Im Gegensatz zur landläufigen Meinung dürfen Patienten mit chronischen Lebererkrankungen bedenkenlos Kaffee trinken. Kaffee, das belegen viele internationale Studien, entfaltet sogar eine schützende Wirkung für die Leber. Danach führt Kaffee zu besseren Leberwerten, er trägt dazu bei, dass sich kein Leberzellkrebs in einer chronisch kranken Leber entwickelt. Patienten können Kaffee also weiterhin genießen, gerne nach dem Motto „Viel hilft viel“. Die gleiche Wirkung hat schwarzer Tee. Grundsätzlich werden täglich vier bis fünf Tassen Kaffee oder schwarzer Tee empfohlen, sofern keine Herzerkrankung vorliegt.

Ist eine spezielle "Leberdiät" bei Lebererkrankungen notwendig?

Was die Ernährung betrifft, sind viele falsche Vorstellungen in Umlauf – etwa dass Leberkranke stets eine besondere Leberdiät einhalten müssen. Bei einer chronischen Lebererkrankung und noch normaler Leberfunktion muss prinzipiell keine spezielle Leberdiät eingehalten werden. Man sollte sich ausgewogen und vollwertig ernähren, gemäß den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Übergewichtige sollten abnehmen, andererseits ist eine ausreichende Ernährung gerade bei fortgeschrittener Lebererkrankung sehr wichtig.

Ausgewogene Ernährung für Leberkranke

Unsere Nahrungsmittel bestehen aus den Nährstoffen Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette, von denen die Aminosäuren und die Fettsäuren lebensnotwendig für den Stoffwechsel unseres Körpers sind. Diese Nährstoffe sind die Energielieferanten des Körpers. Zudem gibt es die Vitamine und Mineralstoffe, außerdem Wasser und die Ballaststoffe. Der Körper wird direkt über den Blutzucker mit Energie versorgt. Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel wie Getreideprodukte, Gemüse, Kartoffeln, Salat und Obst sowie Zucker sind die besten Energielieferanten. Mit Ausnahme von Zucker sind sie gesund und vergleichsweise kalorienarm. Zucker ist eine häufige Ursache für Übergewicht und damit ein Risikofaktor für eine Fettleber.

  • Eiweißprodukte
Chronisch Leberkranke mit einer normalen Leberfunktion dürfen Milch- und Eiweißprodukte ebenso wie Fleisch in normalen Maßen ohne Bedenken zu sich nehmen. Besonders empfehlenswert sind pflanzliche Nahrungsmittel, fettarme Milch, Milchprodukte, Seefisch, mageres Fleisch und Wurstwaren.

  • Fette und Vitamine
Fett ist nicht gleich Fett, es gibt durchaus Fettarten, zu denen man eher raten kann. Dazu gehören beispielsweise Pflanzenöle, die reich an Vitamin E sind, zudem Diät- und Reformmargarine sowie Oliven- und Rapsöle, die einen hohen Gehalt an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren enthalten. Und die wiederum schützen die Gefäße. Bei einer ausgewogenen Ernährung nimmt der Mensch genügend Vitamine und Mineralstoffe zu sich. Nur wer dauerhaft zu wenig Obst und Gemüse isst, sollte Multivitaminpräparate einnehmen – aber nie mehr als die empfohlene Tagesdosis.

Risikofaktor Übergewicht

Für diverse Erkrankungen der Leber und Gallensteinleiden ist Übergewicht ein großer Risikofaktor, zum Beispiel für eine Fettleber. Diese kann sich durch eine Gewichtsreduktion oft mühelos zurückbilden. Allerdings gibt es auch Fälle von Fettlebern, bei denen der Kranke untergewichtig ist. In beiden Fällen sollte darauf geachtet werden, dass das Normalgewicht erreicht und dauerhaft gehalten wird. Wer unter einer Fettleber leidet, profitiert in der Regel von einer gemäßigten Kalorienzufuhr. Dabei spielt es keine Rolle, welche spezielle Diät eingehalten wird. Als Grundsatz gilt: Nicht wenig „Fett“ ist wichtig, sondern wenig „Energie“. Zwischen 1200 Kalorien und 1800 Kalorien sind empfehlenswert, wobei auf die Balance von Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß geachtet werden sollte. Ideal ist hierbei eine Relation von 50% Kohlenhydraten, 20% Eiweiß und 30% Fett. Der Fettgehalt sollte täglich zwischen 55 und 70 Gramm liegen.

