleichzeitig schaffen die sogenannten freien, schlecht bezahlten Dienstverhältnisse ein immer größer werdendes Heer an journalistischem Prekariat. 40 Prozent der österreichischen Journalisten arbeiten ohne fixe Anstellung; von diesen muss mehr als ein Drittel mit weniger als 2.000 Euro Bruttoverdienst im Monat auskommen.

In Kombination mit Begehrlichkeiten seitens der Wirtschaft und Politik könne diese Entwicklung fatale Konsequenzen auf grundsätzliche journalistische Agenden zeitigen, warnt Fritz Wendl, Vorsitzender des ORF-Redakteursrats: „Wenn wir Mechanismen, die in der Wirtschaft gelten, zu sehr in die Medien hineinlassen, denn fehlen uns irgendwann die Ressourcen, unserer Funktion als vierte Gewalt im Staat nachzukommen, der Funktion der Machtkontrolle.“

Presseförderung forciert Einfalt statt Vielfalt

Auch die Presseförderung – die unter anderem auch Investionen in die Ausbildung vorsieht, ohne dass diese in irgendeiner Weise nachgeprüft werden – habe dieser Entwicklung nichts entgegenzusetzen. Im Gegenteil, die Art ihrer Verteilung trage zur weiteren Verengung des ohnedies schon extrem konzentrierten, von wenigen Verlagen konzentrierten österreichischen Marktes bei. „Das einstige Motiv der Presseförderung“, spöttelt Wendl, „war, die Vielfalt der Meinungen zu fördern. Die heutige Presseförderung, die in Wahrheit eine Vertriebsförderung ist, fördert die Einfalt.“

Bruno Jaschke, Tamara Starl

Bruno Jaschke - Ich bin freier Journalist und Autor und lebe in Wien. Aktuelle journalistische Tätigkeit neben suite101.de in Wiener Zeitung, Die ...

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