
- Kafffeebohnen aus Costa Rica - Sylvia Schöbe
Der Kaffeebaum ist eine sehr anspruchsvolle Pflanze. Sonne, Wasser und Temperatur müssen im richtigen Verhältnis zueinander wirken, damit er gut gedeihen kann. Diese klimatischen Bedingungen sind nur entlang des Äquators gegeben.
Zwei Drittel der Kaffeeplantagen befinden sich in Lateinamerika. Kein Wunder, reichen die Anbaugebiete doch von Mexiko im Norden, über die Westindischen Inseln, bis hin zu Brasilien im Süden.
Der Kaffee aus diesen Regionen ist eine Spezialität. Dennoch variiert der Geschmack von Land zu Land teilweise erheblich.
Die wichtigsten Kaffeeproduzenten Lateinamerikas sind Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador und Guatemala. Auch Mexiko gehört als drittgrößter Erzeuger dazu. Allerdings wird die Ernte hauptsächlich im eigenen Land verbraucht.
Kaffee aus Brasilien
Brasilien ist mit Abstand der größte Kaffeelieferant Lateinamerikas. Und nicht nur das: Kein anderes Land der Erde versorgt die Weltbevölkerung mit so vielen köstlichen Bohnen. Mittlerweile beläuft sich die Produktion auf ca. 2 Millionen Tonnen jährlich. Das ist fast ein Drittel des Kaffees, der in der gesamten Welt angebaut wird.
Die Kaffeebäume in Brasilien wachsen flächendeckend. Wie ein grünes Tuch breiten sich die riesigen Plantagen über das ganze Land aus. Sie befinden sich teilweise sogar an ungewöhnlichen, nicht immer idealen, Orten. Unterhalb des südlichen Wendekreises ist die Ernte besonders gefährdet. Gelegentlicher Frost kann sie empfindlich schaden. Auch ausbleibender Regen sorgt für zusätzliche Probleme. Aufgrund der risikoreichen Klimaverhältnisse besinnt man sich zunehmend auf die alten Anbaugebiete im Norden und versucht, diese zu kultivieren.
Brasilianischer Kaffee ist überwiegend mild. Es gibt allerdings auch Bohnen mit einem kräftigen Aroma, die gern für Espressomischungen genommen werden. Die bedeutendsten Arabica-Sorten des Landes sind Bourbon, Typica, Mundo Novo und Catuai.
Kaffee aus Kolumbien
Kolumbien ist der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt. Obwohl das Land um ein Vielfaches kleiner als Brasilien ist, gibt es hier fast dieselbe Anzahl an Kaffeebäumen. Allerdings sind nur die gebirgigen Regionen für den Anbau geeignet. Die Wachstumsbedingungen sind in Höhen zwischen 900 und 2.000 Meter für die Arabica-Bohne ideal, so dass fast ausschließlich diese Sorte angepflanzt wird. Die bekanntesten Marken wurden nach ihren Handelsplätzen benannt: Medellin, Armenia und Manizales.
Ernteverluste wegen schlechten Wetters kommen entlang der Kordilleren sehr selten vor. Die Qualität der Bohnen ist hervorragend. Vor allem Kaffee aus den mittleren und östlichen Teil des Gebirges werden von Liebhabern geschätzt.
Kaffee aus Costa Rica
In Costa Rica werden nur Arabica-Bohnen angebaut. Das ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. In der gebirgigen Umgebung von San José und Cartago befinden sich die meisten Plantagen. Denn von dort aus kann die Ernte schnell und problemlos in die Hafenstädte am Atlantik und Pazifik geschafft werden. Die Verschiffung erfolg vor allem nach Europa, wo die hochwertigen Arabica-Bohnen sehr beliebt sind. Das vollmundige kräftige Aroma zeugt von der Qualität des Kaffees aus Costa Rica.
Als beste Anbaugebiete gelten Naranjo, Tarrazu und Tres Ríos, nach denen auch die jeweiligen Kaffeesorten benannt wurden.
Dass der Kaffee aus Costa Rica so hervorragend ist, liegt zum einen an dem perfekten Klima zwischen zwei Weltmeeren und dem säurehaltigen Boden, der ausreichend Feuchtigkeit und Sauerstoff an die Kaffeepflanzen weitergibt. Zum anderen existieren strenge Umweltauflagen, so dass die Natur weitestgehend intakt bleibt. Diese Bemühungen geschehen nicht ohne Grund. Denn der Kaffee hat Costa Rica zum reichsten und stabilsten Land Lateinamerikas werden lassen.
Kaffee aus Guatemala
Die Kaffeeplantagen von Guatemala befinden sich im Landesinnerem, vor allem im Süden. Regelmäßiger Niederschlag und fruchtbarer Vulkanboden bieten ideale Bedingungen für die Kaffeepflanzen. Am beliebtesten ist die Sorte Antigua. Es gibt nicht wenige Genießer, die behaupten, es wäre der beste Kaffee der Welt. Benannt wurde die Bohne nach der Region, in der sie wächst. Auch Kaffee aus dem Distrikt Coban ist begehrt.
Kaffee aus diesem kleinen Land besticht vor allem durch seine Würzigkeit und die feine Säure. Eigenschaften, die besonders von Genießern mit gehobenen Ansprüchen geschätzt werden. Ein eigens gegründeter Kaffeeverband sorgte dafür, dass sich Guatemala mittlerweile auf die Produktion von Gourmetkaffee spezialisiert hat.
Kaffee aus Ecuador
In Ecuador kommen die Kaffeepflanzen dem Himmel ganz nah. Denn hier gibt es Plantagen, die so hoch gelegen sind wie nirgendwo anders auf der Welt. Einige Gegenden sind schwer zugänglich. Der Abtransport der Ernte kann daher nur mit Mauleseln erfolgen. Aber die Mühe lohnt sich: Kaffee aus den Höhenlagen Ecuadors ist besonders vollmundig.
Ecuador ist eines der wenigen Länder Lateinamerikas, das sowohl Arabica- als auch die widerstandsfähigeren Robusta-Bohnen anbaut. Die Vielfalt ist dementsprechend groß. Besonders geschätzt werden die Erzeugnisse von den Galapagosinseln und aus Vilcabamba, einem Ort im sogenannten „Tal der Hundertjährigen". Diese Region wird so bezeichnet, weil hier ungewöhnlich viele Menschen leben, die 100 Jahre und älter sind. Die meisten von ihnen erfreuen sich auch ausgezeichneter Gesundheit. Ob es wohl am Kaffee liegt?
Literaturhinweis
Bernd Ingmar Gutberlet: Faszination Kaffee - Eine Reise durch die Welt des Kaffees, COMPANIONS Glänzer Linkwitz Wiskemann GmbH, Hamburg
