
- Kommunikationswissenschaftler Klaus Schönbach - Uni Wien
„Unter Gerd Bacher wäre Armin Wolf schon weg gewesen“. Das war einer von vielen launigen Sprüchen, die SPÖ-Klubobmann Josef Cap zur Diskussion „Gegängelte Medien?“ im Rahmen der Reihe „Medien.Macht.Demokratie“ beizusteuern wusste.
Grundsätzlich aber fand sich Cap in der Veranstaltung im Pressezentrum des Parlaments permanent in der Defensive: Zum einen war er – vom Grünen-Mediensprecher Dieter Brosz als Gast im Publikum abgesehen – der einzige Politiker in der Diskussion, an der noch Falter-Herausgeber Armin Thurnher, Kleine Zeitung-Redakteurin Eva Weissenberger und Kommunikationswissenschaftler Klaus Schönbach teilnahmen. Zum anderen scheint just seine Partei nach der Inseraten-Affäre mit der Causa Niko Pelinka aktuelle Begehrlichkeiten der Politik auf medialen Einfluss aufs Dreistete zu repräsentieren.
Causa Pelinka: „Politische Erpressung"
Eine „politische Erpressung“ hatte Zeit im Bild-Moderator Armin Wolf, der schon bei früheren ORF-Führungsebenen „verhaltensauffällig“ geworden war, die geplante (wenn auch mittlerweile wieder abgeblasene) Bestellung des roten ORF-Stiftungsrats Niko Pelinka zum Büroleiter von ORF-General Alexander Wrabetz genannt.
Wie viele lange Ehen trägt das Verhältnis von Politik und Medien schizoide Züge: Man kann nicht ohne einander, man ärgert sich über einander und man belauert sich einander. „Die Politiker gängeln die Medien, die Journalisten gängeln die Politiker“, sagt Klaus Schönbach, der derzeit am Publizistik-Institut Wien unterrichtet. „Das ist nicht so schlimm, wenn die Balance stimmt. Wenn sie nicht mehr stimmt, gibt es ein Problem.“
Die Politik kann das Intervenieren nicht lassen
Nun waren allerdings genau solche Störungen des Gleichgewichts in Österreich seit jeher an der Tagesordnung und sind es augenscheinlich auch gegenwärtig. Mit eklatantem Übergewicht auf der politischen Seite, die mit belästigender Ausdauer versuche, Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen, wie Journalisten klagen.
Eva Weissenberger, designierte Chefredakteurin der Kleinen Zeitung Kärnten, erinnert sich aus ihrer Vergangenheit aus Presse, Falter und ORF an viel Inserentendruck. Im ORF hätten sich wiederholt hochrangige SPÖler über ihre Recherchen beschwert.
Beim Falter habe im Jahr 2000 „ein sehr inseratenfreudiger Wiener Wohnbaustadtrat“ (Werner Faymann, Anm.) eine Geschichte abzudrehen versucht. Weissenberger brachte sie trotzdem und als Herausgeber Armin Thurnher aus dem Urlaub zurückkam, seufzte er: „Das kostet mich zwei Millionen“ (damals noch Schilling, ca. 145.000 Euro).
Im Vergleich zu Deutschland sieht Österreich nicht gut aus
Thurnher wiederum zieht anhand der Skandale um den deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff einen Vergleich zwischen dem deutschen und dem österreichischen Journalismus: „Ein Bundespräsident, der einem Journalisten (Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, Anm.) auf dem Anrufbeantworter nahe legt, eine Geschichte zu verschieben, wäre ja bei uns nicht einmal eine Fußnote wert.“
Klaus Steinbach, der in Deutschland geboren ist, lange Jahre in Holland verbracht hat, Gastprofessor in den USA war und mit unterschiedlichsten medialen Entwicklungen bestens vertraut ist, bringt genügend Außenperspektive für eine gewichtige Expertise mit. Er bemängelt in Österreich grundsätzlich einen Mangel an Transparenz; in den Medien im besonderen die undurchsichtige Vermischung von Reklame und Berichterstattung („Ich war geschockt, als ich das erste Mal ,Österreich‘ und ,Heute‘ aufgeschlagen habe“) und die offensichtliche ideologische Durchdringung von Zeitungen. Sein Gegengift: „Es braucht professionelle Journalisten, um sich gegen die Übergriffe von Laien zu wehren. Nichts anderes sind Politiker schließlich.“
