
- Kaffeebohnen - © aboutpixel.de / Bettina Blass
Das bittere, koffeinhaltige Getränk erfreut sich in unserer Gesellschaft größter Beliebtheit. Doch wer sich als Liebhaber deklariert, der sollte durchaus über das größte Risiko des Kaffeeanbaus Bescheid wissen. Den hohen Preis guten Kaffees nachzuvollziehen, hilft es allemal.
Von Sri Lanka ausgehend eroberte er die Welt
Nachdem die Engländer 1818 Sri Lanka für sich beansprucht hatten, begannen sie die Infrastruktur zu verbessern - und den Anbau von Kaffee durch Plantagen gezielt zu fördern. Ceylon-Kaffee war gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine bekannte und begehrte Ware. Doch schon bald wurde diesem Erfolg ein Ende gesetzt: Die Kaffeepest breitete sich aus. War eine Plantage einmal von dem Pilz befallen, konnte man sie aufgeben. Innerhalb kürzester Zeit breitete sich der Mikropilz auf der ganzen Insel aus. Und von dort ausgehend auf der ganzen Welt. Innerhalb von 25 Jahren zerstörte der Kaffeerost ca. 160.000 Hektar blühende Kaffeeplantagen. In Sri Lanka gab man deshalb den Kaffee auf und stieg auf Tee um.
Erst 1903 erreichte der Kaffeerost Südamerika. Das erste Opfer war Puerto Rico. Vorläufig konnte die Krankheit eingeschränkt werden, doch 1970 sprang die Pilzerkrankung epidemisch auf Brasilien und von dort auf weite Teile Mittelamerikas. Die Wirtschaftsschäden waren groß. Trotz moderner Fungizide betrugen die Ausfälle zwischen 80 und 100 Prozent.
Dass Südamerika so lange von der Krankheit verschont blieb, ist allerdings kein Zufall. Über ein Jahrhundert lang verhinderten Pflanzenquarantänemaßnahmen, dass der Kaffeerost von Asien in den Rest der Welt übersiedelte. Doch letztendlich breitete sich der Pilz über den Atlantik aus. Wie es dazu kam, ist unklar - Passatwinde, infizierte Kaffeebohnen oder Sporenbewuchs auf Wirtspflanzen könnten die Ursache sein.
Verlauf der Infektion
Anfangs entstehen auf der Unterseite der Blätter gelbe Flecken, die aussehen wie Öl. Diese vergrößern sich schnell und breiten sich aus. Darauf bildet sich ein orangefarbener staubartiger Belag. Die Flecken wachsen später zusammen, bis das Blattgrün vollends verschwindet. Das Absterben der Blätter wird dann durch eine Braunfärbung gekenntzeichnet.
Neben dem Absterben der Blätter macht sich aber auch ein Ableben der Blüten- und Fruchtansätze bemerkbar. Schlussendlich ist der Strauch zum Eingehen verurteilt. Besonders übel ist der Pilz, da die Sporen durch Feuchtigkeit und Wind übertragen werden und so Epidemien kaum oder nur schwer aufzuhalten sind. Vor allem in Kaffeeplantagen ist die Gefahr der Ausbreitung besonders groß.
Schutz der Kaffeepflanze
Beim konventionellen Schutz der Kaffeepflanze setzt man Fungizide ein. Es ist eine effektive und auch wirksame Maßnahme, jedoch sehr kostenintensiv. Für kleinbäuerliche Betriebe kommt der Biozideinsatz aufgrund der hohen Kosten meist nicht in Frage.
Alternativ versucht man im biologischen Anbau des Kaffees den Kaffeerost ohne den Einsatz von Spritzmitteln zu bekämpfen. So achten Bio-Bauern auf die entsprechende Anbauhöhe. Die Höhe der Stickstoffdüngung kann das Schädlingsrisiko maßgeblich beeinflussen. Außerdem gibt es widerstandsfähigere Kaffeesorten, die von Bio-Bauern bevorzugt werden.
Schattenbäume spielen eine große Rolle bei Kaffeeplantagen. Kulturen ohne Schattenbäume lassen sich bei akutem Befall leichter mit Fungiziden bearbeiten. Mit Schattenbäumen ist allerdings das Risiko zu erkranken durch die geringere Taubildung auf den Pflanzen kleiner.
Resistenzzüchtung
Seit den 70er Jahren wird an einer Resistenzzüchtung gegen Kaffeerost geforscht. Bislang wurden neun Genotypen identifiziert, die sich als resistent gegenüber Kaffeerost zeigten. Durch die sich permanent anpassenden Pilzarten steht die Resistenzzüchtung jedoch vor einer großen Herausforderung.
Quelle:
Kaffeelexikon
