
- Rathaus von Basel - pixelio / Christian Heinz
Im „Großen Kanton im Norden“ – wie die Eidgenossen gern süffisant sagen, wenn sie von Deutschland sprechen – weiß man es kaum: Gleich hinter der Grenze bei Basel hat es im heutigen Kaiseraugst in den ersten drei bis vier Jahrhunderten eine große römische Stadt gegeben. In „Augusta Raurica“ lebten bis zu 25.000 Menschen. Bemerkenswerte und interessante Teile des Stadtmittelpunktes sind in den letzten Jahrzehnten mit Hilfe des Kantons Basel-Land ausgegraben worden. Die historischen Bauten bieten in einem großen Archäologiepark einen lebendigen Einblick, wie Römer und rhätische Urbevölkerung hier vor 1.700 Jahren gelebt haben. Ganz bewusst zählt dieses museumspädagogisch überaus geschickt angelegte Freizeitangebot auf die ganze Familie, die etwas „Spannendes und zugleich Lehrreiches“ unternehmen möchte. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Aktivitäten, und die sonntäglichen Familienworkshops sind regelmäßig ausgebucht.
Wie lebten die Gladiatoren
Ein besonderes Erlebnis ist die Begegnung mit dem antiken Theater. Das Amphitheater wie das szenische Theater sind wieder so hergestellt worden, wie es hier vor langer Zeit ausgesehen hat. Lebensgroße Zeichnungen, eine Hörstation und ein Quiz erzählen seit dem vorigen Jahr vom Leben der Gladiatoren. An besonderen Tagen lädt eine große Spielkiste ein, sich in entsprechender Verkleidung in die Römerzeit zurückzuversetzen. Wie sehr das angenommen wird, zeigt der Umstand, dass sich zum alljährlichen Römerfest im vorigen Jahr 30.000 Menschen aus der ganzen Region eingefunden haben.
Der Bischof hatte sein eigenes Bad
In der historischen Backstube – die 2009 saniert werden soll – vor dem weitgehend wieder hergestellten Tempel werden – meist von Schulkindern – jährlich 5.000 Brote gebacken. Einmal im Jahr können sich Besucher auch an Ausgrabungen beteiligen – ein Angebot, das für 2009 bereits ausgebucht ist. Mehr an Erwachsene wendet sich die reihe „Archäologie live“, bei der Forscher von ihrer Arbeit berichten. Eine Arbeit, die dazu geführt hat, dass das bisher als Taufbecken interpretierte Bad neben der frühchristlichen Kirche inzwischen als Privatbad des antiken Bischofs angesehen wird.
Abgeschlossen werden soll in diesem Jahr das Großprojekt „Lesen und Schreiben in Augusta Raurica“. Die Inschriften auf der Keramik und an Hauwänden, die gefundenen Schreibutensilien und die Siegelkapseln sind umfassend ausgewertet worden. Dabei sind neue Erkenntnisse über die Alphabetisierung der Region und die Integration der Römer im keltischen Gebiet gewonnen worden. Die sollen in den kommenden Monaten und in den Folgejahren den Besuchern des Archäologieparks dargelegt werden. Und natürlich kann man hier Essen und Trinken wie die Römer, aber auch sehr neuzeitlich. Darüber hinaus wird hier ein großes Angebot lokalbezogener Souvenirs wie etwa Nachprägungen römischer Münzen vorgehalten. Nicht nur für die Bewohner der Region, auch für Touristen in der Oberrhein-Region ist ein Ausflug nach Kaiseraugst allemal lohnend.
