Kalkbergwerk im Erzgebirge - Museum und Produktion

Kalkwerk - Jonny Michel
Kalkwerk - Jonny Michel
Seit über 450 Jahren wird im Kalkwerk Lengefeld dolomitischer Kalk abgebaut. Vier alte Kalkbrennöfen dienen als Ausstellungsräume - einmalig in Sachsen.

Als Anfang des 12. Jahrhunderts das große "Berggeschrey" durch die Täler des Erzgebirges hallte, begann für diesen sächsischen Landstrich, vor allem im Raum Freiberg, die Zeit einer raschen kulturellen und frühen industriellen Entwicklung. Silber wurde in großen Mengen abgebaut und lockte Handwerk, Handel und Gewerbe in die Region. Aber dieses "Berggeschrey" währte nur bis zum Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts. Der Silberbergbau kam fast zum Erliegen, da die Silberausbeute immer mehr abnahm. Rund 100 Jahre später erschallte aus dem westlichen Erzgebirge um Schneeberg ein neues "Berggeschrey". Von da aus zog sich der Silberbergbau über einen großen Teil des Westerzgebirges nach Annaberg, Joachimsthal in Böhmen und Marienberg, nur wenige Kilometer von Chemnitz entfernt.

In Lengefeld wenig Ausbeute

Auch in Lengefeld, zwischen Chemnitz und Marienberg gelegen, wurden die Bergleute fündig. Doch die Ausbeute reichte nicht annähernd an die der Schneeberger Gruben heran. Die Bergleute entdeckten aber Anfang des 16. Jahrhunderts reichliche Vorkommen dolomitischen Kalks - weißen erzgebirgischen Marmor. Neben dem spärlichen Vorkommen von Silber- und Eisenerz hatten sie so eine zusätzliche Einnahmequelle gefunden, und die sollte sich nach dem Entzug der Bergrechte für Silberbergbau 1813 als äußerst nützlich erweisen. Der 1529 begonnene Kalkabbau im Tagebau wurde fortgesetzt. Ab 1925 begann die Förderung im Schachtbetrieb und noch heute bringen die Bergleute der GEOMIN - Erzgebirgische Kalkwerke GmbH den Kalkstein ans Tageslicht. Es ist das einzige Bergwerk in Sachsen, das noch im Schachtbetrieb arbeitet.

Weiterer Abbau ohne Brennen

Als 1975 feststand, dass die alten Brennöfen nicht mehr saniert werden konnten, aber geologische Erkundungen vorher das Vorhandensein von Kalkstein für Jahrzehnte prognostizierten, entschieden sich die Verantwortlichen dafür, diesen dolomitischen Kalk weiter abzubauen. Das Brennen wurde jedoch eingestellt.

Geschichtslehrer und Schüler greifen zur Maurerkelle

Zwei Geschichtslehrer, Dr. Siegfried Pach und Frank Kaden, begeisterten Schüler der 9. und 10. Klasse 1978 für den Erhalt des alten Kalkwerkes. In Zusammenarbeit mit dem Kulturbund der DDR, dem Ortsdenkmalpfleger, den Räten der Stadt sowie dem Institut für Denkmalpflege wurde ein Kraftakt unternommen, dessen Ergebnis sich heute sehen lassen kann. Die Hilfe verschiedener Gewerke aus dem Ort und der Umgebung war den jungen Leuten gewiss. Auch vom VEB Großdrehmaschinenbau "8. Mai" aus Karl-Marx-Stadt kam Hilfe. Schüler "verwandelten" sich in Maler, Maurer oder Fußbodenleger. Die Brennöfen wurden restauriert und für die späteren Museumsbesucher begehbar hergerichtet. Am 8. Mai 1986 konnte das Museum eröffnet werden.

Frank Kaden, der ehemalige Geschichtslehrer führt durchs Museum

Heute trifft der Tourist unter Umständen den damaligen Geschichtslehrer Frank Kaden wieder - als Museumsführer. Freundlich begrüßt er die Gäste, keine Frage ist ihm zu viel, und er weiß immer eine sachkundige Antwort. "Es gibt hier keinen Stein, den ich nicht schon einmal in der Hand gehalten habe", erklärt er seinen Besuchern nicht ohne berechtigten Stolz. Das Museum informiert über die alte Förder- und Brenntechnik. In den Gängen der Brennöfen zeugen Werkzeuge vergangener Zeiten von schwerer Arbeit. Eine eingerichtete Bergmannswohnung lässt erahnen, wie bescheiden das Leben war. Ein Webstuhl wirft Fragen auf. Frank Kaden: "Im Winter konnten die Bergleute keinen Kalk brechen. Da mussten sie sich mit Weben ihr Brot verdienen."

