Jubiläumskonzert für Gerald Wasserfuhr in Hückeswagen am 9.4.2011

Dirigentenjubiläum Gerald Wasserfuhr Hückeswagen - Wolfgang Weitzdörfer
Dirigentenjubiläum Gerald Wasserfuhr Hückeswagen - Wolfgang Weitzdörfer
Gerald Wasserfuhr, Realschullehrer in Hückeswagen, feierte am 9. April 2011 im Forum der Stadt sein 30-jähriges Dirigentenjubiläum mit einem tollen Konzert

Im ausverkauften Forum der Stadt Hückeswagen ließen am Samstagabend etwa 500 Bürger der Schlossstadt „ihren“ Dirigenten hochleben. Was überregional bekannte Künstler, wie etwa der Comedian Jörg Knör nicht einmal ansatzweise hinbekommen, schaffte die Schützenkapelle Wipperfeld, unterstützt von musikalischen Gästen, unter der Leitung von Dirigentenurgestein Gerald Wasserfuhr mit Leichtigkeit: „So schnell war ein Konzert noch nicht ausverkauft“, merkte der hocherfreute und bis in die Haarspitzen motivierte Bandleader an.

Die Hückeswagener hatten im Forum am 9. April richtig Lust auf Musik

Als das Saallicht erlosch, ging ein raunendes, gespanntes „Aaaah“ durchs Publikum, das sichtlich Lust auf das hatte, was sich wenig später darbot. Der „Liberty Bell“-Marsch zeigte auch direkt die Richtung an, die der Abend nehmen sollte. Schließlich lautete das Motto „Musik aus Amerika“. Und so war das nächste Stück dann auch direkt dem Gottvati amerikanischer Unterhaltung gewidmet: die „Disney Fantasy“ ließ Goofy, Donald Duck und Mickey Mouse slapstickartig über die Bühne spazieren, das bekannte „Hey ho, hey ho, wir sind vergnügt und froh...“-Motiv aus Schneewittchen ließ mindestens sieben Zwerge aufmarschieren und andere, aus den zahlreichen Zeichentrick-Filmen von Walt Disney bekannte Melodien markierten einen ersten Höhepunkt, der vom Publikum mit Jubel und rauschendem Applaus gewürdigt wurde.

Der „Type Writer“ Roman Wasserfuhr – grandiose Mimik und Optik

Man legte Wert auf Showelemente, sei es mit den Ansagen oder aber auch den ausgewählten Stücken, bei denen es sich allesamt um wohlbekannte Gassenhauer handelte oder aber um völlig verrückte Arrangements wie etwa dem „Type Writer“, einem Stück für Schreibmaschine. Großartig setzte sich der Sohn des Dirigenten, Roman Wasserfuhr, an einen Schreibtisch am Bühnenrand und hämmerte mit umwerfender Mimik und Gestik den Rhythmus auf der Schreibmaschine mit, perfekt im Takt mit den ungeheuer sicher und sauber aufspielenden Musikern der Blaskapelle. „Ja, dat war doch mal wat anderes, oder?“ rief Dirigent Wasserfuhr spitzbübisch grinsend in sympathisch-hemdsärmeligen bergischen Dialekt ins zu Recht erneut jubelnde Publikum – und freute sich über die wirklich enthusiastischen Reaktionen.

Angestaubtes Klischee abgebürstet – die Blaskapelle kann richtig rocken

Scott Joplins „Entertainer“, ein blitzsauber gespieltes Medley aus den bekanntesten Stücken aus dem „Wizard Of Oz“, der bekannte Jazz Standard „Alexander’s Ragtime Band“ und der mit einem eindrucksvollen Trompetensolo gesegnete Louis Armstrong-Klassiker „What A Wonderful World“ ließen die erste Dreiviertelstunde wie im Flug vergehen – und ganz nebenbei ein Klischee völlig verpuffen: Blaskapelle muss nicht bieder sein, muss nicht langweilige Musik für gesetztere Herrschaften bieten, nein: Blaskapelle kann ordentlich rocken, geht ab wie Schmidts Katze und hat ordentlich Wumms im Soundgewand!

