Kabale und Liebe

Friedrich Schiller im Deutschen Schauspielhaus

Ein oft gespielter Klassiker in einem sprachlich und darstellerisch neuem Gewandt - leider oft überzogen.

Es ist eine alte Geschichte, die von vielen Schriftstellern in zahllosen Variationen geschrieben und von noch mehr Regisseuren in Filmen oder Theaterstücken umgeschrieben oder umgesetzt wurde, zwei zumeist junge Menschen verlieben sich ineinander und missachten dabei die Regeln von Herkunft und Stand, Geld und Macht, folgen natürlicherweise ihren Gefühlen und geraten in dieser naiven Ansicht von Welt und Wirklichkeit in ein Netz aus Intrigen (Kabale - ursprünglich aus dem Jüdischen), Lügen, Betrug und Verzweiflung, aus denen die Liebe sie im Traum, eben aber nicht in der Wirklichkeit befreien kann und es somit unabänderlich zu einer Selbsttötung kommt, verkannt als ein Weg der Zusammenführung, oft auch nur als scheinbar letzter Ausweg, um das zu retten, was in seiner Reinheit nur mit aller Konsequenz zu retten ist.

Reduktion beim Bühnenbild kombiniert mit Umgangssprache

So auch bei diesem Stück von Friedrich Schiller, das bereits im September 2008 seine Premiere im Deutschen Schauspielhaus hatte und bei dem Dusan David Parizek Regie führte und für die Bühne verantwortlich zeichnet. Eben diese Bühne wirkte durch Sparsamkeit, zu sehen nur eine Seite eines rechtwinkligen Raumes, die gesamte Bühne an zwei Seiten begrenzend, die dafür mehr in den Zuschauerraum hineinragte, um vielleicht auch die Distanz “alter” Stücke zum heutigen Publikum zu nehmen. Das sollten offenbar auch die sprachlichen Änderungen oder komödiantischen Einschübe, die gerade beim Hauptdarsteller Aleksandar Radenkovic (Ferdinand) häufig aufgesetzt wirkten und übertrieben wurden und dessen schauspielerische Gesamtleistung damit entweder nicht zu Hochform geraten konnte oder vielleicht auch, ebenso wie die mehrheitlich für Inhalt und Interpretation unbedeutende, alles erschlagende Nacktheit, mit der offenbar Modernität und Lockerheit gemeint gewesen sein kann, die Qualität des schauspielerischen Könnens womöglich aber auch nur überdeckte oder überdecken sollte.

Die Leistungen der Darsteller

Dagegen überzeugen Michael Prelle in der Rolle des Vaters der Luise (Miller) mit sehr guten darstellerischen Möglichkeiten, Authentizität und Ausstrahlung, Präsident von Walter (Lukas Holzhausen) mit einer zwar wenig einer Autorität nahen Vertrautheit zum Personal, dafür aber einen fast lieblichen Humor oder auch die gute Darstellung der Lady Milford (Ute Hannig). Luises Spiel (Julia Nachtmann) war gutes Handwerk, dafür wenig mitreißend. In den meisten zum Komischen veränderten Szenen wäre sicherlich weniger besser gewesen, handelt es sich nicht um den Quatsch-Comedy-Club.

Junges Publikum

Alles in allem aber wurde die Schwierigkeit, auf einer faktisch ohne Bühnenbild und Hilfsmitteln stattfindenden Darstellung, die die Zuschauer noch mehr auf die Personen konzentrierte, sehenswert und offenbar gerade für Schülerinnen und Schüler ein Einstieg in die Literatur- und Theaterwelt der “alten” Meister, denn das fast ausverkaufte Schauspielhaus war wohltuend jung gefüllt. Siehe auch Rubrik Theater.

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

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