Juliet Marillier: Die Erben von Sevenwaters

Die Erben von Sevenwaters - Droemer Knaur
Die Erben von Sevenwaters - Droemer Knaur
Mit „Die Erben von Sevenwaters" führt Marillier ihre auf der irischen Mythologie basierende Sevenwaters-Saga auf ergreifende Art weiter. Eine Rezension.

Eigentlich war die Trilogie um Sevenwaters bereits abgeschlossen. Doch der enorme Erfolg von „Die Tochter der Wälder“, „Der Sohn der Schatten“ und „Das Kind der Stürme“ beflügelte die in Australien wohnhafte neuseeländische Autorin Juliet Marillier zu einer erneuten Trilogie. Mit „Die Erben von Sevenwaters“ ist der erste Band dieser erschienen und entführt einmal mehr auf fantastische Weise ins Irland des 9. Jahrhunderts.

Die Erben von Sevenwater - Geschichte

In Sevenwaters stehen zwei bedeutende Ereignisse bevor. Einerseits soll Deidre, die Zwillingsschwester der häuslichen Clodagh mit einem südlichen Stammesfürsten vermählt werden. Unter den Hochzeitsgästen befinden sich nicht nur der gutaussehende Aidan, der sich sichtlich für Clodagh interessiert, sondern auch dessen Ziehbruder Cathal. Dieser begegnet ihr alles andere als freundlich und doch übt er eine gewisse Faszination auf die drittälteste der sechs Sevenwaters Töchter aus. Nur wenig später kommt die Herrin von Sevenwaters nach einer schwierigen Schwangerschaft mit dem langersehnten Sohn nieder. Clodagh steht ein ruhiges Leben bevor, bis ihr Bruder unter ihrer Aufsicht entführt wird. In seiner Wiege findet sie stattdessen einen Wechselbalg aus Zweigen und Moos, den allerdings nur sie als solches erkennen kann. Daraufhin beschliesst Clodagh sich mit dem Wechselbalg in die Anderswelt aufzumachen und ihren Bruder zurück zu holen. Unterwegs begegnet ihr der geheimnisvolle Cathal, der ihr anbietet sie zu begleiten. Doch kann sie ihm trauen?

Fantasy mit Wurzeln in der keltischen Mythologie

Auch im neuen Band der Sevenwaters-Reihe bleibt Juliet Marillier ihrem Erfolgsrezept treu. Geschickt verknüpft sie Fantasy mit Geschichte und Mythologie Irlands. In „Die Erben von Sevenwaters“ führt sie ihre Protagonistin zum ersten Mal direkt ins Feenreich selbst. Dieses ist aber keineswegs ein bezauberndes Märchenland. Clodagh und Cathal haben etliche Abenteuer zu bestehen um an ihr Ziel zu gelangen. Wobei nicht alle Gefahren auf den ersten Blick als solche zu erkennen sind, was dem Roman einen zusätzlichen Reiz verleiht. Auch das Feenvolk selbst, die Tuatha Dé und allen voran deren Prinz Mac Dara sind keineswegs liebenswürdige Wesen. Diese Tatsache macht den neuen Sevenwaters-Roman zwar fantastischer als die vorgängige Trilogie, lässt sie aber trotz den klaren Wurzeln in Sagen, Legenden und Märchen authentisch erscheinen.

Die Liebesgeschichte eines ungleichen Paars

Sowohl in der Beschreibung der Umgebung, wie auch der zwischenmenschlichen Beziehungen ist es Marillier gelungen eine zauberhaft, detaillierte Atmosphäre zu schaffen. Als Wermutstropfen muss jedoch die sich etwas in die länge ziehende Einleitung angesehen werden. Erst nach einem Drittel des Buches nimmt die Geschichte so richtig ihren Lauf, dann allerdings umso rasanter. Nun beginnt sich neben der eigentlichen Handlung auch die Romanze zwischen der sympathischen Clodagh und dem geheimnisvollen und undurchsichtigen Cathal zu entwickeln. Diese feinfühlige, tiefgründige aber auf ihre Art auch leidenschaftlich geschilderte Liebesgeschichte gibt dem Roman einen romantischen, aber keineswegs kitschigen Touch. Der Kraft der Liebe wird zudem in „Die Erben von Sevenwaters“ ein grosser Stellenwert eingeräumt.

Aussicht auf den nächsten Band

Trotz dem in sich abgeschlossenen Roman, wird dem Leser unweigerlich klar, dass die Geschichte um die Familie von Sevenwaters und den Feenprinzen Mac Dara keineswegs beendet ist. Die Bedrohung ist noch lange nicht gebannt und etliche Fragen bleiben offen. So wird die Erzählung auch mit dem zurzeit erst in englischer Sprache erhältlichen „Seer of Sevenwaters“ weitergeknüpft. Wobei im fünften Band Clodaghs kleine Schwester, die Seherin Sibeal zur Protagonistin und die Handlung auf die Insel Inis Eala verlagert wird.

Fazit zu „Die Erben von Sevenwaters“

Nach einem relativ langen Aufbau überstürzen sich die Ereignisse um Clodagh und Cathal geradezu. Die Erzählweise aus Clodaghs Sicht legt die Identifikation mit ihrem Charakter nahe. Doch auch der undurchschaubare Cathal wirkt durchwegs authentisch. Obwohl anzuraten ist, sich die vorgängige Sevenwaters-Trilogie zuerst zu Gemüte zu führen, ist die der vierte Band auch für Neulinge der Saga verständlich geschrieben. Insbesondere die zweite Hälfte des Romanes trumpft mit Spannung und Gefühlstiefe auf. Allerdings ist anzumerken, dass es der neuen Übersetzerin nicht gänzlich gelingt den zauberhaften Schreibstil Juliet Marilliers zu übertragen. Trotzdem ist „Die Erben von Sevenwaters“ jeden Fan von romantisch angehauchter Fantasy (auch Romantasy genannt) sowie Liebhaber von märchenhaftem und auf der keltischen Mythologie basierenden Geschichten zu empfehlen.

Das Buch:

Juliet Marillier, Die Erben von Sevenwater (Original: Heir to Sevenwaters), Knaur Taschenbuch 2011, Klappenbroschur, 560 Seiten, ISBN: 978-3-426-50890-7, Preis: 14.99 Euro (D)

Sarah A. Friedli, Sarah A. Friedli

Sarah A. Friedli - Kurzvita: Geboren wurde ich 1985 in der Schweiz. Nach der Schulzeit absolvierte ich den Vorkurs für Gestaltung und anschliessend ...

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