An der Westküste Nordamerikas machen sich immer mehr Menschen Sorgen über die steigenden Gesundheitsgefahren durch die Nuklearkatastrophe von Fukushima (11. März 2011). Hier in Kalifornien, wo man sonst einen Laid-Back-Lifestyle lebt und Ärzte mit kosmetischen Schönheitsoperationen und Tipps zur Lebensverlängerung jedes Jahr Millionen verdienen, ist die Angst vor Strahlenschäden nach dem Reaktorunglück in Japan besonders hoch.

Tatsächlich scheint der radioaktive Fall-Out, interpretiert man die aktuellen Studien und Messungen richtig, vor allem besonders den Sonnenstaat Kalifornien getroffen zu haben. In der Atmosphäre und im Regenwasser rund um Los Angeles wurden seit März 2011 immer wieder alarmierende Strahlenwerte gefunden. Das Magazin Environmental Science and Technology veröffentlichte eine neue Studie über die "radioaktive Wolke" aus Fukushima vom März 2011, die ihre “größte Auswirkung im zentralen und südlichen Kalifornien" gezeigt hatte. Bei Tests von Meeresalgen wurde in Südkalifornien eine 500 % höhere Belastung mit Iod-131 als anderswo in den USA und Kanada nachgewiesen.

Vor allem die Mischung aus Industrieabgasen mit radioaktiven Partikeln, Niederschlägen und Staub belasten die Umwelt in den USA. Bei oberflächennahen Bodenproben in Kalifornien schlugen alarmierende Werte auf. In der Westküstenmetropole Seattle hätten Bewohner allein im März 2011 nach Erkenntnissen von Nuklearexperte Arnie Gunderson, der als Manager einer US-Nuklearfirma arbeitete, täglich rund 10 Hot Particles (strahlende Partikel) am Tag eingeatmet. Zwar glauben Experten wie der Nuklearexperte Marco Kaltofen vom Department of Civil & Environmental Engineering am Worcester Polytechnic Institute in Massachusetts, dass die Rocky Mountains als natürliche Barriere einen Großteil der durch die Luftschichten getragenen Radionuklide abfangen. Doch auch im 3.000 Meilen von Los Angeles entfernten Boston im Osten der USA wurden leider auch schon Hot Particles in der Luft gemessen.

20 Millionen Tonnen Treibgut aus Japan erwartet - Jahrelange Belastung der Küste befürchtet

Neben der Belastung aus Luft und Regen wird noch zusätzlich verseuchtes Treibgut des verheerenden Tsunamis an der Westküste Amerikas angeschwemmt. Geschätzte 20 Millionen Tonnen Holz, Bootsreste und Industrieabfälle sind auf dem Pazifik unterwegs Richtung Amerika. Diese hochgiftigen Abfälle sollen mehr als die Hälfte der rund 8.000 Kilometer langen Strecke bereits zurückgelegt haben. Angetrieben wird der Müll von Strömungen, die sich von Asien nach Amerika bewegen. Die Besatzung eines russischen Schiffes hat die Abfälle auf halber Strecke gesichtet. In Alaska und Kanada wurde bereits erstes Treibgut „Made in Japan“ gefunden. Der Müll wird eine sensible, artenreiche Naturlandschaft auf Jahre verseuchen, sagen Umweltschützer voraus. Aufgrund der Stromdynamik werden die im Pazifik befindlichen Fischgründe kontaminiert, berichtet der japanische Umweltjournalist Yoichi Shimatsu aus Hongkong.

Westküste Amerikas muss gereinigt und strahlendes Strandgut sicher gelagert werden

Die Reinigung der Strände von strahlenden und toxischen Abfällen und vor allem deren sichere Lagerung ist die eine Aufgabe, die Amerikaner jetzt lösen müssen. Viel mehr fürchtet man aber die Gefahr durch die Vermengung der Chemikalien mit dem Meereswasser, das in der Luft verdunstet und sich als Tau, Regen oder Dunst entlang der Westküste absetzt. Die gesamte Ernährungskette vom Plankton bis zu den Orkawalen ist bedroht. Man fürchtet radioaktiven Regen bis in die Wälder der Rocky Mountains.

