J.R.R. Tolkien – Der Herr der Ringe

Rezension eines Klassikers und Meisterwerks der Fantasy-Literatur

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe - Klett-Cotta
J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe - Klett-Cotta
„Der Herr der Ringe" gilt als die Bibel der Fantasy. J.R.R. Tolkien begründete damit das Genre. Vor 40 Jahren erschienen die drei Romane erstmalig auf Deutsch.

Es ist das meistgelesene Fantasy-Buch aller Zeiten. Schon vor seiner Realverfilmung war „Der Herr der Ringe“ besonders in Deutschland ein Erfolg. Es gehört zu den Werken, von denen gesagt wird, dass nur die Bibel häufiger gelesen würde. Doch als vor 40 Jahren die Hobbitpresse das Buch erstmalig auf Deutsch veröffentlichte, war nicht abzusehen, dass es Kultstatus erlangen würde. Auch der Autor selbst erlebte nur die Anfänge dieses Erfolges – J.R.R. Tolkien starb 1973.

Mit dem Herrn der Ringe" begründete Tolkien die Fantasy

Die Bedeutung des „Herrn der Ringe“ liegt vor allem darin, dass Tolkien mit dem Roman das Genre Fantasy überhaupt erst erschuf. Er nahm sich zahlreiche Mythen und Sagen als Vorbild und setzte sie völlig neu zu einer Geschichte zusammen. Elben, Zwerge, Menschen und Hobbits bevölkern darin die Welt Mittelerde, kämpfen gegen Orks, Trolle und Warge. Tolkien gibt Mittelerde jedoch nicht nur eigene Geschöpfe, sondern auch eine eigene Geschichte. Für die Völker, die sich hier konventionell und magisch bekriegen, schafft er eine eigene Sprache (die in den Anhängen des Werkes erläutert wird). Diese Detailverliebtheit sowie die Art, wie Tolkien sein eigenes Werk ernst nimmt, lassen die drei Romane noch heute herausragen. Im Gegensatz zum „Hobbit" gehörten von Anfang an erwachsene Leser zur Zielgruppe.

Der Ring muss vernichtet werden

Den Inhalt des „Herrn der Ringe“ gibt bereits das der Handlung vorangestellte Gedicht wieder: „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.“ Dieser Ring muss vernichtet werden, ehe er in die Hände des bösen Sauron gelangt. Ruhig und gemächlich beginnt Band 1, „Die Gefährten“. Erst langsam erfahren die Guten um den Zauberer Gandalf, dass sie im Besitz des einen Rings sind. Ausgerechnet bei den lebensfrohen Hobbits im Auenland befindet er sich. Frodo und seine Freunde Merry, Pippin und Sam ahnen jedoch nichts von der Macht, die sie bei sich tragen, als sie nach Bruchtal aufbrechen, dem Herrschaftssitz des weisen Elrond. Verfolgt von schwarzen Reitern erreichen sie die Stadt, nur um in ein noch größeres Abenteuer zu geraten. Der Ring soll vernichtet werden, was nur im Herzland des Bösen möglich ist: in Mordor. Zusammen mit weiteren Gefährten machen sich die Hobbits auf die Reise. Zwar gibt es im Auftaktband schon einige Abenteuer und Kämpfe zu bestehen, doch lebt er vor allem von der subtilen Spannung. Das Tempo, mit dem die Ereignisse vorangetrieben werden, variiert Tolkien geschickt.

In Die zwei Türme" und „Die Rückkehr des Königs" dominiert die Action

In Band 2, „Die zwei Türme“, und Band 3, „Die Rückkehr des König“, dominiert hingegen die Action. Schlacht folgt auf Schlacht und die Ereignisse überschlagen sich, wenn Aragorn, Gimli und Legolas das Reitervolk der Rohan für den Krieg mobilisieren. Anschließend eilen sie nach Gondor, der wichtigsten Feste der Menschen, um die Stadt gegen die aus Mordor anrückenden Truppen zu verteidigen. Dabei spielen auch Merry und Pippin eine wichtige Rolle – überragt werden all die Helden jedoch vom mächtigen Zauberer Gandalf. Allein und schutzlos müssen sich hingegen Frodo und Sam gen Mordor vorkämpfen. Während Frodo langsam den Einflüsterungen des Rings zu erliegen droht, verteidigt der treue Sam seinen Herren gegen Orks und den wahnsinnigen Gollum, der seinen Schatz – den Ring – zurückhaben möchte. Vom inneren Kampf Frodos gegen die Macht des Rings und den Schlachtenbeschreibungen leben die Bände 2 und 3. Tolkien hängt dem Sieg des Guten jedoch noch einen langen Abschiedsteil an, in dem er noch einmal Handlungsstränge aus Band 1 aufnimmt und abschließt. Dabei wird er jedoch recht langatmig und erzeugt eher den Eindruck, er habe sich selbst nicht von seiner Geschichte trennen können.

Der „Herr der Ringe“ in der Übersetzung

Zwei deutsche Übersetzungen des Fantasy-Klassikers gibt es. Die neuere von Wolfgang Krege erschien 2000 und spaltete die Fan-Gemeinde. Krege hatte sich zum Ziel gesetzt, die sprachlichen Gegensätze zwischen der im Auenland gesprochenen modernen Sprache und der Hochsprache, wie sie im übrigen Mittelerde gesprochen wird, stärker hervorzuarbeiten. Dabei trieb es der Übersetzer jedoch zu weit, verwendete Begriffe, die von vielen als unpassend empfunden wurden. So machte Krege aus „Master Frodo“ „Chef“. Noch heute erhältlich ist aber auch die erste Übersetzung von Margaret Carroux. Bei ihr gibt es keine gegensätzlichen Sprachstile, aber auch keine modernen Ausdrücke, weshalb das Deutsch in manchen Teilen leicht altbacken klingt. Die Geschichte des Klassikers bleibt jedoch lebendig und begeistert noch heute Millionen Leser Der „Herr der Ringe“ wurde zum Prototyp des Fantasy-Romans. Zahlreiche andere Autoren eiferten ihrem Vorbild Tolkien nach und müssen sich an ihm messen lassen.

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe Klett-Cotta-Verlag. Drei Taschenbücher, 1347 Seiten (ohne Anhänge). Euro 32,90. In der Übersetzung von Wolfgang Krege.

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Klett-Cotta-Verlag. Drei Bände, 1279 Seiten mit Anhängen und Register. Euro 75. In der Übersetzung von Margaret Carroux.

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Klett-Cotta-Verlag 2008. Sonderausgabe in einem Lederband, 1295 Seiten mit Anhängen und Register. Euro 98,00 (bis zum 01.05.09). In der Übersetzung von Margaret Carroux.

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