Julius Krohn und die folkloristische Arbeitsmethode

Der Finne Arne Krohn führte die Forschungen seines Vaters Julius Krohn fort. Die folkloristische Arbeitsmethode wird häufig in der Ethnologie verwendet.

Die folkloristische Arbeitsmethode wurde von Julius Krohn begründet und von nordischen Forschern sowie seinem Sohn Kaarle weitergeführt.

Julius Krohn - Ausbildung und Studium

Julius Krohn wurde 1835 geboren. Seine Mutter leitete eine Volksschule und brachte ihm auch Deutschkenntnisse bei, weiter erhielt er Russisch-, Schwedisch- und Französischunterricht, Finnisch wurde von der einfachen Bevölkerung gesprochen. 1848 besuchte er des Gymnasium, die nationale Bewegung war zu diesem Zeitpunkt gerade auf dem Höhepunkt. Das Interesse Krohns am Finnischen erwachte, er versuchte, ein Verzeichnis schwer verständlicher Wörter der Kalevala zusammenzustellen. Später studierte er in Helsingfors Schwedisch als Hauptsprache.

In seinem späteren Arztberuf versuchte er, sein Interesse zum Finnischen mit der Medizin zu verbinden, indem er ein chemisches Lehrwerk ins Finnische übersetzte. Außerdem studierte er auch Geschichte. Zu Übungszwecken übertrug er finnische Volksmärchen ins Schwedische und zurück, er schrieb seine Aufsätze aus Prinzip auf finnisch, sein erstes finnisches Gedicht schrieb er 1856. 1858 gründete er mit 11 anderen Studenten die erste finnische Volksschule in Helsingfors. Dort und in anderen Schulen erteilte er unentgeltlich Finnischunterricht. Seine Dissertation handelte von der finnischen Dichtung zur Zeit der schwedischen Herrschaft.

Julius Krohn - Schaffen

Mit Emma Nyberg gründete er ein finnisches Heim mit finnischer Schulerziehung für die Kinder. Er war Herausgeber von finnischen Blättern 1864-66 und 1873-80, zudem übersetzte er einige Romane von Walter Scott, um die gebildeten Kreise an finnische Literatur zu gewöhnen. Aus demselben Grund übertrug er Andersens Märchen ins Finnische und kümmerte sich um die Erneuerung eines finnischen kirchlichen Gesangbuches. 1874-75 hielt er Vorlesungen über finnische Literatur, 1885 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt.

Er schrieb eine finnische Syntax und hatte nicht nur an der Sprache, sondern auch an der Literaturgeschichte reges Interesse. Es folgte eine Anthologie über finnische Dichtung und ein Aufsatz über bäuerliche Poesie. Aufsätze über finnische Mythologie und mittelalterliche Volksdichtung wurden erst nach seinem Tod herausgegeben. Er thematisierte ausführlich die Kalevala und untersuchte unterschiedliche Fassungen und Motive. Er suchte auch in anderen Volksliteraturen, wobei aber nur ursprüngliche Formen miteinander verglichen werden konnten. Ausgereifte und überlieferte Fassungen taugen für einen Vergleich nicht. Rr stellte fest, dass die Variationen geographisch begrenzt waren. Durch dieses Verfahren kann man die ursprünglichen Bestandteile von den später dazugekommenen unterscheiden.

Geographische Methode

Krohn entwickelte die geographische Methode zuerst anhand von Tiermärchen. Die Methode wurde später von seinem ältesten Sohn Kaarle weitergeführt. Dass der Entstehungsort der Methode Finnland ist, liegt in dem reichhaltigen Liederstoff. Zwar haben oft die Ortsangaben gefehlt, aber durch genaue Untersuchung der Manuskripte und Vergleiche von Aufzeichnungen aus derselben Gegend ließen sie sich eingrenzen.

Er galt als erster finnischer Dichter und Schriftsteller und begründete das erste finnische Volksblatt. Die Verordnung von 1850 verbot Literatur in finnischer Schrift, davon ausgenommen waren nur religiöse und landwirtschaftliche Schriften. Die Tätigkeit der finnischen Literaturgesellschaft wurde eingeschränkt und nahm keine Frauen, keine Bauern, keine Handwerker und keine Studenten mehr auf. Umgangssprache war früher in allen Ständen zu finden, es kristallisierte sich das Finnentum als Nationalidee heraus - mit dem Finnischen auch als Literatursprache.

Quellen

Krohn, J.: Die folkloristische Arbeitsmethode. Oslo, 1926.

Pöge-Alder, K.: "Märchen" als mündlich tradierte Erzählungen des "Volkes"? Frankfurt am Main, 1994.

Sonja Pähl, Foto Brinke

Sonja Pähl - Kontakt: sonja.paehl(at)web.de

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