
- Cover: Kalte Asche - amazon.de
Eine kleine schottische Insel, stürmisches Wetter und eine, übel zugerichtete, Leiche. Das sind die Hauptzutaten, die Simon Beckett für seinen Roman „Kalte Asche“ verwendet. Nicht gerade originell, aber durchaus effektiv.
Dr. David Hunter, ein forensischer Anthropologe, gerät nun zum zweiten Mal, mehr oder minder ungewollt, in die Situation, der Polizei hilfreich unter die Arme greifen zu müssen. Denn schon in seinem ersten Roman „Chemie des Todes“, lässt Simon Beckett die Hauptfigur mehr durch Zufall in die Ermittlungen hinein rutschen. Damals hatte Dr. Hunter seinen Beruf, aufgrund persönlicher Schicksalsschläge, an den Nagel gehängt, und war Landarzt geworden. Doch Ruhe war ihm, trotz dieser Entscheidung, nicht beschieden denn kurz nach seiner Ankunft in dem kleinen englischen Dörfchen trieb ein Frauenmörder sein Unwesen, welchen es zu fassen galt. Die Behörden baten Dr. Hunter um Mithilfe, nachdem sie erfuhren, welche Koryphäe er auf dem Gebiet der forensischen Anthropologie gewesen war.
Auch in „Kalte Asche“ wird Dr. Hunter um Hilfe gebeten, nachdem auf der Insel Runa eine Leiche gemeldet wurde. Kaum ist Hunter am Fundort eingetroffen, bricht ein Sturm los und das eigentliche Spurensicherungsteam hat keine Chance Runa noch zu erreichen. Somit ist Dr. Hunter erstmal auf sich alleine gestellt, als Unterstützung ist er auf den störrischen Sergeant Fraser, den jungen Constable McKinney und den pensionierten Kommissar Andrew Brody, welcher den Leichenfund meldete, angewiesen.
Leider erweist sich einzig Andrew Brody als wirkliche Hilfe und so muss Dr. Hunter die Ermittlungen zunehmend selbst in die Hand nehmen.
Sind die „Hunter“ - Romane von Simon Beckett nun eher Fluch oder Segen?
Nach „Chemie des Todes“ waren die Erwartungen an Becketts zweiten Hunter - Roman entsprechend hoch, doch leider blieb „Kalte Asche“ gänzlich hinter diesen zurück. Der Beginn des Buches erweist sich als eben so zäh wie der schottische Küstennebel, während die Protagonisten, vorerst nur damit beschäftigt sind sich gegenseitig zu versichern, dass sie einander nicht leiden können und nicht vorhaben zur Aufklärung des Falles beizutragen.
Die Inselbewohner werden entsprechend klischeehaft dargestellt, ein ruppiger Haufen von störrischen Fischern die keine Fremden mögen und entsprechend argwöhnisch das Geschehen auf ihrem Inselchen verfolgen.
Nachdem das so überraschend aufgetauchte Unwetter jegliche Verbindung zum Festland gekappt hat, passieren weitere Morde und Anschläge, wodurch sofort klar wird, dass der Übeltäter ein Bewohner Runas sein muss.
David Hunter zeigt schon im zweiten Band deutliche Ermüdungserscheinungen
Hat man „Chemie des Todes“ gelesen und, in freudiger Erwartung, zu „Kalte Asche“ gegriffen, wird man ziemlich schnell feststellen, dass sich die Romane schon fast erschreckend ähneln. Beide Fälle beginnen mit der Tatsache, dass Dr. Hunter eigentlich gar nicht in die Ermittlungen hinein gezogen werden will. Im Verlauf beider Bücher erfährt man jede Menge seiner privaten Probleme, welche den Leser zunehmend ermüden und ein wenig den Eindruck vermitteln, man befände sich in einer Selbsthilfegruppe für angeknackste Anthropologen.
Auch das Ende ist, hat man den Schluss von „Chemie des Todes“ vor Augen, keine große Überraschung, selbst der „Knalleffekt“, mit welchem Simon Beckett seinen Roman beenden möchte, kann dem Leser nicht einmal ein müdes Lächeln abringen. Sollte die letzte Seite dazu animieren, über das Schicksal David Hunters zu grübeln, hätte sich Beckett wohl etwas besser mit seinem Verlag absprechen sollen. Denn auf dem Inneneinband des Buches ist vermerkt, dass der Autor bereits an seinem dritten Hunter - Roman arbeitet. Pech für Beckett, denn somit ist das Schicksal seines Helden bereits besiegelt und der Leser kann sich wohl auf einen Fortlauf à la Wolfgang Hohlbein freuen, welcher Veröffentlichungen am Fließband garantiert, jedoch immer wieder die gleiche Romanvorlage an einen anderen Schauplatz verlegt, wohl um seine Leser nicht zu überfordern.
Darüber hinaus nutzt Simon Beckett „Kalte Asche“, um rückwirkend, noch ein wenig Werbung für sein Erstlingswerk zu machen. Immer wieder finden sich eingestreute Sätze welche darauf hinweisen, dass es sich bei dem aktuellen Roman bereits um die zweite Hunter - Story handelt. Zunehmend wird dadurch Druck ausgeübt, zeitweise hat man das Gefühl, es lege sich eine kalte, knochige Hand um des Lesers Hals und eine schwache Stimme scheint zu röcheln: Lies meinen ersten Roman, Du wirst es nicht bereuen!
Ob dies wirklich empfehlenswert ist, bleibt dahingestellt, vielleicht ist es tatsächlich besser, sich nur einen Hunter - Roman einzuverleiben, zumindest „Chemie des Todes“ kann durch diese Maßnahme nur gewinnen.
"Kalte Asche" von Simon Beckett, Verlag : rororo, Erscheinungsjahr : 2008, ISBN 978-3499241956, Preis : 9,99€