Ernährung bei Hepatitis und Leberzirrhose

Bei akuter und chronischer Hepatitis sollten die Betroffenen reichlich Energie, in der Regel 2500 bis 3000 Kalorien pro Tag, zu sich nehmen, am besten verteilt auf fünf bis sechs Mahlzeiten am Tag. Eine fettreduzierte Diät ist hingegen nicht nötig.

Solange bei einer Leberzirrhose noch keine Komplikationen wie Aszites (Bauchwassersucht), Speiseröhrenkrampfadern oder eine hepatische Enzephalopathie (krankhafte Veränderungen des Gehirns) aufgetreten sind, reicht es auch hier, auf ausgewogene Kost zu achten. Die Kost sollte im Normalfall nicht weniger als 2500 Kalorien enthalten und nicht fettfrei sein. Menschen mit Leberzirrhose sollten auf eine tägliche Eiweißzufuhr von 0,8 bis 1,2g/Kg Körpergewicht achten, empfohlen wird eine alkoholfreie Kost auf lactovegetabiler Basis (also eine pflanzliche Kost mit Milchzucker – Milchprodukte wie Käse, Joghurt und Quark sind erlaubt, Eier und Fleisch jedoch nicht). Patienten mit Leberzirrhose sollten ausreichend Eiweiß zu sich nehmen. Sonst droht Verlust der Muskelmasse.

Ernährungstipps bei Bauchwassersucht

Hier hilft eine Diät, die auf der Reduktion von Salz basiert, die normale Wasserverteilung im Körper wieder herzustellen. Dem dienen auch Medikamente zur Wasser und Kochsalzausscheidung. Weiterhin muss ggf. die Trinkmenge beschränkt werden. Bei Morbus Wilson sollte man „Kupferbomben“ wie Rinder – und Kalbsleber, Leberknödel etc. vermeiden. Während Vitamin C die Eisenaufnahme fördert, reduzieren die Gerbsäuren von Schwarztee, das in Milch enthaltene Kalzium sowie Ballaststoffe wie Pektin und Phytate aus Vollkornprodukten die Eisenresorption im Körper. Zudem ist auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme zu achten.

Eisenreduzierte Kost bei Hämochromatose

Bei der Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) sollten Patienten auf eine eisenreduzierte Ernährung achten. Zu meiden sind Multivitamin-Mineralstoff-Präparate, da diese in der Regel auch Eisen enthalten und zudem das darin enthaltene Vitamin C die Eisenaufnahme fördert. Ebenso sollte man Speisen vermeiden, die mit Eisen angereichert sind, was in der Regel auf der Packung vermerkt ist.

Null Promille bei Erkrankungen der Leber

Ausreichendes Trinken ist auch bei Erkrankungen der Leber wichtig. Pro Tag sollte man täglich mindestens zwei Liter trinken, am besten Mineralwasser, Früchtetee oder Limonaden, die mit Süßstoff statt mit Zucker gesüßt sind. Eine Ausnahme: Bei Aszites sollte deutlich weniger getrunken werden. Wichtig: Alkohol schädigt die kranke Leber. Eine regelmäßige Zufuhr fördert die Entwicklung einer Leberzirrhose. Für Patienten mit einer chronischen Lebererkrankung gilt ausnahmslos „null Promille“.

Das Leber-Buch

Mehr Informationen über die richtige Ernährung für Leberkranke finden sich auch in dem neuen Ratgeber "Das Leber-Buch" (Schlütersche Verlagsgesellschaft), den die Experten der Deutschen Leberstiftung herausgegeben haben.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – nicht ersetzen kann.