Etliche Aktivisten haben sich abseits der staatlichen Kontrollbehörden zusammengetan, um die Strahlung in der Atmosphäre zu messen. Über den Jet Stream werden radioaktive Niederschläge aus Japan Richtung Amerika transportiert. In Kalifornien nennt man radioaktiven Regen jetzt „Fukushima Express“.

Die Amerikaner werfen den Regierungen und Verantwortlichen in den USA und Kanada vor, die wahren Informationen über Ausmaß der Schäden geheim zu halten und nichts zum Schutz und vor allem zur Aufklärung der Bevölkerung zu unternehmen. Ein Netzwerk aus Freiwilligen, die sich seit den ersten Explosionen aus Fukushima mobile Geigerzähler für radioaktive Strahlung zugelegt haben und im Internet per Webcam live schalten, versorgt nun Interessierte mit den nötigen Informationen. Radiostationen, Internet-Plattformen, Blogs und Umweltgruppen berichten täglich über die Folgen von Fukushima . Immer mehr unabhängige Wissenschaftler veröffentlichen Studien zu den Bewegungen der Meeresströmungen, um die Wege des Treibguts zu überwachen: Debris Tracking und Strahlenmessung der Luft haben Konjunktur.

„Die Radioaktivität macht keinen Halt vor Arm oder Reich“, kommentiert Jake V. im Internet. Das schockierende Beispiel vom im Silicon-Valley reich und berühmt gewordenen Apple-Begründer Steve Jobs, der im Oktober 2011 an Krebs gestorben ist, haben viele Kalifornier wie ein böses Omen vor Augen. Sie sagen sich: Wenn ein wohlhabender und erfolgreicher Unternehmer wie Jobs, der sich zudem veganisch ernährte und stets auf seine Gesundheit achtete, nicht vor den schädlichen Umwelteinflüssen schützen konnte, wie sollen wir das? „Geld nutzt nichts, wenn man der Strahlung ausgesetzt ist. Jobbs konnte sich auch nicht retten“, schreibt ein besorgter Mann aus Los Angeles im Umweltforum Rense.

Wütende Amerikaner wie der an Leukämie erkrankte Kevin Blanch sparen im Internet nicht mit den unflätigsten Beschimpfungen, um die Lügen der Regierungen zu entlarven. „Fucking Fukushima – everybody is lying. Pieces of shit.“ Der krebskranke Blanch spricht sich die Wut aus der Seele: "10 Millionen Dollar wurde für Lebensmittelkontrolle in diesem Jahr eingespart, gerade jetzt, wo es wichtiger als jemals in der Menschheit ist. Arschlöcher!"

Fisch aus dem Pazifik wird von Vielen mittlerweile komplett von der Speisekarte gestrichen. „Ich habe schon damals nach der Ölkatastrophe von Alaska aufgehört, Lachs und Krabben zu essen. Jetzt gibts auch kein Sushi und Meeresfrüchte mehr. Das ist endgültig vorbei“, sagt Glen Allport, der regelmäßig Kommentare zu den Gesundheitsgefahren durch Fukushima im Internet veröffentlicht.

Die nordamerikanische Westküste mit Regenwäldern - ein einmaliges Naturparadies ist in Gefahr

Weiter nördlich, entlang der wild-romantischen Pazifikküste zwischen den US-Bundesstaaten Oregon, Washington und dem kanadischen British Columbia, wo der weite Ozean an langen traumhaften Stränden als feine Gischt aufschlägt und mit der Luft vermischt, fürchtet man die weitreichende Verbreitung der Radionuklide in der unmittelbaren Atmosphäre. Hier gedeihen gigantische Nadelbäumen wie Red Cedar, Douglas Fir oder Hemlocks, die ein einzigartiges Biotop für eine noch relativ intakte Natur und den letzten verbliebenen Regenwäldern närdlich des Äquators bilden. Für Regionen wie British Columbia sind Fischfang, Lachszucht, Krabbenfischerei und die Forstwirtschaft die einzigen Industriezweige. Die Auswirkung durch Strahlenbelastung insbesondere auf die lukrative Lachsfischerei British Columbias wird schmerzhafte und weitreichende wirtschaftliche Folgen haben.

