
- Jedes dritte Kind wird per Kaiserschnitt geboren - Kora Polster / pixelio.de
Eine der bekanntesten Persönlichkeiten, die der Legende nach das Licht der Welt nicht auf natürlichem Wege erblickte, ist der römische Staatsmann Gaius Julius Caesar. Er wurde – so die Überlieferung, verfasst vom römischen Schriftsteller Plinius d. Ä. – seiner Mutter durch einen Bauchschnitt entbunden. Zumindest wurde er Namensgeber für diesen operativen Eingriff, weil er laut Plinius seiner Mutter aus dem Leib herausgeschnitten (lat. caedere = herausschneiden) worden sein soll. Von Caesar, dem „Herausgeschnittenen“, leitet sich das deutsche Wort Kaiser ab, woraus schließlich auch das Wort Kaiserschnitt entstand.
Hollywood als Vorbild
In den Geburtskliniken der US-Filmmetropole Hollywood liegt die Zahl der Geburten durch Kaiserschnitt bei rund 80 %. Promi-Mütter wie beispielsweise Angelina Jolie oder Nicole Kidman wählten den Operationssaal statt des Kreißsaales. Dass dabei stets eine medizinische Indikation vorlag, ist angesichts der hohen Prozentzahl nicht anzunehmen. Ausschlaggebend dürfte eher die Aussicht auf eine schmerzfreie Entbindung unter Narkose sein. In Deutschland ist die Zahl der Kaiserschnitte nicht so hoch wie in Amerika. Jedoch wird auch hier mittlerweile etwa jedes dritte Kind auf diese Weise zur Welt gebracht, Tendenz steigend.
Wo liegen die Gründe?
In der öffentlichen Meinung hat sich auch hierzulande der Kaiserschnitt als sichere Entbindungsform etabliert, ausgeführt von Ärzten, Anästhesisten und Schwestern, während eine natürliche Geburt unter Beteiligung einer Hebamme als Risiko für Mutter und Kind angesehen wird. Besonders das zunehmende Alter der werdenden Mütter oder Mehrlingsgeburten nach Hormonbehandlungen gelten als Indikatoren für eine Sectio, was jedoch nicht die hohe Rate an Kaiserschnitten rechtfertigt. Gleichwohl wird oft werdenden Müttern zum Kaiserschnitt geraten, ohne dass eine medizinische Indikation vorliegt. Der eigentliche Grund hierfür ist häufig der Zeitplan im Kliniksalltag. Zeitpunkt und Dauer einer operativen Entbindung sind planbar, während eine natürliche Geburt spontan, meist zur Nachtzeit, erfolgt und sich über Stunden hinziehen kann.
Schmerzen kommen später
Dass eine Geburt trotzt moderner Medikation (Schmerzmittel, Lachgas, Periduralanästhesie) eine qualvolle Angelegenheit ist, kann nicht verneint werden. Sobald allerdings das Baby geboren und die Nachgeburt ausgestoßen ist, sind alle Schmerzen vorbei. Anders bei einer Sectio caesarea.
Große Bauchoperation
Bei einem Kaiserschnitt handelt es sich um eine Bauchoperation, bei der die Bauchdecke und mehrere Muskelschichten durchtrennt werden müssen. Entsprechend lange dauert die Heilung, verbunden mit typischen Schmerzen. Hinzu kommen übliche Operationsrisiken wie Thrombose, Infektionen und Narkosezwischenfälle. Überdies kann die Kaiserschnittnarbe bei weiteren Schwangerschaften Probleme bereiten, weil sie aufplatzen kann.
Demgegenüber wird das Baby bei einer natürlichen Geburt durch den Geburtskanal gepresst. Hierbei wird verbleibendes Fruchtwasser aus den Lungen gedrückt. Geschieht dies nicht, kann es zu Anpassungsstörungen der Lunge kommen.
Kontakt mit Keimen bei natürlicher Geburt
Ein wichtiger Aspekt ist der erste Kontakt mit Keimen während des Geburtsvorganges. Diese Keime sind deshalb bedeutsam, weil sie das Immunsystem des Neugeborenen aktivieren. Sectio-Kinder sind oft anfälliger gegenüber Infektionen oder Allergien.
Kaiserschnitt für Notfälle
Ein Kaiserschnitt sollte aus diesen Gründen nur im (medizinischen) Notfall durchgeführt werden. Sollte eine natürliche Geburt eine zu große Gefahr für Mutter und/oder Kind darstellen, beispielsweise bei Querlage des Babys, extremer Beckenverformung der Mutter, Wehenschwäche, Sauerstoffmangel für das Kind etc. ist die Sectio caesarea jedoch die beste Maßnahme, um das Leben von Mutter und Kind zu retten.
Bildnachweis: Kora Polster / pixelio.de
Bitte beachten Sie, dass ein Suite 101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt oder Apotheker – nicht ersetzen kann.
Quellen:
- Plinius d. Ä., Naturalis historia 7, 47
- Statistisches Bundesamt
- Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch
