Seit dem Jahre 2001 bereichert das Jüdische Museum nun die kulturell-geschichtliche Landschaft Berlins. Doch allein die architektonische Meisterleistung von Daniel Libeskind ist einen Besuch des Kreuzberger Gebäudes wert. "Between the lines" benannte der Künstler den Bau. So zeigt er nicht nur die schwierige deutsch-jüdische Beziehung in all ihren geschichtlichen Facetten, er hinterleuchtet somit auch den Inhalt der Ausstellung.

Architektur und Struktur des Jüdischen Museums

Der Aufbau des Museums gliedert sich in mehrere Eben und Etagen. Winkel und Leerstellen wollen von den Besuchern erkundet werden. Betritt man das Gebäude auf ebenerdigem Geschoss, beginnt die Erkundung des Museums im untersten Teil des Hauses. Vom Altbau geht eine lange Treppe hinab ins Untergeschoss des Neubaus, in welchem sich die spannendsten Ecken verbergen.

Unterirdische Achsen als Verbindung zur Wirklichkeit

Folgt man der "Achse der Kontinuität", ist die erste Station das Rafael Roth Learning Center, in welchem an 20 Computern selbstständig jüdische Kulturgeschichte entdeckt werden kann. Die "Achse des Exils" kreuzt die vorherige Achse, ihr Ende führt zum "Garten des Exils". Zwischen 49 Meter hohen Betonstelen umherwandernd, lässt sich auf dem unebenen Boden, der um zwölf Grad geneigt ist, leicht die Orientierung verlieren. Die dritte Achse führt schließlich zum "Holocaust-Turm". Es ist sprichwörtlich eine Sackgasse: ein dunkler, kalter, betonierter Raum, durch den nur ein Hauch von Tageslicht dringt, lässt wenig Hoffnung auf einen Ausweg zu. Zurück auf der Achse der Kontinuität, führt diese zu einer steilen Treppe in den Neubau. Nach unendlich vielen Stufen beginnt auf der dritten Etage die eigentliche Ausstellung.

Auf den Spuren des Verlorenen, auf dem Weg in die Zukunft

Die Dauerausstellung zeigt in beeindruckender Weise die jüdische Geschichte vom Beginn im tiefsten Mittelalter um 950, bis zur heutigen Zeit, auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern. Die geschichtlich bedingte, ausführliche Darbietung sollte man in ihrer Fülle nicht unterschätzen. Einige Stunden lässt es sich problemlos hier verweilen. Neben Porträts und Zeichnungen, Landkarten und Briefen werden ebenso Alltagsgegenstände und Fotos des jüdischen Lebens präsentiert. Interaktiv gestaltete Medienterminals laden zur eigenen Erkundung und Erforschung ein. Hat man die oberste Etage durchforstet, beginnt der langsame Abstieg. Etage für Etage sammeln sich immer mehr Eindrücke der jüdischen Geschichte und enden schließlich in der "Leerstelle des Gedenkens" im ersten Stock. Hier befindet sich die Installation "Shalechet" des israelischen Künstlers Menashe Kadishman. Übersetzt bedeutet dies "Gefallenes Laub". Mehr als 10.000 Gesichter liegen hier in einem Graben, die den unschuldigen Opfern von Krieg und Gewalt gewidmet sind.

Unerschöpflich - jüdische Geschichte aus einer anderen Perspektive

Neben der Dauerausstellung zeigen wechselnde Sonderausstellungen im Altbau Themen der jüdischen Geschichte oder zeitgenössische Werke jüdischer Künstler. Führungen können zu festen Terminen in beiden Ausstellungen besucht werden. Bis zum 30. Januar ist derzeit die Ausstellung "Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg" zu sehen.

Mehr als ein Museum

Zudem liegt eines der umfangreichsten Archive zum deutschsprachigen Judentum, die wissenschaftliche Spezialbibliothek, in diesem Gebäude. Archiviert sind Bestände des Leo Baeck Institute New York und der Wiener Library. In der neuen Bibliothek hingegen sind den Besuchern aktuelle Werke und historische Literatur zur jüdischen Geschichte zugänglich.

Restaurant Liebermanns

Wer schon immer einmal traditionell jüdische Gerichte essen wollte, ist mit einem Besuch im Restaurant Liebermanns gut beraten. Im Winter speist man in den museumseigenen Räumen, im Sommer kann in den Garten geladen werden.

Weihnachtsmarkt in jüdischer Tradition

Zur Weihnachtszeit findet auch der Chanukka Markt hier statt. Chanukka ist das Lichterfest, das in diesem Jahr am 2. Dezember beginnt. Auf dem Markt gibt es koscheren Glühwein und traditionelle jüdische Spezialitäten. Begleitet wird der Markt von Konzerten, Lesungen und anderen Highlights.