Viel Neues im K21, dem Gegenwartskunst-Ableger der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf: Ab 14. Juni 2012 sind die beiden neuen Künstlerräume mit Hans-Peter Feldmann und Alicja Kwade geöffnet, und am Samstag, 16. Juni 2012, eröffnet Thomas Schüttes "Wattwanderung". Bis 16. September 2012 gibt es zudem im Untergeschoss Teil 3 der Übersicht über die K21-Sammlung: "Big Picture (Szenen/Figuren)", die beides klar in den Schatten stellt.

Hans-Peter Feldmann im K21: Schatten-Kabinett

Hans-Peter Feldmann ist mit seinen ironischen, witzigen und kitschigen Werken immer ein Hingucker, in Duisburg zum Beispiel mit dem schweinchenrosa David (siehe Foto unten). Die Arbeit im K21 ist zur Abwechslung gar nicht spektakulär, ja sogar ungewohnt verhalten: ein "Schattenspiel", das sich auf das Höhlengleichnis Platons beziehen soll - und eine Arbeit, die der Schweizer Kunstalker ebenso exzellent wie bissig rezensiert.

Im zweiten Teil seines Künstlerraumes treibt er die Sammlerlust, die schon eine wichtige Rolle im Schattenspiel spielt, auf die Spitze: In Vitrinen werden Fundsachen, Kostbares und Nutzloses ausgestellt, die Wand zieren Reihen goldberahmter "alte Schinken", nicht minder kitschige Ölgemälde.

Alicja Kwade im K21: Ästhetik der Bordsteinjuwelen

Ein Sammler von Alltäglichkeiten ist auch die im Kunstmarkt steil aufstrebende Alicja Kwade, eine junge Künstlerin polnischer Herkunft aus Berlin. Sie ist mit den zwei hübschen, auf den ersten Blick etwas phantasielos wirkende Installationen "Bordsteinjuwelen (Die 100 Auserwählten)" und "Teleportation" im Ständehaus dabei (siehe Fotos unten). Dabei überraschen aber die Bordsteinjuwelen, von der Straße aufgelesene Steinchen, die mit Diamantschliff versehen wurden, geben sie der ansonsten leeren Kammer im K21 doch tatsächlich eine edle, glitzernde Schönheit (die auf den Fotos unten überhaupt nicht wiedergegeben wird).

Kindergartentaugliche Quantentheorie: Alicja Kwades Teleportation

Auch Kwades "Teleportation" hat auf den ersten Blick "Etwas": Schreibtischlampen im Raum verteilt, teilweise hinter Glasscheiben. Sie gehen an und aus - je nachdem, wo sich der Besucher aufhält. Doch etwas stimmt nicht, nur was? (Genau auf die Fotos schauen! Auflösung unten.)

Vielleicht wäre diese Konstruktion im leeren Raum - wenngleich banal - einfach nur schön. Aber Kwade hat sich zudem dem Trend, Kunst mit möglichst abstrakter und komplexer Wissenschaftstheorie und Physik zu hinterlegen, verschrieben.

"Teleportation" bezieht sich wie zum Beispiel die "Parallelwelten"-Werke von Alicja Kwade auf die "Parallelwelten-Theorie der Quantenmechanik. Diese besagt, dass zu jedem Teilchen ein gegensätzlich geladenes Gegen-Teilchen existiert" (Zitat K21-Promotion-Postkarte). Kwade bezieht sich also dabei auf quantentheoretische Annahmen, allerdings mit großer künstlerischer, um nicht zu sagen: populärwissenschaftlicher Freiheit und ohne deren wissenschaftliche Komplexität tatsächlich zu verarbeiten. Sollen ihre Werke Metaphern oder Erläuterungen der quantentheoretischen Konzepte sein? Jedenfalls ist das Niveau durchaus kindergartentauglich.

Etwas mehr Esprit im Geist von "749,766 kg bis zum Anfang" wäre - gerade in der K21-Nachbarschaft, in der Kwade sich jetzt wiederfindet - nicht schlecht gewesen.

Big Picture III: Großes Drama

Doch die neuen Ausstellungsräume werden im Untergeschoss durch den dritten Teil der Übersicht der K21-Sammlung großformatiger Rauminstallationen in den Schatten gestellt: In "Big Picture (Szenen/Figuren)" beschäftigen sich unter anderem Videos von Vito Acconci und Paul McCarthy mit Rollen(spiel), Identität und Selbst.

Infos zu den Künstlerräumen von Hans-Peter Feldmann und Alicja Kwade im K21

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K21 Ständehaus: Ständehausstraße 1, Düsseldorf. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10.00-18.00 Uhr, samstags, sonntags, feiertags 11.00-18.00 Uhr, montags geschlossen. Eintrittspreise: 8,00 EUR, Kombiticket 13,00 EUR für K20, K21, Schmelahaus. Mehr Infos zum K21.

Tipp: Big Picture III (Szenen/Figuren) vom 14.04.2012 - 27.01.2013. Laufzeit Thomas Schütte "Wattwanderung": 16. Juni 2012 bis 9. September 2012. Sonntag, 1. Juli 2012, K21-Thementag für die ganze Familie zur Wattwanderung.

Mehr zu Hans-Peter Feldmann in artnet, Medienkunstnetz, Kunstaspekte. Ein schönes postpostmodernes Interview mit Kwade gibt's bei StilinBerlin, ihre wichtigsten Werke auf der Homepage. (Und bei Teleportation stimmt tatsächlich nicht, dass nur zwei der Lampen an der Stromsteckdose hängen - die Netzstecker der anderen liegen lose im Raum. Fernwirkung udn Quzantenmechanik sei Dank.)