Juan Carlos I. - seit 36 Jahren Spaniens König

Juan Carlos ist privat Formel1-Fan - Reinhard Hefele
Juan Carlos ist privat Formel1-Fan - Reinhard Hefele
Am 22. November 1975 wurde Juan Carlos de Borbón als spanischer König vereidigt. Er war der Motor des Wandels von Francos Diktatur zur Demokratie.

„Ich möchte ein Mittler sein, ein Wächter der Verfassung und ein Wortführer der Gerechtigkeit... Der König wünscht, König aller zu sein und zugleich jedes einzelnen in seiner eigenen Geschichte, Kultur und Tradition." Dies sind Auszüge aus der Rede Juan Carlos I. nach seiner Vereidigung am 22. November 1975 vor den Cortes, den Ständen.“ „Mensaje de la Corona“, Botschaft der Krone, nannte der König seine Ausführungen, die aufhorchen ließen, denn sie stellten Beteiligungsrechte der Bürger und eine Demokratisierung in Aussicht.

Vom Ziehsohn Francos zum parlamentarischen Monarch

Bis dahin galt Juan Carlos de Borbón y Borbón als Ziehsohn Francos. Franco war zwei Tage vorher, am 20. November 1975, gestorben. Der „Gaudillo“ hatte nach dem Ende des Bürgerkrieges in Spanien eine Diktatur errichtet, 1947 aber bereits in einem sogenannten Nachfolgegesetz Spanien wieder zum Königreich erklärt, um die starke Fraktion der Monarchisten im Land zu beruhigen. Der rechtmäßige Thronfolger, Don Juan, der Vater Juan Carlos´, lebte zwar weiter im Exil in Rom mit seiner Familie, aber er schickte seinen Sohn zur Ausbildung nach Spanien. Juan Carlos war 1938 im Exil in Rom geboren worden, ging dann in den 1950er Jahren in Madrid und San Sebastián zur Schule, besuchte verschiedene Militärakademien und war anschließend an der Philosophischen und Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Madrid eingeschrieben. Franco ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass die Staatsführung allein ihm zustand. 1969 ließ er die Cortes-Abgeordneten über Juan Carlos als seinen Nachfolger abstimmen, Juan Carlos wurde als „Prinz von Spanien“ vereidigt und übernahm immer häufiger staatliche Funktionen. 1971 wurde er zum Stellvertreter Francos und als sein Nachfolger bestimmt.

Der gewaltlose politische Übergang

Die Spanier nahmen Juan Carlos nicht sehr ernst, sahen in ihm allenfalls eine Übergangslösung nach dem Tod Francos. In einem Interview kurz vor dem Tod Francos hatte Juan Carlos aber bereits gesagt: „Die Wiederherstellung der echten Demokratie ist eines der Ziele, aber Spanien darf keine Mühe scheuen, um Unordnung und Chaos zu vermeiden.“ Er glaubte mehr an die demokratische Evolution als an einen abrupten Bruch, den die Opposition im Auge hatte. Er wollte eine Regierung bilden, die „die Zukunft Spaniens sichern, nicht die Vergangenheit erhalten will.“ Diese in Spanien so genannte „Transición“ , der „paktierte Übergang“, gelang ihm, dazu holte er auch die Opposition ins Boot, denn keiner wollte letztlich einen neuen grausamen Bürgerkrieg.

Beliebt und geachtet von der Mehrheit des Volkes

Ziemlich bald gelang es Juan Carlos, die enge persönliche Beziehung zu Franco vergessen zu lassen. Er gewann zuerst die Eliten und die unterschiedlichen Parteien für seine Demokratisierungsziele und dann auch das Volk. Schon seit 1976 bereiste Juan Carlos zusammen mit Sofía die verschiedenen spanischen Regionen, sprach noch vor Francos Tod auf Katalanisch in Barcelona, errang eine Glaubwürdigkeit von unten. Er wurde zum Motor des Reformprozesses, der schließlich zur Verfassung von 1978 führte, eine der besten Verfassungen eines modernen Staates, wie Historiker bestätigen. Mit dieser Verfassung nahm er viele seiner Vollmachten zurück. Der König ist heute mehr in der Rolle eines Schiedsrichters und Vermittlers, eine „moderierende Gewalt“, wie der Spanienkenner Prof. Walther L. Bernecker es beschreibt.

Sein Verhalten beim Putschversuch des Militärs 1981 brachte ihm den Respekt aller: Während Regierung und Parlament von den Putschisten als Geiseln gehalten wurden und große Teile des Militärs zum Losschlagen bereit waren, zog Juan Carlos hinter den Kulissen die Fäden. Er bildete schnell eine Notregierung und hielt bewusst in der Uniform des Oberkommandierenden aller Streitkräfte die denkwürdige Rede über alle Fernsehsender, die das Militär wieder auf seine Seite brachte. Nicht zuletzt seit diesem Tag wird die Monarchie von der großen Mehrheit der Spanier nicht in Frage gestellt. 86 Prozent äußern sich anerkennend über ihren König Juan Carlos I., der ihnen die Demokratie brachte und erhielt.

Dr. Gabriele Hefele, Reinhard Hefele

Dr. Gabriele Hefele - Dr. phil. Gabriele Hefele gewann bereits mit 13 Jahren einen Preis für eine lustige Olympiareportage. Sie schrieb mit 17 ein ...

rss