J.R.R. Tolkien: Geschichten aus dem gefährlichen Königreich

Geschichten aus dem gefährlichen Königreich - Hobbit-Presse, Klett-Cotta
Geschichten aus dem gefährlichen Königreich - Hobbit-Presse, Klett-Cotta
Fünf fantastische, spannende und nachdenkliche Geschichten jenseits des "Herrn der Ringe". Mit Illustrationen von Alan Lee. Eine Rezension.

J.R.R. Tolkien ist nicht nur der Autor der „Herr der Ringe“-Trilogie, sondern auch vieler weiterer Geschichten und Gedichte, die weniger bekannt wurden und teilweise erst durch Tolkiens Nachlass der Welt zugänglich gemacht wurden, wie etwa die 2011 erschienen „Legende von Sigurd und Gudrún. Auch die „Geschichten aus dem gefährlichen Königreichzeigen eine andere Seite des als Begründer der Fantasy-Literatur geltenden Engländers.

Fünf Geschichten über Hobbits, Hunde, Elben und Drachen

In „Geschichten aus dem gefährlichen Königreich“ wurden erstmals die fünf Erzählungen, welche zuvor separat in „Roverandom“, „Fabelhafte Geschichten“ und „Tom Bombadil“ veröffentlicht wurden zusammengefasst.

  • Bauer Giles von Ham
  • Roverandom
  • Die Abenteuer des Tom Bombadil (und andere Gedichte)
  • Der Schmied von Grossholzingen
  • Blatt von Tüftler

Mehr aus purem Glück, denn Verstand oder gar Mut wird Bauer Giles von Ham zum Bezwinger von Riesen und Drachen. „Roverandom“ erzählt von dem Hund Rover, welcher von einem Zauberer in einen kleinen Spielzeughund verwandelt wird, an einen Jungen verkauft und diesem aus der Tasche fällt. Schliesslich gelangt er auf seiner abenteuerlichen Reise bis auf den Mond und in die Tiefen des Meeres. Im dritten Teil des Buches werden die aus dem „Herrn der Ringe“ bekannten Hobbits zu Verfasser der verschiedensten Gedichte über Bombadil, Trolle, Elben und vieles mehr. In der Ortschaft Grossholzingen findet alle 24 Jahre das Fest der Guten Kinder statt. Zu diesem Anlass wird ein ganz besonderer Kuchen serviert, worin sich eines Tages ein Elbenstern befindet. Der Schmied verschluckt diesen und wird dadurch besonders kunstfertig und zu einem Wanderer in den Elblanden. „Blatt von Tüftler“ erzählt die Geschichte des gutmütigen Malers Tüftler, welcher an einem riesigen Gemälde arbeitet, dabei jedoch ständig gestört wird und schliesslich nicht mehr damit fertig wird, bevor er eine Reise antreten muss.

Kindermärchen bis hin zu tiefgründiger Literatur

Das Buch beginnt mit den beiden Erzählungen um den Bauer Giles und Roverandum, mit zwei Geschichten, welche auf den ersten Blick als typische Märchen für Kinder durchgehen. Beide sind reich an Fantasie und Abenteuer. Doch wie es Tolkiens Art ist, versteckt sich durchaus eine gewichtige Aussage hinter den einfachen Fantasy-Geschichten. Bei „Schmied von Grossholzingen“ und „Blatt von Tüftler“ wird das Tiefgründige, poetische offensichtlicher, insbesondere bei Letzterem. All diese Erzählungen vermögen auf ihre Weise den Leser zu berühren und zum Nachdenken zu bewegen ohne dabei ihre humoristische Spannung zu verlieren. Die Gedichte zeigen eine andere Seite Tolkiens. Schon alleine die Tatsache, dass er diese den Hobbits (hauptsächlich Bilbo und Sam) zuschreibt, lässt erkennen, dass John Ronald Reuel Tolkien Sinn für Humor besass. So ist auch deren Inhalt nicht durchwegs ernst zu nehmen. In alle Erzählungen fliessen zahlreiche Anekdoten aus Sagen und Mythologie ein und lassen erkennen, dass sich Tolkien sich schon früh dafür interessierte und über fundiertes Wissen in diesem Bereich verfügte.

Fantastische Literatur für jedes Alter

Bereits „Der Hobbit“ liess erahnen, dass er der englische Sprachprofessor gerne Erzählungen für Leser in jedem Alter schrieb. Auch die fünf „Geschichten aus dem gefährlichen Königreich“ sind für Kinder und Erwachsene gleichermassen ansprechend. „Bauer Giles von Ham“ sowie „Roverandom“ eignen sich hervorragend zum Vorlesen für die ganz Kleinen. Das Tiefgründige spricht jedoch durchaus auch Erwachsene an, was das Buch für Leser jeden Alters interessant macht. Einzig „Blatt von Tüftler“ fällt durch seine weniger offensichtlichen Fantasy-Elemente etwas aus dem Rahmen und ist durch die tiefgründige, zum nachdenken anregende Geschichte für erwachsene Leser eher von Interesse.

Illustriert vom bekannten Tolkien-Künstler Alan Lee

Einen besonderen Pluspunkt verdient sich das Buch durch die zahlreichen Illustrationen. Diese stammen allesamt vom bekannten Tolkien-Künstler Alan Lee, welcher neben John Howe auch für das künstlerische Konzept der „Lord of the Rings“ –Verfilmung zuständig war. Die Bleistiftzeichnungen von Lee zeichnen sich durch ihre detailreiche und naturgetreue Beschaffenheit aus und drücken dieser Ausgabe ihren besonderen Stempel auf. Zudem hat Alan Lee ein kurzes, informatives Nachwort zu seiner Zeichenmotivation beigesteuert sowie das Coverbild mit dem Drachen Chrysophylax und Bauer Giles.

Fazit

Geschichten aus dem gefährlichen Königreich ist ein wunderschön gestaltetes Buch für Leser jeden Alters. Die einzelnen Erzählungen bewegen sich zwischen abenteuerlich Märchenhaftem und traumhaft Nachdenklichem. Liebhaber des „Herrn der Ringe“ sollten sich allerdings vor Augen halten, mit diesem Buch eigenständige Erzählungen Tolkiens vor sich zu haben, welche lediglich mit einigen der Gedichte nach Mittelerde führen. Ansonsten sind die Geschichten zwischen Fantasy, Märchen und Poesie anzusiedeln.

Das Buch:

J.R.R. Tolkien, Geschichten aus dem gefährlichen Königreich (Tales from the Perilous Realm), mit Illustrationen von Alan Lee, Hobbit-Presse, Klett-Cotta 2011, ISBN: 978-3-608-93826-5, 333 Seiten, Hardcover, Preis: 19.95 Euro (D)

Sarah A. Friedli, Sarah A. Friedli

Sarah A. Friedli - Kurzvita: Geboren wurde ich 1985 in der Schweiz. Nach der Schulzeit absolvierte ich den Vorkurs für Gestaltung und anschliessend ...

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