Eine geschichtsträchtige Ausstellung

In einem Ausstellungsraum wird über die legendäre Rettung Dresdner Kunstschätze durch die Rote Armee nach der Befreiung vom Faschismus berichtet. Der sächsische Gauleiter, Martin Mutschmann, befahl, dass im April und Mai 1945 189 Gemälde zusammen mit Exponaten der Porzellansammlung der Albrechtsburg Meißen im Kalkbruch Lengefeld eingelagert werden sollen. Was dann auch geschah. Im Ausstellungsraum sind die in Graustufen gehaltenen Kopien der Gemälde zu sehen. Nicht alle wurden wieder aufgefunden. Dabei gehen die Meinungen über die Rettung auseinander. In älteren Chroniken ist zu lesen, dass die Sowjetarmee die Gemälde in die Sowjetunion brachte, um sie zu restaurieren. Die Ausstellung versucht zu beweisen, dass eine "russische Trophäenkommission" die Kunstwerke als Kriegsbeute in die SU brachte. Sie wurden aber 1955 an die Kunstsammlung in Dresden wieder zurückgegeben. Ob Mutschmann auch befahl, den Schacht nach der Einlagerung zu sprengen, darüber scheiden sich ebenfalls die Geister. Frank Kaden: "Das ist eine Legende." Der genaue Gang der Geschichte wird aber leider im Dunkeln bleiben.

Alte Fördertechnik, Grubenbahn und Schaufellader

Auf dem Freigelände erklärt dann Frank Kaden die ausgestellte und sorgfältig restaurierte Technik: "Die Grubenbahn samt Lok fuhr bis zur Einstellung der Förderung in diesem Bergwerksbereich. Und hier die Fördertechnik, bevor die Hunte mittels elektrischer Fördertechnik zu Tage gebracht wurden. Ein großer Wasserbehälter wurde oben befüllt, bis er so schwer war, dass am anderen Ende der Hunt empor schwebte. War der Wasserbehälter auf der Sohle, wurde er entleert, das Wasser floss unterirdisch über einen Stollen ab und der leere Hunt sank wieder nach unten." Genauso fachmännisch erklärt der ehemalige Geschichtslehrer dann auch den Schaufellader, der mit Pressluft betrieben wurde, bevor es 40 Meter auf einem steilen Weg in den Tagebau geht - eine anstrengende Tour.

Zwischen Sprengmittelkammer und Orchideenwiese

In der Tiefe der ehemaligen zweiten Sohle angekommen, öffnet der Museumsführer die Tür zu einem Stollen, in dem früher die Sprengmittel, getrennt zwischen Sprengstoff und Zünder, aufbewahrt wurden. Hier kann der Besucher auch eine simulierte Sprengsituation erleben. Ein Raum dient heute den Mettenschichten und Frank Kaden betont auch gleich, dass die fünf für 2011 längst ausgebucht seien.

Wieder am Tageslicht, auf dem Grund des Bruches, verspürt der Besucher ein warmes und feuchtes Klima. "Dieses Klima sorgt dafür, dass hier auf dieser Wiese alljährlich im Juni und Juli rund 5.000 wilde Orchideen wachsen. Das ist natürlich immer ein besonderer Besuchermagnet", erklärt Frank Kaden.

Moderne Produktion bei GEOMIN

Während des Aufstiegs wird der Museumsführer nicht müde, weitere Fragen zu beantworten. Zum Beispiel über die heutige Förderung. "Wurde früher in einer Tiefe von rund 140 Metern geschürft, arbeiten die Bergleute heute 170 Meter unter der Erde. Die Fördermenge belief sich auf 400 Tonnen Kalk täglich. Jetzt fördert GEOMIN an die 800 Tonnen. Dabei wird nur der wirklich weiße Kalk abgebaut. Verfärbter bleibt im Berg. Die Bauindustrie, die chemische und die Kunststoffindustrie sind dankbare Abnehmer des aufbereiteten Kalks", erklärt der Erzgebirgler und verabschiedet sich, so wie es sich in der Region gehört, mit einem herzlichen "Glück auf!"

Quellen:

Kalkwerk Lengefeld

Jonny Michel, privat

Jonny Michel - Im vorigen Jahrhundert, 1951, in Chemnitz geboren, hatte ich kurz danach meinen ersten Umzug zu bewältigen - ich zog nach ...

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