Kabarettlegende DISTEL: "Sechs and the city - die Berlin-Revue"

Sechs and the city des Ensemble-Kabaretts DISTEL - Foto: Marcus Lieberenz
Sechs and the city des Ensemble-Kabaretts DISTEL - Foto: Marcus Lieberenz
Deutschlands größtes Ensemble-Cabaret, die DISTEL Berlin Friedrichstraße, trumpft mit einem Programmhighlight: „Sechs and the city - die Berlin-Revue" auf.

Die Neuauflage gibt’s ab 21. Februar bis 23. April 2011. Wer kann – unbedingt hingehen! Denn „Sechs and the city“ ist ein mörderisches Vergnügen. Da werden gleich mehrere Zeitreisen veranstaltet – mit der streng unter Verschluss gehaltenen (der Buchhalter sitzt drauf!) Zeitmaschine. Das letzte brisante, geheime DDR-Projekt mit dem Siegel „Top Secret“. Eine Journalistin gemeinsam mit dem Pressereferenten enteckt das Ding zwischen den Bürokraten-Mittagspausen auf der Suche nach einem neuen Gedenktag zu, ja, Klaus Wowereits Amtsjubiläum. (Bühnenprogramm …) Was läge näher, als die Zeitmaschine zu benutzen. Schließlich will man ja nicht dem berühmtesten Mauerpinkler ein Denkmal setzen.

DISTEL Berlin: „Sechs and the city - die Berlin-Revue"

Und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Man landet im Berlin zu Zeiten Napoleons; am selben Ort vor der Stadtgründung; man trifft den alten Buchhalter zur DDR-Zeit – involviert in das Geheimprojekt „Zeitmaschine“. Was bleibt? Die typische Berliner Schnauze, kein Blatt vor den Mund nehmend, gepaart mit zum Schießen komischen Ulksituationen, die durchaus Bezug zur heutigen Zeit haben. Auch in die Zukunft Berlins geht’s: Da trifft man zur Mitte unseres Jahrtausends einen, ach was, arbeitslosen Schauspieler, der auf der Parkbank übernachtet. Mit einer Zeitung zugedeckt. Ohne über die Biografien der famosen Ensemble-Mitglieder der DISTEL spekulieren zu wollen: Der eben geschilderte Sachverhalt ist auch heute schon zu finden. Vielleicht gar steht Berlin dafür exemplarisch …

Andeutungen sind urkomisch, aktuell, bitterböse auch

Um nicht in Depressionen zu verfallen: Dem holden Kritiker ist aus „Sechs and the City“ noch eine andere Szene haften geblieben. Der Berliner Busfahrer – Grundgütiger! „Da sitz' ick inn de Busfahrkanzel. Doppeldecker! Über mir eine renitente Seniorengruppe ussem Schwarzwald. Hinter mir zwee Grundschulklassen aus Kreuzberg. Und neben mir – drei junge, türkische Leute vom privaten Sicherheitsdienst mit HASS uff der Zunge tätowiert. Da darfste ja sowieso nur arbeiten, wenn de mindestens fünf Jahre Knast vorzuweisen hast.“ Dann: Bumm – Selbstmordanschlag! Kein durchgeknallter Islamist hat hier den Zündknopf gedrückt, sondern („icke“) der Busfahrer in Person. Er hat das „Hackfressen-Elend“ nicht mehr ausgehalten.

Politisches Kabarett kritisiert ohne aufzuwiegeln, zu hetzen

Das Ost-Berliner Kabarett DISTEL direkt am Bahnhof Friedrichstraße war ja schon zu DDR-Zeiten berüchtigt. Die Leute wussten, was gemeint war, vielleicht hat's auch die Stasi geahnt. Doch durch Nachweis verurteilen, festnageln auf Staatsgefährdung – Fehlanzeige. Das ist die hohe Kunst des politischen Kabaretts gerade in Diktaturen: Durch Andeutungen kritisieren, lächerlich machen. Ohne aufzuwiegeln, zu hetzen, den Hass zu schüren. Bei „Sechs and the city“, der umwerfenden Berlin-Revue wird gesungen, geschauspielert, Musik gemacht. Nicht zu vergessen die Namen aller Beteiligten. Das formidable sechsköpfige (was sonst?) Ensemble des Kabarettprogramms von Martin Maier-Bode mit Textbeiträgen von Michael Frowin, Peter Gitzinger, Ralf Höke, Mattthias Lauschus, Jens Neutag, Roger Schmelzer (Regie: Martin Maier-Bode): Claudia Graue, Timo Doleys, Edgar Harter, Dagmar Jaeger, Stefan Martin Müller, Michael Nitzel. Musikalische Begleitung: Falk Breitkreuz, Franz-Josef Grümmer/ Fred Symann, Matthias Lauschus.

Fazit: „Sechs and the city - die Berlin-Revue“ des legendären Berliner Kabaretts DISTEL - reinkommen & weglachen! Malzeit!

Christopher Dömges, Christopher Dömges

Christopher Dömges - Christopher Dömges alias Tork Pöttschke, *1980 in Dortmund, nach Besuch des Gymnasiums leben und arbeiten am Borsigplatz ...

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