In den 1920er Jahren gab es in Deutschland eine breite Jugendbewegung. Ein großer Teil der jungen Menschen war kritisch gegenüber der Weimarer Republik eingestellt und suchte Identifikation, sinnstiftende Elemente und Zusammengehörigkeit. Äußere Kennzeichen wie Halstücher, einheitliche Hemden oder Fahnen waren ebenso verbreitet wie Aufmärsche, Massenfeiern oder Bundestreffen. Diese Sehnsüchte der Jugend machten sich die Nationalsozialisten geschickt zu Eigen. 1926, auf dem 2. Reichsparteitag gegründet, erntete die Hitlerjugend zuerst nur wenig Zuspruch. Lediglich ein Prozent der 4,2 Millionen Jugendlichen, die 1932 in Verbänden organisiert waren, gehörte der HJ an. Das änderte sich mit der Ernennung Baldur von Schirachs zum „Reichsjugendführer“ Ende 1931, der die HJ straff organisierte. Ende 1934 hatte die nationalsozialistische Jugendorganisation bereits 3,5 Millionen Mitglieder. Allerdings hatte die Jugend auch keine Wahl mehr. 1933 wurden alle anderen Jugendorganisationen verboten oder gleichgeschaltet.
Vorbereitung auf den Kriegseinsatz
Das Leben in der Hitlerjugend schien vielen Jugendlichen das zu bieten, was sie sonst nicht hatten: Freiheit von Eltern und Schule, feierliche Aufzüge und Abenteuer. Eine besondere Anziehungskraft übten auch Spezialeinheiten wie Motor-, Marine-, oder Fliegerstaffeln aus. Das braune Hemd verlieh dem Hitlerjungen Ansehen. Nach dem Prinzip „Jeder führt irgendwen“ hatten alle HJ-Mitglieder eine Funktion und konnten sich wichtig fühlen. Dabei dienten alle Veranstaltungen der Ideologisierung, der bedingungslosen Unterordnung und der Vorbereitung auf einen Kriegseinsatz.
Symbole der HJ
Die bekannt gewordene Hymne für die HJ stammt von Reichsjugendführer Baldur von Schirach. Die Fahne genoss im Nationalsozialismus eine besondere kultische Verehrung. Das Jungvolk gelobte bei der Neuaufnahme "allzeit Pflicht zu tun in Liebe und Treue zum Führer und unserer Fahne". Im Nationalsozialismus begann die Indoktrination der Kinder mit Spielzeug und Jugendliteratur. Die Erziehung der Eltern und der Kirche wurden eingeengt, das Schulwesen auf eine "fanatische Nationalbegeisterung" ausgerichtet. Ab 1936 erfolgte der komplette ideologische Umbau des Unterrichts. NS-Symbole und -Rituale prägten den Schulalltag.
„Swing Boy“ und „Edelweißpiraten“
Mit der Zeit empfanden immer mehr Hitlerjungen das HJ-Programm als langweilig und starr. Immer mehr taten nur widerwillig ihren Dienst oder erschienen nicht zu den verordneten Heimatabenden. Teilweise entwickeltet sich sogar Gegenbewegungen, wie die „Swing-Boys“, die „Navajos“ oder die „Edelweißpiraten“. Obwohl unpolitisch, wurden diese Bewegungen von den Nationalsozialisten verfolgt. 1944 wurden zwei Mitglieder des Nürnberger „Freikorps Plärrer“ hingerichtet.
Kindersoldaten
Während des Krieges übernahmen Jungen und Mädchen der HJ viele Dienste. Sie verteilten Propagandamaterial und Lebensmittelkarten, sammelten Geld und Wertstoffe, arbeiteten als Rotkreuz- und Nachrichtenhelfer. Nach den ersten Bombenangriffen wurde die HJ verstärkt zu Aufräum- und Luftschutzaktionen herangezogen. Mit der Zunahme der alliierten Luftangriffe wurden Hitlerjungen als Flakhelfer rekrutiert. Im letzten Kriegsjahr mobilisierten Wehrmachts- und Parteiführung die letzten Reserven. Die aus Halbwüchsigen bestehende Division "Hitlerjugend" wurde 1944 an der Westfront fast vollkommen aufgerieben. Selbst als alles verloren war, sollten Hitlerjungen als "Werwölfe" den Feind noch aus dem Hinterhalt bekämpfen.
