Junge Buben mußten während des Nationalsozialismus ab 14 Jahren in die HJ (Hitlerjugend) eintreten. Zuvor waren sie ab 9 Jahren Mitglied des Deutschen Jungvolks. Ideologischer Grundsatz der Erziehung in der HJ war die "Erziehung zum Aktivismus", was die jungen Männer heranführen sollte, möglichst viele Aufgaben übernehmen zu wollen. Um den Aktivismus mit jugendlicher Dynamik zu verknüpfen, sollte er stets mit kämpferischem Gedanken behaftet sein. Dazu gehörte nicht zuletzt der Glaube an die Unbesiegbarkeit, womit man wiederum eine Überlegenheit und ein enormes Selbstbewußtsein der Jungen, auch untereinander erziehlen wollte. Das Ziel dieser ideologischen Erziehung war natürlich die Vorbereitung auf den Kriegsdienst.
Disziplin
Die wichtigsten Erziehungsmethoden, noch stärker als bei den Mädchen, waren vorranging an Disziplin gebunden. So konnte für Jungen schneller ein Disziplinarverfahren angesetzt werden. Das Disziplinarrecht der HJ enthielt beispielsweise Vorschriften wie "Befehle sind ohne Wenn und Aber durchzuführen, Disziplin und Ordnung sind nationalsozialistische Grundtugenden" oder "Fahrten ohne Uniformen auch als Einzelwanderer sind unzulässig". Auch sollte der Haarschnitt stets kurz sein, Trampen und Rauchen war grundsätzlich verboten. Ein weiteres Beispiel der Disziplin sind die verschiedenen Einheiten und Dienste, die nur zur militärischen Kriegsvorbereitung dienen sollten. In der Motor-HJ, der Nachrichten-HJ oder der Marine-HJ züchtete man den Wehrmachtnachwuchs heran. Auch der HJ-Landdienst oder Ernteeinsätze sowie die Teilnahme an Propagandaveranstaltungen der Partei dienten der Disziplinierung.
Leibeserziehung
Um die Jungen sportlich herauszufordern, lockte die NS-Führerschaft mit der Möglichkeit, Leistungsabzeichen in Gold, Silber und Bronze zu erhalten. Die Wettkämpfe zur Erlangung dieser Abzeichen untergliederte sich jeweils in örtliche, Gauwettkämpfe, Bannwettkämpfe usw. bis zum Reichssieger. Im Vordergrund der Körperertüchtigungen stand die Rassenideologie, denn der gesunde Körper sollte in Augen der Nazis die Voraussetzung für die edle Rasse sein. Derartige Körperertüchtigungen waren beispielsweise Sprung-, Lauf- und Wurftraining, Tarnen und Anschleichen, Schießübungen; später, um militärwirklicher zu werden, militärische Ordnungsübungen, Marschdienste von Einheiten, Antreten, Exerzierübungen und Appelle.
Fahrten und Lager
Auch bei gemeinsamen Fahrten und Lagerausflügen (später Wehrertüchtigungslagern) läßt sich der Bezug zum Militär deutlich darstellen. Vorrangig waren gelände- und wehrsportliche Ausbildung (Karte, Kompaß, Entfernungsschätzen, Zielerkennen, Geländelauf). Das Singen, der Flaggenappell und das Lagerfeuer dienten der Auflockerung.
Heimabende
Ein Drittel der gesamten Erziehungsarbeit diente der weltanschaulichen Erziehung und wurde in den sogenannten Heimabenden geleistet. Die Themen wurden für die jeweiligen Gruppen in Schulungsmappen zentral von der Reichsjugendführung vorgeschrieben und umfassten ausschließlich deutsche Themen, wie germanische Götter- und Heldensagen, Legenden der deutschen Geschichte, die Geschichte der NS-Bewegung, Rassenkunde, Grenz- und Auslandsdeutschtum, allgemeines Lesen und Theaterarbeit. Dabei gliederten sich die Themen in Kulturarbeit und Musik (Chöre, Musikzüge, Lieder, Spielscharen). Schließlich wurde die Verblendung der Jugend durch die Pressearbeit vertieft, nämlich mittels spezieller Jugendradiosendungen und Zeitungen.
Einflußmöglichkeiten des Elternhauses
Die HJ versuchte durch Heranbildung eines bestimmten Selbstbewußtseins, die Jugendlichen für sich zu gewinnen. Meinungsverschiedenheiten zwischen Eltern und Kindern waren häufig möglich, zumal die HJ den Freizeitbereich der Jugendlichen beeinträchtigte. Man versuchte daher die Eltern durch spezielle Radiosendungen und HJ-Elternabende zu beeinflussen. Um Einflußmöglichkeiten von Eltern gänzlich auszuschalten, ergab sich die Möglichkeit der Kinderlandverschickung. Dort waren die Jugendlichen in einem Lager, das nur unter Einfuß der HJ und der Schule stand. Für elterliche Kontakte blieb wenig Zeit. Die offizielle Einwirkung der Eltern auf die Jugendlichen war also völlig erschöpft, lediglich im engen Familienkreis blieb die Möglichkeit einer eigenständigen, NS unabhängigen Erziehung.
