Jüdische Friedhöfe in Wien - eine Spurensuche

Jüdischer Friedhof - Ort der Erinnerung - Stihl024-pixelio.de
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Begräbnisstätten sind ein wichtiger Ort im jüdischen Glauben. In Wien, einst Zentrum jüdischen Lebens, finden sich zahlreiche Spuren. Eine Suche.

In der jüdischen Religion nimmt das Begräbnis der Toten einen sehr hohen Stellenwert ein. Es ist für jeden Verstorbenen verpflichtend und soll so schnell wie möglich nach dem Tod erfolgen. Damit der Leib seine Ruhe findet und wieder auferstehen kann, werden ihm nicht nur krückenartige Hölzer beigelegt, so daß es ihm möglich ist, sich bei der Wiederkunft des Messias zu erheben, sondern es ist auch strikt verboten, das Grab zu schmücken, aufzulösen oder gar später zu überbauen. Eine Feuerbestattung ist ebenfalls vollkommen ausgeschlossen. Trifft ein gläubiger Jude auf eine Beerdigungsprozession, ist er verpflichtet, sich dieser anzuschließen.

Eine der wichtigsten Orte in der jüdischen Religion

In der Hierarchie der heiligen Orte folgt der Friedhof, hebräisch Bet Kevarot, „Ort der Gräber“, gleich nach der Synagoge. Er liegt normalerweise außerhalb der Siedlung, da er von Geistern und Dämonen heimgesucht wird. Wie bei den Christen wurden vormals Verbrecher, Selbstmörder etc. in einer abgesonderten Ecke bestattet, dieses Gebot ist inzwischen (wie auch die Ablehnung von Blumenschmuck) aufgehoben.

Geschichte der jüdischen Friedhöfe in Wien

Der erste bekannte jüdische Friedhof in Wien datiert aus dem Jahre 1244, er hatte bis zu den Pogromen im Gefolge der Pest ab Mitte des 14. Jahrhunderts Bestand, einzelne Grabsteine blieben im Friedhof Seegasse erhalten. Seitdem wurden immer neue Grablegen errichtet, die sich in der Ausstattung im Laufe der Zeit immer mehr dem christlichen Brauch anschlossen, so veränderten sich die Inschriften vom rein Hebräischen über zweisprachige bis hin zu vollständig deutschen Exemplaren. Auch die ornamentale Verzierung nahm zu.

Friedhof in der Seegasse (IX.Bezirk, Seegasse 9-11)

Der Friedhof in der Seegasse ist der älteste erhaltene jüdische Begräbnisort der Stadt. 1629 wird er erstmals urkundlich erwähnt, eine Inschrift stammt aber schon aus dem Jahre 1582. 1784 wurde er stillgelegt, blieb aber bis 1943 erhalten, als ein Großteil der 931 Grabsteine vor der SS in Sicherheit gebracht werden mußte. Nur 280 kamen an ihren alten Standort zurück, 1984 wurde er feierlich wiedereingeweiht.

Besonders interessant neben den vielen Grabstätten ist ein steinerner Fisch, um den sich einige Legenden ranken, dessen Herkunft letztlich aber ungeklärt ist. Angeblich habe er bei seiner Tötung Schma Jisrael geschrien und sei deshalb auf dem Friedhof bestattet worden. Anfahrt: Eingang durch das Pensionistenheim, nicht durchgehend geöffnet, U4 Roßauer Lände, Straßenbahn D (Fürstengasse)

Friedhof in Währing (XVIII. Bezirk, neben dem Währinger Park)

Nach der Schließung des Friedhofs in der Seegasse wurde 1784 dieser Gräberort als Nachfolger eröffnet, er diente genau hundert Jahre bis 1884. Im Zweiten Weltkrieg wurde er teilweise überbaut. Eine Besichtigung des stillen und efeuumrankten Ortes inmitten der Stadt ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Israelitischen Kultusgemeine möglich. Anfahrt: Straßenbahn 37, 38, Autobus 34A

Die israelitischen Abteilungen des Zentralfriedhofs (IX. Bezirk, Simmeringer Hauptstraße), Tor 1 und 5

Die erste Abteilung wurde von 1879 bis 1938 genutzt und war lange recht wildwüchsig und noch immer von Bombenkratern durchsät. Die Grabmale sind durch verschiedene Stile geprägt, unter anderem dem Fin de Siècle/Jugendstil, die Inschriften sind überwiegend deutsch. Hier liegen neben anderen die Schriftsteller Arthur Schnitzler (+1931), Friedrich Torberg (+1979) und der Komponist Karl Goldmark (+1915) begraben. In Gruppe 20 des Zentralfriedhofes befindet sich eine weitere kleine verwahrloste jüdische Abteilung; bei Tor 5 liegt der seit 1917 bestehende Friedhof der Kultusgemeinde. Anfahrt: Straßenbahn 71

In Floridsdorf auf dem nördlichen Donauufer (XXI. Bezirk, Ruthnergasse 24-26, erreichbar mit Autobus 30A, 31A) befindet sich ein weiterer jüdischer Friedhof, der bereits 1879, als Floridsdorf noch nicht zu Wien gehörte, gegründet worden war.

Buchempfehlungen:

  • Christof Habres: Jüdisches Wien - Entdeckungsreisen. Wien: 2011.
  • Julia Kaldori: Jüdisches Wien. Wien: 2007.
  • Michaele Feurstein: Jüdisches Wien. Stadtspaziergänge. Wien: 2001.

Bild: Stihl024-pixelio.de

Benedikt Grimmler, B.Grimmler

Benedikt Grimmler - Jahrgang 1980, Kulturwissenschaftler. Geboren im Frankenwald, seit Jahren am Bodensee. Freut sich über Anregungen und ...

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