Jugendsprache

Die Sprache als Mittel zur Selbstfindung

Die Jugendsprache wird häufig mit dem Verfall von Recht und Ordnung gleichgesetzt. Doch welcher Antrieb steckt hinter dieser besonderen Form des modernen Sprachgebrauchs?

"Interessante" Formulierungen wie "die Mafiatorte war urstgeil" sind immer öfter auf deutschen Schulhöfen zu vernehmen. In einigen Fällen ist der Sachinhalt der Aussage kaum noch erkennbar. Oder wussten Sie, dass die Pizza sehr gut schmeckte?

Was ist die Jugendsprache?

Als Jugendsprache wird gemeinhin der gängige Umgangston zwischen Teenagern bezeichnet. Dabei sind typische stilistische Merkmale ersichtlich.

Der Großteil des Vokabulars besteht aus Wortneuschöpfungen - sogenannten Neologismen. Diese bedienen sich zumeist aus dem bereits bestehenden Wortschatz. Der Genuss von Spirituosen wird so - ausgehend vom Begriff "Alkohol - als "alken" verstanden. Aber auch unveränderte Wörter gewinnen eine neue Bedeutung. Beispielsweise dient der Begriff "fett" als Synonym für "sehr gut".

Weiterhin basiert eine Vielzahl von Ausdrücken auf Fäkalhumor und Vulgaritäten. Auf diese Weise entstehen anstößige Satzgefüge, welche von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung verpönt werden. Um eine Intensivierung des Gesprochenen zu erreichen, kommen Präfixe (z.B. "urst-", "voll-", oder "übelst-") zum Einsatz. Auch Anglizismen finden Eingang in die deutsche Jugendsprache. Neben dem Klassiker "cool" bedient man sich salopp wirkenden Begriffen wie "chillen" (d. h. entspannen). Desweiteren sollte keine politische Korrektheit in Erwartung stehen. Diskriminierende Begriffe, die zumeist auf körperlich/geistig Geschädigte oder Farbige verweisen, gehören zum alltäglichen Sprachgebrauch und müssen nicht zwangsläufig auf eine Abneigung gegenüber den Genannten hindeuten.

In der Absicht, den einfach strukturierten, elliptischen Satzbau anzureichern, finden letztendlich nicht selten Füllwörter ("ey", "halt") Verwendung.

Warum Jugendsprache?

Selbstverständlich werden derartige Kommunikationsformen nicht von jedem Teenager und zu jeder Zeit verwendet. Vielmehr dient die Jugendsprache in ihren zahlreichen Variationen als Identifikationsmittel. Innerhalb von Gleichaltrigengruppen existieren zumeist spezielle Sprachcharakteristika. Das Individuum, welches eine Gruppenzugehörigkeit anstrebt, übernimmt diese. Die Sprache dient als deutliche Abgrenzung zwischen "mir und meiner Gruppe" und "den anderen". Ebenso Fragen wie Probleme können unter Gleichgesinnten erörtert werden. Das Gefühl, dass man als Mensch akzeptiert und verstanden wird, verheißt eine enorme psychische Stärkung.

Auswirkungen der Jugendsprache auf das korrekte Deutsch sind umstritten. Rohe Ausdrucksweise, Verstümmelung der Satzstruktur, sowie grobe "Verbrechen" an der Grammatik lassen den Sprachliebhaber mit Sicherheit tausend Tode sterben. Doch erwiesenermaßen handelt es sich bei der Jugendsprache in den meisten Fällen lediglich um eine vorrübergehende Erscheinung. Für den Erfolg in Beruf und Leben ist eine gepflegte Kommunikationsfähigkeit unabdinglich. Diese Tatsache vermag den jugendlichen "Sprachbanausen" wahrscheinlich schon bald zu läutern. Außerdem sinkt mit zunehmender Reife das Verlangen, solch bizarre Formulierungen zu verwenden.

Auch vergangene Generationen mögen sich daran erinnern, wie "knorke" es damals war ...

Deswegen sollte die Jugendsprache als Ausdruck der Lebhaftigkeit und Variabilität der deutschen Sprache betrachtet werden. Wär' doch voll cool, oder?

Sascha Müller - Guten Tag, liebe Leser, schön, dass sie sich auf diese Seite verirrt haben. Meine Artikel drehen sich hauptsächlich um das ...

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