
- "Juliregen" - eine Reise ins 19. Jahrhundert - Droemer / Knaur Verlag
Das Münchner Autorenpaar Iny und Elmar Lorentz, das unter dem Pseudonym Iny Lorentz seit Jahren große Erfolge feiert, hat nach den ersten beiden Bänden Dezembersturm und Aprilgewitter mit Juliregen die Ostpreußen-Trilogie um die junge Lore von Trettin abgeschlossen. Noch immer müssen sich Lore und ihre Familie gegen die intriganten Machenschaften ihrer Verwandten wehren und um ihr Glück kämpfen.
Berlin - schon immer eine Faszination
Das 19. Jahrhundert neigt sich seinem Ende - es ist eine Zeit, die viele Veränderungen mit sich bringt: Neue technische Errungenschaften, neuer Modestil, gesellschaftliche Umbrüche. In Berlin, schon damals eine pulsierende und faszinierende Stadt, ist diese Entwicklung besonders spürbar. Hier haben sich Lore und ihr Mann Fridolin mit ihren Kindern niedergelassen und es scheint, als sollten sie hier endlich zur Ruhe kommen und ein friedliches Leben führen.
Neues Gut, neues Glück
Fridolin hat als Teilhaber eines Bankhauses ein gutes Einkommen, die Familie kann ein komfortables Leben führen und gilt als Teil der besseren Gesellschaft in Berlin. Als der Betrug eines Kreditnehmers bekannt wird und dessen Landgut in der Nähe von Bremen kurz vor der Versteigerung steht, was für Fridolins Bank ein herber Verlust wäre, beschließen Lore und Fridolin, das Anwesen selbst zu übernehmen, um es wieder zu wirtschaftlichem Erfolg zu führen und um einen eigenen Landsitz zu haben.
Dunkle Wolken am Horizont
Voller Elan stürzen sich Lore und Fridolin sowie deren junge Freundin Nathalia, deren Vormund sie sind, in die Arbeit und schließen vor Ort auch bald erste nachbarschaftliche Freundschaften. Alles könnte zu ihrer Zufriedenheit verlaufen, wären da nicht noch immer die Verwandten Ottwald und Malwine, die Lore und ihrer Familie kaum die Luft zum Atmen gönnen. Als Ottwald in finanzielle Nöte gerät und daraufhin Fridolin schröpfen will, wird der Hass aufs Neue entfacht, denn Fridolin weist seinen unverschämten Verwandten brüsk zurück. Von Neid und Hass zerfressen, setzen Ottwald und seine Mutter alles daran, Lore und ihre Familie zu vernichten. Wird ihr Plan aufgehen?
Wie eine Reise nach Berlin und aufs Land
Wieder einmal schafft es Iny Lorentz, ihre Leser zu entführen - sowohl an andere Orte als auch in eine andere Zeit. Der Leser findet sofort einen Zugang zum Geschehen und zu den Figuren und befindet sich von Anfang an mitten in der Geschichte. Eine Anlaufzeit braucht der Leser ähnlich wie bei den anderen Romanen der Autorin auch bei Juliregen nicht. Die Autorin erzählt flüssig und zeichnet ein gut recherchiertes und lebendiges Bild der Berliner Gesellschaft und des Lebens der Adligen auf ihren Landgütern.
Starke Frauen und bewegende Schicksale
Auch die Figuren sind recht gut gelungen, allen voran Lore von Trettin, deren Schicksal treue Leser in den beiden vorherigen Bänden bereits mitverfolgt haben. Lore ist einerseits eine starke Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt, andererseits ist sie sich aber auch der gesellschaftlichen Konventionen bewusst, denen sie unterliegt. Auch ist sie eine liebende Ehefrau, für die Emanzipation und die Ehe keinen Widerspruch darstellen. Bei ihrer Freundin, der jungen Komtess Nathalia, sieht es anders aus. Diese Figur wirkt recht einseitig: Jung, hübsch und reich, scheint das Leben für die junge Frau ein einziges Spiel zu sein, dessen Regeln allein sie bestimmt. Nathalia soll wohl ein liebenswerter und unkonventioneller Wildfang sein, wirkt aber tatsächlich nicht durchgehend sympathisch, sondern oftmals rechthaberisch und verwöhnt.
Juliregen macht Spaß
Mit Juliregen ist Iny Lorentz ein schöner und opulenter Abschluss ihrer großen Ostpreußen-Saga gelungen. Wie immer schreibt sie mitreißend und erzählt eine spannende Geschichte vor einer interessanten historischen Kulisse. Wer noch die passende Lektüre für den Urlaub sucht, liegt mit Juliregen genau richtig - idealerweise nach der Lektüre der nicht weniger spannenden Romane Dezembersturm und Aprilgewitter.
Leseempfehlung: Lorentz, Iny: Juliregen. Knaur 2011. 704 Seiten. 9,99 Euro.
Bildnachweis: © Droemer / Knaur Verlag.
Ein herzliches Dankeschön geht an den Droemer / Knaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
