Jurastudium – graue Haare, leeres Konto und Hartz 4?

leidgeplagter Student - Markus Jürgens
leidgeplagter Student - Markus Jürgens
Lange Zeit galt der Beruf des Rechtsanwalts als Quelle von Wohlstand und Ansehen. Der Alltag eines Normaljuristen sieht aber anders aus.

Noch immer erfreut sich das Jurastudium ungebrochener Beliebtheit. Zahlreiche Studenten schreiben sich an den Unis ein, um später einmal den scheinbar profitablen Juristenberuf zu ergreifen. Gerade die scheinbar endlose Bandbreite an beruflichen Optionen war für Abiturienten von jeher ein gutes Argument, Jurist zu werden.

Kürzlich wurde bekannt, dass der Großteil der Junganwälte als Kanzleiangestellte nach langjährigem Studium und zwei Abschlussprüfungen als Einstiegsgehalt noch weniger bezieht als ein Rechtsanwalts- und Notargehilfehttp://www.karriere.de/beruf/jura-das-praedikatsexamen-erleichtert-die-jobsuche-8049/. Zeit, einen ungeschönten Blick auf das Juristendasein zu werfen.

Langes, arbeitsaufwendiges Studium

Das Jurastudium ist vom ersten Semester an mit viel Arbeit verbunden. Der Umfang des prüfungsrelevanten Stoffes ist schon im ersten Semester so groß, dass ein Vollzeitstudium nahezu unausweichlich ist. Die Semesterferien sind mit Praktika und Hausarbeiten belegt. Die Durchfallquoten bei Klausuren und Hausarbeiten in den Pflichtfächern sind recht hoch.

Kastengesellschaft unter Volljuristen

Unter den Volljuristen gibt es ein Dreikastensystem. Ganz oben steht das Fünftel der Prädikatsjuristen. Diese Menschen haben bei Staatsexamina mit Vollbefriedigend oder besser abgeschlossen. Zudem verfügen sie desöfteren über einen ausländischen Zusatztitel und/oder eine Promotion. Ist man so gut ausgerüstet, kann man sich berechtigte Hoffnungen auf eine Stelle als Staatsanwalt, Richter, Syndikus oder Großkanzlist machen. Großkanzlisen verdienen häufig über 100.000 Euro pro Jahr. Erreicht man das Ziel der Prädikatsexamina, so hat sich das Jurastudium zweifellos gelohnt.

Im Mittelfeld der Assessoren

Assessoren mit zwei befriedigenden Examina oder mindestens einem vollbefriedigend dürfen sich Hoffnungen auf eine Tätigkeit im höheren Verwaltungsdienst machen. Jedoch ist für sie eine wirklich profitable Karriere und die Chance auf nahezu jede Juristenstelle vorbei. Lukrative Jobs in der Verwaltung oder bei einigen Firmen sind jedoch "drin". Ergattert man nach dem Studium einen solchen Job, so kann man sich alles in allem sagen, alles richtig gemacht zu haben.

Die graue Masse

Der Löwenanteil der Volljuristen besteht hingegen aus Assessoren, die mit der Note ausreichend ihren Abschluss geschafft haben. Hier bietet die Einzelkämpferkanzlei meist den einzigen möglichen Weg ins Berufsleben. Die Stellenanzeigen der Unternehmen stellen für diese Leute meist unüberwindbare Hürden dar. Nicht selten sind Volljuristen fachfremd bei Leiharbeitsfirmen angestellt, leben von ALG2 oder fahren nebenbei Taxi. Auch rekrutiert die Lufthansa unter Volljuristen Flugbegleiter. Verläuft die Karriere derart, hat sich das Studium zumindest finanziell nicht gelohnt. Zur Zeit sind in Deutschland rund 153.000 Rechtsanwäte zugelassen. Dahinter steht jedoch noch eine stille Reserve Arbeitsloser, die lieber den "Spatz in der Hand" Hartz 4 als die "Taube auf dem Dach" Anwaltskanzlei wählen.

Die Tatsache, dass es für Rechtsanwälte keine Höchstaltersgrenze gibt, verschärft das Problem noch und lässt ein Ende der Juristenschwemme nicht absehbar sein.

Quellen: Bundesrechtsanwaltskammer, Bundesagentur für Arbeit

Markus Jürgens, Markus Jürgens

Markus Jürgens - Ich bin 33 Jahre alt und studierter Rechtsphilosoph und Rechtshistoriker. Ich treibe gern Sport und bin am Tagesgeschehen interessiert. ...

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