Ein weiteres Betätigungsfeld Wasserfuhrs durfte vor der Pause noch ran

Gerald Wasserfuhr ist in erster Linie Realschullehrer für Musik an der städtischen Realschule Hückeswagen. Dort unterrichtet er aber nicht nur, sondern leitet auch ein Jazz-Orchester. Im „Blow-Up-Orchester der Realschule“ sind allerdings auch einige ehemalige Schüler dabei, die im Anschluss zeigten, dass auch jüngere Musiker einiges zu bieten haben. „It Don’t Mean A Thing“ von Duke Ellington, „Heal The World“ von Michael Jackson oder auch das von Creedence Clearwater Revival und Tina Turner bekannte “Proud Mary” läuteten zusammen mit dem großartig von Renate Wasserfuhr, der Ehefrau des Dirigenten, gesungene “Bad, Bad Leroy Brown” und dem epischen “Highway Cathedral” das Ende des ersten Teils ein.

Etwas Anachronismus tut immer gut – die Original Bergländer Musikanten

Der Abend war ja als 30-jähriges Dirigentenjubiläum geplant – und sollte somit auch einen Rückblick über die Wegstationen von Gerald Wasserfuhr bieten. Und so kamen nach der Umbaupause die „Original Bergländer Musikanten“ zu ihrem Recht, die 1991 von Wasserfuhr und einem Freund gegründet wurden, um volkstümliche Musik anspruchsvoll darzubieten. Das wirkte nun zwar im musikalischen Kontext des restlichen Abends beinahe ein wenig anachronistisch, traf indes aber völlig den Nerv eines Großteils des Publikums. Die „Schützenkönigpolka“, „Urlaub im Bergischen Land“, „Aus Böhmen kommt die Musik“ und ein spontan von Renate Wasserfuhr angestimmtes Geburtstagsständchen für eine Freundin im Publikum ließen ein wenig Musikantenstadl-Atmosphäre aufkommen, taten aber letztlich keinem weh und machten im Rückschau-Kontext durchaus Sinn. Beeindruckend war indes die Tatsache, dass die Musiker am Vortag des Konzerts zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder zusammen geprobt hatten. Dafür spielten sie wirklich enorm sicher und sauber auf. Respekt hierfür!

Dankesworte dürfen beim 30-Jährigen nicht fehlen

Ehe sich die Schützenkappelle dann wieder eher amerikanischen Weisen zuwandte, wurde, dem Anlass gemäß, Gerald Wasserfuhr ganz offiziell der Dank für seinen Einsatz ausgesprochen. „Wenn man weiß, wie ein Verein funktioniert, kann man das auch über 30 Jahre lang erfolgreich machen!“ – und die Unterstützung der Ehefrau wurde auch nicht vergessen und so wurde man trotz der großartigen Stimmung dann doch ein wenig sentimental...

Die Stimmung war hoch – und blieb auch dort...

Dennoch konnte die gute Stimmung letztlich kein Wässerchen trüben und mit dem aus dem Film „Die Brücke am Kwai“ bekannten „Komm doch, mit auf den Underberg“-Marsch, „Take The A-Train“ von Duke Ellington oder dem Neil Diamond- und Tom Jones-Medley „Gentlemen Of Music“ hielt sich das Stimmungslevel auch auf seinem hohen Niveau, ehe mit Bert Kaempferts „Dankeschön“ der offiziell letzte Song angekündigt wurde: „Was kann man besser an dieser Stelle spielen?“ fragte Wasserfuhr rhetorisch und dankte dem wirklich enorm begeisterungsfähigen Publikum damit.

Ohne Zugabe durfte es nicht zum wohlverdienten Kölsch gehen

Doch die Annahme, dass sich das Publikum nach knapp zwei Stunden damit zufrieden geben würde, war eine irrige. Und so wurde der „Stars And Stripes“-Marsch mit der wirklich idealsten Rausschmeißer-Melodie von „Kreuzberger Nächte sind lang“ als Zugabe gespielt – und hätte eigentlich den Platz tauschen müssen mit der zweiten, allerdings sehr sinnig betitelten Dreingabe „Anker gelichtet“ – dem offiziellen Song der US Navy. Da sich langanhaltender Applaus und Standing Ovations anschlossen kann man von einem riesigen Erfolg sprechen, der im Kolpinghaus im Anschluss wohl noch bei dem einen oder andere wohlverdienten Kölsch begossen wurde!

Wolfgang Weitzdörfer, Fotostudio Sabine Winkler

Wolfgang Weitzdörfer - Werdegang Abitur 1996Ausbildung zum Heilerziehungspfleger 1998-2001Berufstätigkeit 2001-20082008 - 2011: Studium BA ...

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