
- Um Ideen bemüht - Schauspiel Essen - Stahlkocher
Dass Theater sehr viel mehr sein kann, als der Versuch bekanntes Material mit möglichst prominenten Namen in die Spielpläne zu bekommen, ist eine Erkenntnis, welche nicht zu unterschätzen ist. Entsprechend lobenswert ist auch das Projekt der Essener Schauspiels, im April 2012 jungen Autoren die Möglichkeit zu geben, noch nicht uraufgeführte Stücke einer Jury präsentieren zu können. Bis zum Ende der Einsendefrist Mitte September letzten Jahres kamen dabei nach Aussagen des Schauspiels Essen über 150 Einreichungen zusammen. Der Aufruf war im Frühjahr des vergangenen Jahres ergangen.
Auswahl in zwei Zügen
Selbstverständlich können nicht alle diese Stücke der Jury dargeboten werden, weshalb die Dramaturgie des Schauspiels Essen aktuell acht Stücke auswählt, welche vom 13. - 15. April in szenischer Lesung der Jury und einem Publikum dargeboten werden sollen. Der Autor des siegenden Stückes erhält dabei ein Preisgeld in Höhe von 5000€, welches von der Kulturstiftung Essen zur Verfügung wird.
Wie das Schauspiel dieser Tage bekannt gab, wird die Jury aus fünf Personen des aktuellen Theaterlebens in Deutschland bestehen. Entscheidungsberechtigt ist zuerst einmal Hans-Jürgen Drescher, Leiter der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg und langjähriger Leiter des Suhrkamp Theater- und Medienverlags Berlin, weiter Stefan Keim, welcher sich vor allem als Theaterjournalist beim WDR einen Namen machte, aber auch Beiträge für die Frankfurter Rundschau und Welt am Sonntag publizierte. Zudem wird der Dramatiker Phillip Löhle als Juror tätig sein. Löhle war in der Spielzeit 2008/2009 am Maxim Gorki Theater als Hausautor tätig und ist international durch verschiedene Inszenierungen bekannt. Ebenso vom Maxim Gorki Theater berufen ist der Intendant Armin Petras, welcher das Theater jedoch bald verlässt, um die Intendanz am Schauspiel Stuttgart zu übernehmen. Aus eigenem Hause schickt das Schauspiel Vera Ring, die Chefdramaturgin, in das Auswahlkomitee.
Theaterförderung gegen Stagnation
Ob und welchen Anklang das Projekt in der Öffentlichkeit und vor allem beim Publikum finden wird, bleibt weiterhin abzuwarten. Die Theater in Essen, welche nicht erst seit den massiven Kürzungen während des Kulturhauptstadtjahres 2010 um ihr Überleben bangen, können jede produktive und innovative Idee gebrauchen, um ein breiteres Publikum zu erreichen und somit gegen gähnend leere Auditorien vorzugehen.
Im Juni des Jahres 2010 waren in verschiedenen Städten in Nordrhein-Westfalen Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die massiven Kürzungen in den Kulturetats zu kämpfen – freilich ohne große Folgen für die Sparpläne. Das Ruhrgebiet mit seiner heterogenen Bevölkerungsstruktur, die die volle Auslastung von Sparten schwer ermöglicht, ist entsprechend auf neue Ideen angewiesen, um den Kulturbetrieb am Leben zu erhalten. Ob die Autorentage einen Teil dazu beitragen können, wird sich im April zeigen.
