Der Name Jürgen von Manger oder auch “Adolf Tegtmeier”, wie seine erfolgreichste Bühnenfigur ja hieß, ist heute untrennbar mit der Stadt Herne verbunden. Geboren wurde der Kabarettist und Schauspieler allerdings gar nicht im Ruhrgebiet, sondern in Koblenz. Im Jahr 1932 zog er als Neunjähriger mit seiner Familie nach Hagen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er zunächst eine Schauspielkarriere und spielte an den verschiedensten Bühnen, unter anderem in Bochum und Gelsenkirchen. Über 17 Jahre übte er hauptsächlich den Schauspielberuf aus, bis ein Überraschungserfolg 1961 ihn zu einem der gefragtesten Kabarettisten Deutschlands machte. 1965 zog Jürgen von Manger nach Herne und lebte dort bis zu seinem Tod im Alter von 71 Jahren.
Unerwarteter Erfolg: Die Figur “Adolf Tegtmeier”
In den 60er Jahren reifte die Figur des Ruhrgebiets-Kleinbürgers “Adolf Tegtmeier” heran, und zwar nachdem Jürgen von Manger in einer Fernsehsendung beim NDR an Silvester 1961 unerwartet erfolgreich mit ihr in Erscheinung getreten war. Das Publikum liebte die Figur des “Adolf Tegtmeier”, die stets mit Kappe und Schnäuzer ausgestattet alltägliche Situationen des typischen Ruhrgebietsbürgers humoristisch analysierte und ganz einfach den “Mann von der Straße” und seine Denkweise darstellte. Dabei benutzte von Manger eine eigene Kunstsprache, die den Ruhrgebietsdialekt darstellen sollte und diesen bis ins Komische zog. Typischer Sätze und Ausdrücke, die Jürgen von Manger während seiner Auftritte benutzte sind zum Beispiel: “Junge, Junge, dat is vielleicht ein Dingen...”, “Mensch bleiben” oder “Also, näh, aber mal ährlich”.
Herne ehrt Jürgen von Manger: “Tegtmeiers Erben”
Jürgen von Manger war ein echtes Bühnenoriginal. Deswegen hat die Stadt Herne anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens im Jahre 1997 von Manger zu Ehren den Preis “Tegtmeiers Erben” ins Leben gerufen. Bemerkenswerterweise ist es deutschlandweit der erste Kleinkunstpreis, der einer einzelnen Persönlichkeit gewidmet ist. Die Schirmherrschaft für die Auszeichnung hat Ruth von Manger, die Witwe des Künstlers übernommen.
Der Preis wird seit 1997 alle zwei Jahre an Nachwuchskabarettisten verliehen, die sich durch besondere Ausstrahlung, Originalität und Wiedererkennungswert auszeichnen und, kurz gesagt, ein genauso großes Bühnenoriginal sind, wie Jürgen von Manger es war. Das heißt allerdings gleichzeitig, dass keine Künstler gesucht werden, die versuchen “Adolf Tegtmeier” zu parodieren.
Die für den Preis Nominierten treten in mehreren Städten mit 15-minütigen Ausschnitten aus ihren Bühnenprogrammen gegeneinander an. Nach jedem Abend können die Zuschauer abstimmen, wen sie am besten fanden. Wer am letzten Abend, der traditionell in den Herner Flottmann-Hallen stattfindet, die meisten Stimmen erhalten hat, darf sich von nun an “Tegtmeiers Erbe” nennen.
Bekannte Gewinner von “Tegtmeiers Erben” sind zum Beispiel Hennes Bender (2001), Hagen Rether (2003), Olaf Schubert (2005) oder Carolin Kebekus (2007). Als Auszeichnung erhielten sie neben 4000 Euro Preisgeld auch eine Tegtmeier-Kappe aus Stoff.
Die Jürgen-von-Manger-Straße
Nicht nur durch den alle zwei Jahre stattfindenden Wettbewerb bleibt der Name Jürgen von Manger auch fast 16 Jahre nach seinem Tod in den Köpfen der Herner Bürger präsent. Denn zusätzlich wurde von der Stadt Herne im Stadtteil Börnig eine ganze Straße nach dem Ausnahme-Kabarettisten benannt.