Ozeanströmungen verhalten sich anders als erwartet

Bislang hatten Behörden gehofft, dass sich die 100.000 Liter mit 15.000 Terrabequerel Cäsium und Strontium verseuchten hochradioaktiven Kühlwassers in den Weiten des Ozeans verdünnen und somit an Strahlung verlieren würden. Auch hatte man angenommen, dass in den tiefen Ozeangräben zwischen Japan und Nordamerika wie im Davy Jones's Locker die schwereren Schadstoffe absinken. Doch neueste Messungen zeigen, dass die Bewegungen im Ozean keineswegs so berechenbar sind wie erhofft. Nach Norden fließende Meeresströmungen bringen radioaktive Partikel Richtung Alaska, Beringsee und Kamtschatka. Strömungen in den Süden Richtung Mittelamerika verbreiten radioaktive Partikel entlang der kalifornischen Küste bis nach Mexiko.

Die Atomenergiebehörde IAEA hat mittlerweile eingeräumt, dass Cäsium-137 die Küsten anderer Länder in einigen Jahren oder Monaten erreichen könnte. Im April 2012 publizierte auch die US-Regierung, dass aus Japan ankommendes Treibgut radioaktiv verseucht sein kann und bittet Finder um die Meldung an das Umweltministerium. Zunächst werde Hawaii, anschließend die Strände von Kalifornien, British Clumbia bis hinunter nach Baja California betroffen sein.

Schutz vor Strahlung im eigenen Zuhause – Urban Gardening boomt

Hersteller von Luftfiltern können sich in den USA vor Aufträgen kaum retten, die Pharmaindustrie verdient mit, in Health-Food-Stores sind Präparate zur Stärkung des Immunsystems wie Algenpräparate gegen Radioaktivität ausverkauft. Die gesundheitsbewussten Anwohner Kaliforniens beraten sich gegenseitig mit Ernährungstipps, um sich vor Strahlenschäden und krebserregden Substanzen zu schützen. Potassium, Vitamine, Tumeric oder Grüner Tee werden in Foren als natürlicher Schutz vor Krebs empfohlen.

Auch die Aufzucht eigenen Gemüses, möglichst biologisch angebaut, wird empfohlen. Schon seit gut vier Jahren boomt an der ganzen Westküste und in den großen Metropolen wie Seattle, Los Angeles, San Francisco oder Vancouver die Kultur der Stadtgärten - Urban Farming. Viele Communities tun sich zusammen, um in Gemeinschaft einen Nachbarschaftsgarten zu betreiben und sich gesünder zu ernähren. Sie sehen sich jetzt in ihren Aktionen bestätigt. Zudem gibt es immer wieder Warnungen vor Regen und Niederschlägen, die radioaktiv belastet sein könnten. Stay Out of the Rain – raten Umweltschützer und empfehlen, Straßenschuhe vor der Haustür zu lassen, um nicht unnötig das eigene Haus zu verseuchen.

"Junge Menschen sollten sich auf der Südhalbkugel ansiedeln"

Eine besonders drastische Warnung von Nuklearexperten wie von Ingenieur Arnie Gundersen wird in amerikanischen Foren derzeit hitzig diskutiert. In einem Interview empfiehlt Gundersen jungen Amerikanern gar, sich bei einer weiteren Verschlimmerung der Lage in Japan, einen neuen Wohnort auf der Südhalbkugel zu suchen. Es drohe eine noch schlimmere nukleare Katastrophe im Abklingbecken des Reaktors 4, sollten die hochkonzentrierten radioaktiven Partikel aus 1.500 freiliegenden Brennstäben freigesetzt werden. Dies würde die radioaktive Strahlung sämtlicher rund 800 Atomtests, die seit den 1940er Jahren weltweit unternommen wurden, übertreffen. Junge Menschen in ihren 20ern oder 30ern sollten sich dann schleunigst nach einer neuen Heimat umschauen und die Westküste verlassen. Und Japan? Das Land würde im Falle X auf Dauer ohnehin unbewohnbar.

Quellen:

Environmental Science and Technology

Radiation News

Natural News

Energy News

A Green Road