Kaiserschnitt oder Spontangeburt?

Der Glaubenskrieg um die richtige Art zu gebären

Die Geburt eines Kindes gehört zum Aufregendsten im Leben einer Frau. Wie aber soll sie vonstatten gehen?

Die Frage, ob sie spontan oder durch Sectio gebären sollten, haben sich Frauen jahrtausendelang nicht gestellt. Heute aber gibt es die Möglichkeit zu wählen. Noch vor einigen Jahrzehnten lag die Kaiserschnittrate bei etwa zehn bis 15 %. Heute ist sie deutlich höher. Das liegt in erster Linie daran, dass durch verbesserte OP-Techniken der Kaiserschnitt zum Routineeingriff geworden ist. Das Kind ist in ein paar Minuten geboren.

Vorteile der spontanen Geburt

Eine Geburt ist mit Schmerzen verbunden. Danach sind diese aber weitgehend verschwunden. Eine Sectio ist jedoch eine große Operation, die mit entsprechendem Wundschmerz einhergeht. Frauen erholen sich von Spontangeburten auch dann viel schneller, wenn die Geburt lange gedauert hat und sehr anstrengend war. Aber auch für das Kind ist die vaginale Geburt die beste aller Arten auf die Welt zu kommen. Der Anstoß zur Geburt geht vom Kind aus, es bestimmt selbst den Zeitpunkt, wann es sich aus seiner kleinen Höhle herauswagen will, während ihm beim Kaiserschnitt ein Zeitpunkt vorgegeben wird, sodass das Kind letztendlich vollkommen überrascht wird. Viele Kinder scheinen sich über die erzwungene Geburt so zu schrecken, dass ihnen das Atmen zu Beginn schwerfällt. Das kann aber auch damit zusammen hängen, dass die Lungen bei der normalen Geburt noch einmal zusammengequetscht werden, sodass Fruchtwasser aus den Lungen herausgepumpt wird, das dann nicht mehr abgesaugt werden muss.

Endorphine als Hilfe

Wir sind zwar aus dem Paradies vertrieben worden und müssen seither Schmerzen ertragen, doch die Natur hat den Frauen eine kleine Hilfe beigestellt: die körpereigenen Endorphine, die bei der Geburt ausgeschüttet werden. Sie gelangen über das Blut auch zu dem Baby, was - wie vermutet wird - dem Kind den Eintritt ins Leben da draußen angenehmer macht. Bei einem Kaiserschnitt werden keine Endorphine ausgeschüttet. Der Geburtsschock für das Kind ist dementsprechend größer.

Schlechtes Gewissen nach dem Kaiserschnitt?

Heißt das nun, dass man einen Kaiserschnitt unter allen Umständen verhindern soll? Nein. Denn darin sind sich alle einig: Es ist gut, dass es dieses Instrument gibt. Dank der Möglichkeit des Kaiserschnitts sind viele Leben von Müttern und Kindern gerettet worden. Frauen, die sich dafür entscheiden, den sicheren Weg zu gehen - etwa im Fall einer Mehrlingsgeburt oder bei Steißlage - sollten dafür keinesfalls ein schlechtes Gewissen haben. Viele Frauen bekommen heutzutage erst in späteren Jahren Kinder. Dass gerade sie auf Nummer sicher gehen wollen, ist verständlich. Letztlich kann nur die Frau selbst entscheiden, welcher Weg für sie der richtige ist.

Glaubenskrieg auf Kosten der Frauen

Wir können heute mehrere gegenläufige Tendenzen in der gesellschaftlichen Entwicklung ausmachen: Einerseits wird von den Frauen gefordert, sich beruflich zu engagieren und erfolgreich zu sein, andererseits wird das Muttersein in einer Weise hochstilisiert, wie es seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr der Fall war. In diesem Kontext wird den Frauen auch bei der Geburt ein Druck auferlegt, dem standzuhalten viel Kraft erfordert. Eine Zwillingsmutter, die spontan gebären will, wird als unverantwortlich gebrandmarkt. Einer Frau, die sich aus Sicherheitsgründen für einen Kaiserschnitt entscheidet, wird unterstellt, sie wolle sich um den Geburtsschmerz drücken. Wenn das Baby dann auf der Welt ist, sind sowieso alle klüger und haben schon längst gewusst, was das Beste für Mutter und Kind gewesen wäre ...

Da wir Frauen es also ohnehin nie richtig machen, machen wir es doch einfach so, wie wir glauben!

Bitte beachten Sie, dass eine Suite101-Artikel fachlichen Rat - zum Beispiel von einem Arzt - niemals ersetzen kann.

Clementine Skorpil, Clementine Skorpil

Clementine Skorpil - CLEMENTINE SKORPIL Geboren in 1964 in Graz, studierte Sinologie und Geschichte an der Universität Wien. Während des Studiums ...

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