Manchmal fragt man sich wirklich, ob die Menschen wirklich immer wissen, was sie tun. Nicht nur im vorletzten Film von James Dean war dieser Titel maßgebend. Auch zu Jürgen Klopps Entscheidung bei der HMI als Motivationstrainer anzuheuern, gibt es starke Parallelen. Jürgen Klopp, Trainer bei Borussia Dortmund, ist gerade mal 43 Jahre alt und damit schon jung zu Trainerruhm in der Bundesliga gekommen. Sein forsches und jugendliches Auftreten haben ihm viele Sympathien im Kreise aller deutschen Fußballfans eingebracht. Ein wenig Unangepasstheit und Draufgeängertum, so wie James Dean es damals verkörpert hat, strahlt er ebenfalls aus. Er wirkt zwar nicht ganz so rebellisch wie der Filmstar, dafür strahlt er aber Kompetenz und Sachverstand aus, was er bei seinem aktuellen Engagement als Co-Kommentator bei RTL zur Fußball-WM wieder beweisen konnte. Aus Sicht der HMI war es sicher eine gute Wahl, wenn nicht sogar ein echter Coup, diesen Mann als "Motivationstrainer" zu verpflichten.
Klopp für Kaiser - die perfekte Einwechslung
Die HMI, das Kürzel steht für "Hamburg-Mannheimer International", gehört zum Ergo-Konzern, dem drittgrößten Versicherungskonzern in Deutschland. Bis vor Kurzem tratt dieses mehrheitlich der Munich Re gehöherende Konglomerat von Versicherungen mit verschiedenen Sparten noch unter mehreren Namen auf. Im Bereich der Lebensversicherung gab es z.B. die Karstadt-Quelle-Versicherung, die Victoria Versicherung und die Hamburg-Mannheimer. Letztere war es auch, die in den achtziger Jahren Namensgeber der HMI wurde. Vor wenigen Wochen nun wurde im Rahmen der Internationalisierung der Marketingstrategie die Vereinheitlichung der meisten bestehenden Marken unter dem Namen Ergo vollzogen, nur einige wenige behalten vorerst noch ihre Eigenständigkeit. Mit dieser Vereinheitlichung wurde nach fast 40 Jahren auch der berühmte Herr Kaiser in Rente geschickt, eine Werbefigur, die sich wie keine zweite in der deutschen Versicherungswelt etablieren konnte. International nachvollziehbar, weil im Ausland nie eingesetzt und daher völlig unbekannt, trauern in Deutschland nicht wenige dieser starken Identifikationsfigur nach. Sie richtete sich zwar nach außen, sollte sich also direkt beim Verbraucher ins Gedächtnis brennen, aber auch nach innen, gegenüber der Vertriebsmannschaft, war diese Werbefigur ein Zugpferd. Nicht wenige Vertriebsmitarbeiter nahmen es sogar zum Anlass, sich ähnlich wie Günter Kaiser zu kleiden, was allerdings in der Branche auch gerne belächelt wurde. Nachdem diese Identifikationsmöglichkeit jetzt weggefallen ist, hat man mit Jürgen Klopp nach innen einen mehr als gleichwertigen Ersatz gefunden, zumindest bei der HMI-Organisation, die damit in einer Art von stillem Protest möglicherweise auch ein Teil des Managements der eigenen Mutter überrascht haben könnte. Aus Sicht der Ergo-Tochter HMI war Klopp für Kaiser jedenfalls die perfekte Einwechslung.
HMI gilt nach wie vor als Kloppertruppe
Ob sich Jürgen Klopp damit aber einen Gefallen getan hat, ist fraglich. Die HMI ist ein Strukturvertrieb, eine erfolgreiche Vertriebsform im Finanzdienstleistungssektor, die aber seit jeher an ihrem schlechten Image leidet. Die Karrieremöglichkeiten hängen dort zum einen mit der Gewinnung neuer Mitarbeiter, dem Ausbau der eigenen Struktur, unmittelbar zusammen. Egal ob sie sich HMI, AWD, OVB, MLP, DVAG oder sonst wie nennen, die Firmen mit den (meist) drei Buchstaben als Kürzel haben den Ruf, Finanzprodukte an Mitbürger zu verkaufen, die zu teuer und vor allem völlig am Bedarf vorbei empfohlen werden. Da zum anderen nur der Geld verdient und in der Karriereleiter aufsteigt, der möglichst viel verkauft und vor allem Produkte, die hohe Provisionen einbringen, werden die Mitarbeiter solcher Vertriebe oftmals dazu verführt, skrupellos und egoistisch zu agieren. Zur Altersvorsorge werden daher gerne Lebensversicherungen empfohlen, eben teure und provisionsintensive Produkte, die nur selten die besten Wahl aus Sicht des Verbraucher sind. Die einzige Altersvorsorge, die damit sicher aufgebaut wird, ist die des Vermittlers. Auch die Verkaufsmethoden gelten bei solchen Vertrieben bisweilen als rüde und ruppig. Dies belegen zahlreiche Beschwerden bei den Verbraucherzentralen und entsprechende Berichte in den Medien. Daher spricht man im Volksmund bei Strukturvertrieben auch gerne von einer "Kloppertruppe". Vielleicht kam man ja bei der HMI genau aus diesem Grund darauf, ausgerechnet Jürgen Klopp als Motivator zu verpflichten.
Geld ist nicht alles
Möglicherweise war Jürgen Klopp nur etwas gedankenlos, als er sich zu diesem Engagement hinreißen lies. Oder es wurde ihm so viel Geld geboten, dass er seine eigenen Skrupel einfach über Bord geworfen hat. Obwohl man bei Borussia Dortmund mit der Signal-Iduna Versicherung als einem der Hauptsponsoren und gleichzeitigem Wettbewerber der ERGO-Gruppe den Deal wohl abgesprochen hatte, würde es nicht verwundern, wenn sich Jürgen Klopp die Sache nochmals überlegt. Es hagelte Kritik von vielen Seiten für diese Zusammenarbeit. Seine Webseite wurde kurz nach der Bekanntgabe des Deals abgeschaltet, was Zufall sein kann. Wenn er jedoch nur unvorsichtig gehandelt hat und nicht wusste, was er tat, sollte er versuchen, diese Verbindung wieder so schnell wie möglich zu lösen. Alternativ könnte er die Einnahmen daraus auch für einen guten Zweck spenden. Geld ist schließlich nicht alles im Leben. Ansonsten müsste man ihm diese Aktion als lupenreines Eigentor ankreiden.
